Aberglaube ist der Glaube an übernatürliche Kräfte und Zusammenhänge, die sich nicht belegen lassen: dass eine schwarze Katze von links Unglück bringt, ein vierblättriges Kleeblatt Glück, oder dass man ein Unheil abwenden kann, indem man auf Holz klopft. Das Wort stammt aus dem Spätmittelalter; „aber“ bedeutete damals so viel wie „wider“ oder „falsch“, Aberglaube war also der falsche Glaube. Was als Aberglaube gilt, hängt davon ab, wer urteilt – früher die Kirche, heute meist die Wissenschaft. Verbreitet ist er bis heute: In einer YouGov-Umfrage von 2021 bezeichnen sich 30 Prozent der Deutschen als zumindest manchmal abergläubisch. Die Psychologie erklärt das mit einem tiefen Bedürfnis nach Kontrolle in unsicheren Momenten.
Vielleicht klopfst Du selbst auf Holz, wenn Du etwas Gutes aussprichst, gratulierst nie vor dem Geburtstag oder zögerst kurz, wenn eine schwarze Katze vor Dir über die Straße läuft. Du bist damit in guter Gesellschaft. In diesem Beitrag erfährst Du, was Aberglaube bedeutet und woher das Wort kommt, wie sich Aberglaube von Glaube, Brauch und Religion unterscheidet, wie alt der Aberglaube ist, welche 30 Aberglauben in Deutschland am bekanntesten sind und woher sie stammen, warum ausgerechnet Freitag, der 13., als Unglückstag gilt, welche Aberglauben es in anderen Ländern gibt – und was die Psychologie darüber weiß, warum Menschen abergläubisch sind.
Ich lege seit 2005 die Lenormandkarten und arbeite hauptberuflich in der psychologischen Lehre und Forschung. Eine Frage höre ich dabei immer wieder, manchmal neugierig, manchmal spitz: „Ist Kartenlegen nicht auch Aberglaube?“ Die ehrliche Antwort steht weiter unten. Vorweg nur so viel: Es kommt darauf an, was man von den Karten erwartet.
Aberglaube auf einen Blick
| Frage | Kurz beantwortet |
| Was ist Aberglaube einfach erklärt? | Aberglaube ist der Glaube, dass bestimmte Dinge, Zeichen oder Handlungen auf übernatürliche Weise Glück oder Unglück bringen – ohne dass sich ein Zusammenhang nachweisen lässt. |
| Woher kommt das Wort? | Das Wort Aberglaube ist seit dem Spätmittelalter belegt. „Aber“ bedeutete „wider“ oder „nach“, wie in Aberwitz. Gemeint war der falsche Glaube, als Übertragung des lateinischen superstitio. |
| Welche Aberglauben sind in Deutschland am bekanntesten? | Vierblättriges Kleeblatt, Schornsteinfeger, Hufeisen, auf Holz klopfen, Glückspfennig, Freitag, der 13., schwarze Katze von links, zerbrochener Spiegel und das Verbot, vor dem Geburtstag zu gratulieren. |
| Wie verbreitet ist Aberglaube? | In einer YouGov-Umfrage von 2021 nennen sich 30 Prozent der Deutschen zumindest manchmal abergläubisch, Frauen deutlich häufiger (39 Prozent) als Männer (21 Prozent). |
| Warum ist Freitag, der 13., ein Unglückstag? | Freitag gilt als Tag der Kreuzigung, die 13 als Unglückszahl. Die Verbindung beider Unglücksbringer ist aber jung: Bekannt wurde sie erst im 20. Jahrhundert. |
| Warum sind Menschen abergläubisch? | Aberglaube gibt ein Gefühl von Kontrolle, wenn die Lage unsicher ist. Unter Stress klopfen Menschen nachweislich häufiger auf Holz. |
| Können Glücksbringer wirken? | Eine Studie von 2010 fand bessere Leistungen mit Glücksbringern, zwei Wiederholungen von 2014 fanden kaum einen Effekt. Beruhigend kann ein Glücksbringer trotzdem sein. |
| Ist Aberglaube schädlich? | Meist ist er harmlos. Problematisch wird er, wenn Angst das Leben bestimmt, wenn Rituale zum Zwang werden oder wenn jemand mit Flüchen und Schutzritualen Geld verdient. |
Was ist Aberglaube? Bedeutung und Herkunft des Wortes
Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache definiert Aberglaube als „Glaube an die Wahrnehmung und Wirkung übernatürlicher Kräfte, Irrglaube“ (DWDS, Eintrag „Aberglaube“). Aberglaube ist Bestandteil jeder Kultur, und er basiert immer auf einem Zusammenhang, den es in der Natur nicht gibt: Eine Katze, die zufällig von links kommt, soll über den Verlauf des Tages entscheiden, ein Stück Holz soll ein ausgesprochenes Glück schützen. Aberglaube zeigt sich in drei Formen: als Glaube an Glücksbringer, als Glaube an Unglückszeichen und Vorzeichen und als kleine Rituale, die das Pech abwenden oder das Glück herbeiholen sollen.
Das Wort selbst ist spätmittelhochdeutsch (abergloube) und setzte sich im 15. und 16. Jahrhundert durch. Die Vorsilbe „aber“ bedeutete ursprünglich „nach, hinter, wider“ und bekam einen abwertenden Sinn – wie in Aberwitz, dem verkehrten Witz. Aberglaube ist also wörtlich der verkehrte Glaube. Eine ältere Nebenform war Afterglaube. Beide übertragen das lateinische superstitio, das die Römer vom richtigen Götterdienst, der religio, abgrenzten. Der Philosoph Cicero leitete den Begriff von Menschen ab, die tagelang beteten und opferten, damit ihre Kinder sie überlebten, also superstites blieben.
Zwei sprachliche Fragen tauchen dabei oft auf. Richtig sind sowohl „der Aberglaube“ als auch, seltener, „der Aberglauben“. Beim Adjektiv ist „abergläubisch“ die übliche Form; „abergläubig“ verzeichnet der Duden als seltener, meist auf Personen bezogen.
Aberglaube, Glaube, Brauch, Religion: Wo liegt der Unterschied?
Aberglaube ist fast nie eine Selbstbezeichnung. Niemand sagt: „Mein Aberglaube lehrt mich …“ Das Wort ist ein Urteil von außen über religiöse Praxis oder Volksglauben, und es hängt davon ab, wer urteilt – und was er für übernatürlich hält. Für die Kirche des Mittelalters war Aberglaube alles, was von ihrer Lehre abwich. Für die Aufklärung war es alles, was der Vernunft widersprach. Aus atheistischer Sicht ist jede Religion ein Aberglaube. Die Grenzen verschwimmen also, und das macht die folgende Unterscheidung umso wichtiger:
| Begriff | Was gemeint ist | Beispiel |
| Glaube | Religiöses Vertrauen in Gott oder eine Lehre, eingebettet in eine Gemeinschaft und eine Ethik. | Beten, Gottesdienst, Vertrauen auf göttliche Führung |
| Aberglaube | Glaube an übernatürliche Wirkungen von Dingen, Zeichen oder Handlungen, ohne religiösen oder wissenschaftlichen Rückhalt. | Schwarze Katze von links, Glückspfennig, auf Holz klopfen |
| Brauch | Eine gemeinsame, überlieferte Handlung. Ein Brauch braucht keinen Glauben, er lebt von der Wiederholung. | Adventskranz, Polterabend, Neujahrswünsche |
| Ritual | Eine feste Abfolge von Handlungen, die Sicherheit gibt – religiös, abergläubisch oder ganz weltlich. | Die immer gleiche Vorbereitung vor einer Prüfung |
| Magie | Der Versuch, die Welt durch geheime Kräfte, Formeln oder Rituale gezielt zu beeinflussen. | Liebeszauber, Schutzzauber, Fluch |
| Volksglaube | Neutralerer Begriff der Volkskunde für überlieferte Vorstellungen einer Region. | Wetterregeln, Rauhnachtsbräuche |
| Spiritualität | Die persönliche Suche nach Sinn und Verbundenheit, mit oder ohne Religion. | Meditation, Naturerleben, Achtsamkeit |
In der Praxis gehen die Kategorien ineinander über. Ein Brauch wie das Bleigießen zu Silvester war ursprünglich ein Orakel, das die Zukunft zeigen sollte; heute gießen die meisten Menschen aus Spaß. Mehr zur Abgrenzung von Esoterik und Spiritualität findest Du in den Beiträgen Was ist Esoterik? und Unterschied Esoterik und Spiritualität. Die katholische Kirche formuliert es übrigens selbst streng: Der Katechismus nennt den Aberglauben eine „Entgleisung des religiösen Empfindens“ (Nr. 2111).
Wie alt ist der Aberglaube? Die Geschichte des Aberglaubens
Aberglaube ist so alt wie der Glaube selbst, denn er ist dessen Schatten. Schon die Römer unterschieden zwischen der religio, dem geordneten Dienst an den Göttern, und der superstitio, der übertriebenen, ängstlichen Frömmigkeit. In der Bibel findet sich das Wort in Luthers Übersetzung der Apostelgeschichte: „Ihr Männer von Athen, ich sehe euch, daß ihr in allen Stücken allzu abergläubisch seid“ (Apostelgeschichte 17,22, Lutherbibel 1912).
Im Mittelalter kämpfte die Kirche gegen das, was sie für Reste heidnischer Religion hielt: Zaubersprüche, Tagewählerei, Amulette. Zugleich bot sie eigene Schutzmittel an, von Segensformeln bis zu Reliquien, und die Grenze zwischen Frömmigkeit und Zauber blieb fließend. Wie solche Sprüche klangen, zeigen die Merseburger Zaubersprüche, im 10. Jahrhundert aufgeschrieben, 1841 in einer Handschrift entdeckt und 1842 von Jacob Grimm herausgegeben: ein Lösezauber für Gefangene und ein Heilzauber für ein verrenktes Pferdebein, zwei der wenigen althochdeutschen Zeugnisse vorchristlicher Mythologie.
Ein verbreiteter Irrtum betrifft die Hexenverfolgung: Sie war kein Phänomen des Mittelalters, sondern der frühen Neuzeit. Ihr Höhepunkt lag zwischen 1550 und 1650; in Europa wurden geschätzt 40.000 bis 60.000 Menschen als Hexen hingerichtet, etwa 25.000 davon im Heiligen Römischen Reich. Befeuert hatte den Wahn unter anderem der „Hexenhammer“ von 1486. Der Glaube an Schadenzauber war damals kein Randphänomen, sondern Teil von Recht und Theologie.
Mit der Aufklärung wurde Aberglaube zum Gegenbegriff der Vernunft. Im 19. Jahrhundert begann die Volkskunde, den Volksglauben zu sammeln, und zwischen 1927 und 1942 erschien das zehnbändige „Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens“ von Hanns Bächtold-Stäubli und Eduard Hoffmann-Krayer. Es gilt heute als wissenschaftlich überholt, weil es die Bräuche aus ihrem Zusammenhang riss und fast alles für heidnische Überreste hielt – eine romantische Idee, die in vielen Erklärungen bis heute nachwirkt.
Aberglaube heute: Wie abergläubisch sind die Deutschen?
Ganz verschwunden ist der Aberglaube nie. Das Institut für Demoskopie Allensbach fragte über Jahrzehnte, welche Glücks- und Unglücksbringer die Menschen beachten; 2005 lagen vierblättriges Kleeblatt, Sternschnuppen und Schornsteinfeger mit rund 40 Prozent vorn, und nur 32 Prozent hielten sich für frei von solchem Glauben. Eine repräsentative YouGov-Umfrage vom August 2021 mit 2.041 Befragten kam zu diesem Bild (YouGov 2021):
| Ergebnis | Anteil |
| Bezeichnen sich als zumindest manchmal abergläubisch | 30 Prozent (Frauen 39, Männer 21 Prozent) |
| Davon glauben an das vierblättrige Kleeblatt als Glücksbringer | 52 Prozent |
| … klopfen auf Holz | 50 Prozent |
| … halten den Glückspfennig für einen Glücksbringer | 46 Prozent |
| … halten die 13 für eine Unglückszahl | 39 Prozent |
| … fürchten einen zerbrochenen Spiegel | 36 Prozent |
| … halten es für Unglück, vor dem Geburtstag zu gratulieren | 35 Prozent |
| … sehen im Schornsteinfeger einen Glücksbringer | 32 Prozent |
| … halten schwarze Katzen für Unglücksboten | 28 Prozent |
30 Beispiele: Die bekanntesten deutschen Aberglauben und woher sie kommen
Welche Aberglauben gibt es? In Deutschland kennt fast jeder dieselben: die Glücksbringer zu Silvester, die Unglückszeichen, vor denen man als Kind gewarnt wurde, und die kleinen Regeln beim Schenken. Woher ein Aberglaube kommt, lässt sich allerdings selten sicher sagen. Die Tabellen nennen deshalb die gängige Erklärung und sagen dazu, wo sie belegt und wo sie nur eine gute Geschichte ist.
Aberglauben, die Glück bringen
| Aberglaube | Bedeutung | Woher kommt er? |
| Vierblättriges Kleeblatt | Wer eines findet, hat Glück. | Klee hat normalerweise drei Blätter; das vierte ist eine seltene Abweichung. Das Seltene galt als Zeichen. Auch in den Lenormandkarten steht der Klee für ein kleines, kurzes Glück. |
| Schornsteinfeger | Ihn zu sehen oder seinen Knopf zu berühren bringt Glück. | Ein gefegter Kamin bedeutete warmes Essen, eine warme Stube und weniger Brandgefahr. Der Schornsteinfeger brachte also tatsächlich Sicherheit ins Haus. |
| Hufeisen | Über der Tür schützt es das Haus. | Eisen galt als Schutz gegen böse Mächte, das Pferd als wertvoller Besitz. Ob die Öffnung nach oben (das Glück auffangen) oder nach unten gehört, ist regional verschieden. |
| Glücksschwein | Wer ein Schwein bekommt, „hat Schwein“. | Die Wendung stammt laut DWDS aus der Studentensprache des frühen 19. Jahrhunderts und wird auf Schützenfeste zurückgeführt, bei denen der Verlierer ein Schwein als Trostpreis bekam. Das Schwein stand zugleich für Wohlstand. |
| Marienkäfer | Wer einen auf der Hand hat, hat Glück; töten bringt Pech. | Der Name verbindet ihn mit der Gottesmutter Maria. Als Blattlausfresser war er zudem ein echter Helfer im Garten. |
| Glückspfennig, Glückscent | Eine gefundene Münze bringt Glück, eine Münze im Portemonnaie hält das Geld fest. | Geld soll Geld anziehen. Verwandt ist der Brauch, zu Silvester eine Karpfenschuppe ins Portemonnaie zu legen. |
| Sternschnuppe | Wer eine sieht, hat einen Wunsch frei – solange er ihn nicht verrät. | Die Leuchtspur galt als Zeichen vom Himmel. Das Schweigegebot findet sich bei vielen Wunschbräuchen. |
| Scherben bringen Glück | Zerbrochenes Porzellan beim Polterabend bringt dem Paar Glück. | Die gängige Erklärung lautet, der Lärm vertreibe böse Geister. Praktisch ist der Brauch ein Gemeinschaftserlebnis: Das Paar kehrt die Scherben gemeinsam auf. |
| Daumen drücken | Wer die Daumen drückt, wünscht Glück. | Die Herkunft ist umstritten. Oft wird sie mit Gladiatorenkämpfen erklärt, belegt ist das nicht. Eine andere Deutung sieht im eingeschlossenen Daumen einen festgehaltenen bösen Geist. |
| Toi, toi, toi | Man wünscht Glück, etwa vor einer Prüfung oder Premiere. | Laut DWDS ahmt der Ausruf ein dreimaliges Ausspucken nach, das Unheil abwenden sollte. In Schriften ist er seit dem 19. Jahrhundert belegt. |
| Auf Holz klopfen | Wer etwas Gutes ausspricht, klopft dreimal auf Holz, damit es nicht verschwindet. | Man will das Glück nicht „beschreien“ (daher auch „unberufen“). Ob Baumgeister oder das Holzkreuz dahinterstehen, ist ungeklärt. |
| Fliegenpilz | Als Anhänger oder Figur ein Glücksbringer zum Jahreswechsel. | Warum ausgerechnet ein Giftpilz zum Glückssymbol wurde, ist ungeklärt. Auf Neujahrskarten gehört er seit Langem dazu, und das Wort Glückspilz verstärkt die Verbindung. |
Aberglauben, die Pech bringen
| Aberglaube | Bedeutung | Woher kommt er? |
| Freitag, der 13. | Ein Unglückstag, an dem man nichts Wichtiges beginnen sollte. | Die Verbindung zweier Unglücksbringer ist erst im 20. Jahrhundert populär geworden – mehr dazu im nächsten Abschnitt. |
| Die Zahl 13 | Die 13 bringt Unglück; manche Hotels haben kein Zimmer 13, manche Flugzeuge keine Reihe 13. | Beim letzten Abendmahl saßen 13 am Tisch; in der nordischen Sage stört Loki als 13. Gast ein Göttermahl. Die 12 galt dagegen als vollkommene Zahl. |
| Schwarze Katze von links | Läuft sie von links über den Weg, droht Unglück. | Im christlichen Mittelalter galt die Katze als Begleiterin von Hexen. Links war die Unglücksseite: Das lateinische sinister bedeutet links und zugleich unheilvoll. In Großbritannien bringt die schwarze Katze dagegen Glück. |
| Zerbrochener Spiegel | Sieben Jahre Pech. | Das Spiegelbild galt als Abbild der Seele; wer es zerbricht, verletzt sich selbst. Die Sieben ist eine alte symbolische Zahl. |
| Unter einer Leiter durchgehen | Bringt Unglück. | Die praktische Erklärung liegt nahe: Von oben kann etwas herabfallen. Symbolisch wird das Dreieck aus Leiter, Wand und Boden mit der Dreifaltigkeit oder mit der Leiter am Galgen verbunden. |
| Salz verschütten | Verschüttetes Salz bringt Streit und Unglück. | Salz war lange kostbar. Auf Leonardo da Vincis Abendmahl stößt Judas ein Salzfass um – das Bild hat den Aberglauben bekannt gemacht. |
| Vor dem Geburtstag gratulieren | Bringt dem Geburtstagskind Unglück. | Man soll das Glück nicht vorwegnehmen: Wer vorher gratuliert, unterstellt, der Tag werde sicher kommen, und fordert das Schicksal heraus. |
| Mit Wasser anstoßen | Wer mit Wasser anstößt, wünscht dem anderen Unglück oder gar den Tod. | Beim Anstoßen wünscht man einander Gesundheit; mit Wasser soll das ins Gegenteil kippen. Oft wird das mit Lethe, dem Totenfluss der griechischen Sage, erklärt; belegt ist diese Herkunft nicht. |
| Spinne am Morgen | „Spinne am Morgen bringt Kummer und Sorgen, Spinne am Abend erquickend und labend.“ | Gemeint ist ursprünglich nicht das Tier, sondern das Spinnen von Wolle: Wer schon morgens spinnen musste, war arm; wer abends spann, verdiente sich etwas dazu. |
| Ruf des Käuzchens | Der Ruf kündigt einen Todesfall an. | Der Steinkauz ruft nachts, und sein Ruf wurde als „komm mit“ gehört. Licht in Krankenzimmern lockte Insekten und damit die Eulen an. Mehr über die Eule als Symbol steht bei der Lenormandkarte Eule. |
| Ein Bild fällt von der Wand | Ein Todesfall steht bevor. | Ein unerklärliches Ereignis im Haus wurde als Vorzeichen gelesen. Meist ist es ein alter Nagel. |
| Mit dem linken Fuß aufstehen | Der Tag wird schlecht. | Wieder die linke Unglücksseite. Die Redewendung beschreibt heute vor allem schlechte Laune. |
| Regenschirm im Haus aufspannen | Bringt Unglück ins Haus. | Die Herkunft ist unklar. Eine praktische Deutung verweist auf die Verletzungsgefahr der früheren Federmechanik. |
Aberglaube im Alltag: Was darf man nicht schenken?
Besonders zäh hält sich der Aberglaube beim Schenken. Diese fünf Regeln kennen viele – und die meisten haben eine eingebaute Lösung:
| Geschenk | Was es angeblich anrichtet | Die übliche Lösung |
| Messer und Scheren | Sie „zerschneiden“ die Freundschaft. | Der Beschenkte gibt eine Münze zurück; so ist das Messer gekauft, nicht geschenkt. |
| Eine leere Geldbörse | Sie bleibt leer. | Eine Münze oder ein Schein hinein, damit das Geld nie ausgeht. |
| Schuhe | Der Beschenkte läuft damit davon. | Auch hier hilft eine symbolische Münze. |
| Perlen | Sie bringen Tränen. | Viele Bräute tragen sie trotzdem; manche lassen sich die Perlen bewusst schenken statt kaufen. |
| Eine Uhr (in China) | Im Chinesischen klingt „eine Uhr schenken“ wie „jemanden in den Tod begleiten“. | Auf andere Geschenke ausweichen – ein Beispiel dafür, dass Aberglaube oft an der Sprache hängt. |
Aberglaube zwischen den Jahren: Rauhnächte und Silvester
Kein Zeitraum ist so reich an Aberglauben wie die Tage zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag – kaum ein Thema füllt so viele Kalenderseiten. Nach altem Volksglauben soll man in den Rauhnächten keine Wäsche waschen oder aufhängen, weil sich die Wilde Jagd darin verfangen könnte – die ganze Geschichte steht im Beitrag über die Rauhnächte. Zu Silvester folgen die Glücksbringer: Schornsteinfeger, Kleeblatt, Schwein und Fliegenpilz, dazu Orakel wie das Wachsgießen, das seit dem Verbot bleihaltiger Sets das Bleigießen ersetzt. Wie diese Orakel mit der Wahrsagerei verwandt sind, erfährst Du im Beitrag Wahrsagerei.
Warum ist Freitag, der 13., ein Unglückstag?
Freitag, der 13., ist der bekannteste Aberglaube überhaupt – und einer der jüngsten. Er verbindet zwei ältere Unglücksbringer: Der Freitag gilt im Christentum als Tag der Kreuzigung, die 13 als Unglückszahl, weil sie auf die vollkommene 12 folgt, beim letzten Abendmahl 13 Personen am Tisch saßen und in der nordischen Mythologie Loki als 13. Gast zu einem Göttermahl kam und den Tod Baldurs auslöste. Dass beides zusammen einen besonderen Unglückstag ergibt, ist dagegen eine Vorstellung des 20. Jahrhunderts. Großen Anteil daran hatte der US-Roman „Friday, the Thirteenth“ von Thomas W. Lawson, der 1906 als Fortsetzungsroman erschien.
Die Angst vor diesem Tag hat sogar einen Fachnamen: Paraskavedekatriaphobie. Die Angst vor der Zahl 13 heißt Triskaidekaphobie. Jedes Jahr hat mindestens einen und höchstens drei Freitage, die auf einen 13. fallen. Und in anderen Ländern gelten andere Tage: In Spanien und Griechenland ist Dienstag, der 13., der Unglückstag, in Italien die Zahl 17 und Freitag, der 17.
| Frage | Was die Daten sagen |
| Passieren an Freitag, dem 13., mehr Unfälle? | Nein, nicht grundsätzlich. Der ADAC hat seine Zahlen mehrfach verglichen: 2020 lagen beide Freitage, der 13., unter dem Freitagsdurchschnitt (756 und 802 gegenüber 826 Unfällen), 2019 lagen beide darüber (1.050 und 1.135 gegenüber 946). Eine systematische Erhöhung findet sich nicht. |
| Und die Versicherungen? | Auch Versicherer finden keinen Anstieg. Die Zurich-Versicherung verzeichnete an solchen Tagen sogar weniger Schadensmeldungen als an anderen Freitagen. |
| Warum bleibt der Aberglaube trotzdem? | Weil wir uns an ein Missgeschick am Freitag, dem 13., besser erinnern als an eines an einem gewöhnlichen Donnerstag. Das Datum macht das Pech bedeutsam. |
Aberglaube in anderen Ländern: Beispiele aus aller Welt
Gibt es Aberglauben auch in anderen Ländern? Überall auf der Welt – und oft mit genau entgegengesetzter Bedeutung. Was in Deutschland Glück bringt, bringt anderswo Pech, und umgekehrt. Häufig hängt der Aberglaube an der Sprache, wie das Beispiel der Zahlen zeigt.
| Land | Aberglaube | Hintergrund |
| China, Japan, Korea | Die Zahl 4 bringt Unglück; manche Gebäude haben keinen vierten Stock. | Das Wort für vier klingt in diesen Sprachen ähnlich wie das Wort für Tod. |
| China | Die Zahl 8 bringt Glück. | Acht klingt ähnlich wie das Wort für Wohlstand; die Olympischen Spiele in Peking begannen am 8.8.2008 um 20.08 Uhr. |
| Italien | Die 17 ist die Unglückszahl. | Als römische Zahl XVII lässt sie sich zu VIXI umstellen – „ich habe gelebt“, also: ich bin tot. |
| Spanien, Griechenland | Dienstag, der 13., ist der Unglückstag. | Der Dienstag ist nach dem Kriegsgott benannt (Martes); zudem fiel Konstantinopel 1453 an einem Dienstag. |
| Großbritannien | Eine schwarze Katze bringt Glück. | Das Gegenteil des deutschen Aberglaubens – dieselbe Katze, andere Überlieferung. |
| Türkei, Griechenland, Naher Osten | Das blaue Auge (Nazar) schützt vor dem bösen Blick. | Der Glaube an den neidischen, schadenden Blick ist rund um das Mittelmeer sehr alt. |
| Japan | Die winkende Katze (Maneki-neko) lockt Kundschaft und Geld an. | Sie steht in vielen Geschäften und Restaurants, auch in Europa. |
| Russland | Man gibt sich nicht über die Türschwelle die Hand; Blumen verschenkt man in ungerader Zahl. | Die Schwelle galt als Grenze zur Welt der Geister; gerade Zahlen gehören auf Beerdigungen. |
Warum sind Menschen abergläubisch? Was die Psychologie weiß
Warum klopfen auch Menschen auf Holz, die nicht an Geister glauben? Weil Aberglaube weniger mit Überzeugung zu tun hat als mit der Art, wie unser Gehirn Ursache und Wirkung verknüpft. Die Psychologie kennt mehrere Mechanismen, die zusammenwirken:
| Mechanismus | Was passiert | Beispiel |
| Zufällige Verstärkung | Folgt auf eine Handlung zufällig etwas Gutes, wird die Handlung wiederholt, als hätte sie gewirkt. | Mit dem Glücksstift lief die Prüfung gut – also nimmt man ihn wieder mit. |
| Kontrollillusion | Menschen überschätzen ihren Einfluss auf Zufallsereignisse, besonders wenn sie selbst handeln dürfen. Das Konzept geht auf die Psychologin Ellen Langer (1975) zurück. | Selbst gezogene Lose gelten als wertvoller als zugeteilte. |
| Stress und Unsicherheit | Wo man wenig beeinflussen kann, wächst der Wunsch nach Ritualen. | Vor Operationen, Prüfungen oder Wettkämpfen nehmen Rituale zu. |
| Mustererkennung | Der Mensch ist ein Mustersucher: Das Gehirn findet Zusammenhänge, auch wo keine sind (Apophänie). | Die schwarze Katze am Morgen „erklärt“ den missratenen Tag. |
| Bestätigungsfehler | Treffer bleiben im Gedächtnis, Fehlschläge nicht. | An das Pech am Freitag, dem 13., erinnert man sich, an das Glück daran nicht. |
| Magisches Denken | Kinder durchlaufen eine Phase, in der Gedanken und Wünsche die Welt zu beeinflussen scheinen; Reste davon bleiben ein Leben lang. | Nicht auf die Fugen der Gehwegplatten treten, sonst passiert etwas. |
Das bekannteste Experiment dazu stammt von dem US-Psychologen B. F. Skinner. Er gab 1948 acht hungrigen Tauben in regelmäßigen Abständen Futter, zunächst alle 15 Sekunden, ganz gleich, was sie taten. Sechs der acht Tauben entwickelten feste Rituale: Eine drehte sich gegen den Uhrzeigersinn, eine andere stieß den Kopf in eine Ecke des Käfigs, als hätte genau das das Futter gebracht. Skinner nannte seine Arbeit „‚Superstition‘ in the Pigeon“ und verglich die Tauben mit Kartenspielern, die mit Ritualen ihr Glück wenden wollen (Skinner 1948).
Dass Stress den Aberglauben verstärkt, zeigte der israelische Psychologe Giora Keinan 2002. Er stellte 108 Teilnehmenden Fragen, die zum Klopfen auf Holz einladen, teils in einer entspannten, teils in einer belastenden Situation. Unter Stress klopften vor allem jene häufiger, die ein starkes Bedürfnis nach Kontrolle hatten (Keinan 2002). Aberglaube ist also oft eine Antwort auf Ohnmacht: Wenn ich schon nichts tun kann, klopfe ich wenigstens auf Holz.
Können Glücksbringer wirklich helfen?
2010 sorgte eine Studie aus Köln für Aufsehen. Lysann Damisch, Barbara Stoberock und Thomas Mussweiler berichteten in vier Experimenten, dass Glücksbringer die Leistung steigern: Wer glaubte, mit einem „Glücksball“ zu putten, traf beim Golf häufiger; wer seinen Talisman dabeihatte, schnitt bei Gedächtnisaufgaben besser ab. Die Erklärung klang plausibel – der Glücksbringer stärke das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten (Damisch u. a. 2010).
Das Problem: Als Robert Calin-Jageman und Tracy Caldwell das Golf-Experiment 2014 in zwei großen, sorgfältig geplanten Wiederholungen nachstellten, fanden sie kaum bis gar keinen Effekt (Calin-Jageman und Caldwell 2014). Ehrlich zusammengefasst: Dass Glücksbringer die Leistung messbar verbessern, ist nicht belegt. Dass ein vertrauter Gegenstand beruhigt und ein Ritual durch eine angespannte Situation trägt, erleben dagegen viele Menschen. Das ist kein Zauber, aber auch nicht nichts.
Ist Aberglaube harmlos? Wann er zum Problem wird
Meistens ist Aberglaube harmlos, oft sogar gesellig: Man drückt einander die Daumen, verschenkt Glücksschweine und lacht über den Schornsteinfeger im Aufzug. Problematisch wird er in drei Fällen. Erstens, wenn die Angst das Leben bestimmt – wenn jemand an Freitag, dem 13., nicht mehr aus dem Haus geht oder wichtige Termine nach Vorzeichen verschiebt. Zweitens, wenn Rituale nicht mehr freiwillig sind: Wer ein Ritual ausführen muss, weil sonst unerträgliche Angst entsteht, sollte das ärztlich oder psychotherapeutisch abklären lassen, denn dahinter kann eine Zwangsstörung stehen. Drittens, wenn jemand mit der Angst Geld verdient – mit Flüchen, die angeblich auf einem liegen, und teuren Ritualen, die sie lösen sollen. Wie diese Masche funktioniert, beschreibe ich in den Beiträgen über Liebeszauber und Partnerrückführung.
Aberglaube und Religion: Ist Aberglaube eine Sünde?
Die großen Religionen lehnen Aberglauben ab – oft strenger, als es ihre Gläubigen im Alltag tun. Die folgende Übersicht zeigt, wie Christentum, Judentum und Islam den Aberglauben bewerten:
| Religion | Haltung zum Aberglauben | Beleg |
| Katholische Kirche | Aberglaube ist eine Sünde gegen das erste Gebot: Er schreibt Dingen oder Handlungen eine Kraft zu, die nur Gott zusteht, oder macht aus Gebeten und Sakramenten Zauberei. | Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2110–2111 |
| Evangelische Kirchen | Ebenfalls ablehnend, im Ton meist gelassener. Biblischer Bezugspunkt ist oft Paulus, der den Athenern in Luthers Übersetzung vorhält, sie seien „allzu abergläubisch“. | Apostelgeschichte 17,22 (Luther 1912) |
| Judentum | Die Tora verbietet, auf Vorzeichen zu achten und Tage zu wählen. | 3. Buch Mose 19,26: „Ihr sollt nicht auf Vogelgeschrei achten noch Tage wählen“ (Luther 1912) |
| Islam | Der Glaube an böse Omen (tiyara) gilt als verboten; nach einem bekannten Hadith ist er sogar Schirk, also Beigesellung. Nur Gott bestimmt das Schicksal. | Hadith bei Abu Dawud und at-Tirmidhi; „kein Unheil durch Vorzeichen“ bei Bukhari und Muslim |
Die Pointe dabei: Viele Bräuche, die heute als Aberglaube gelten, sind religiösen Ursprungs, vom Kreuzzeichen beim Gewitter bis zum Weihwasser über der Haustür. Wo die Grenze verläuft, entscheiden die Religionen selbst – und sie haben sie im Lauf der Jahrhunderte oft verschoben.
Ist Kartenlegen Aberglaube? Horoskope, Engelszahlen und Rauhnächte
Und nun zur Frage, die ich als Kartenleger am häufigsten höre. Meine ehrliche Antwort: Kartenlegen ist Aberglaube, wenn man glaubt, die Karten wüssten die Zukunft und legten sie fest. Das tun sie nicht, und dafür gibt es keinen Beleg. Kartenlegen ist kein Aberglaube, wenn man die Karten als das nutzt, was sie gut können: Bilder, die Dir helfen, Deine Lage aus einem anderen Blickwinkel zu sehen und darüber zu sprechen. Warum das funktioniert, obwohl die Karten nichts wissen, erkläre ich im Beitrag Warum Kartenlegen wirkt. Und wer Angst hat, eine Karte könne Unglück „bringen“, findet Hilfe im Beitrag Angst vor dem Kartenlegen.
| Frage | Ehrliche Antwort |
| Sind Horoskope Aberglaube? | Nach wissenschaftlichen Maßstäben ja. In einem Doppelblindtest, den die Fachzeitschrift Nature 1985 veröffentlichte, konnten Astrologen Geburtshoroskope nicht besser den passenden Persönlichkeitsprofilen zuordnen als der Zufall (Carlson 1985). Als Anlass zum Nachdenken nutzen viele sie trotzdem gern. |
| Sind Engelszahlen Aberglaube? | Die Vorstellung, 11:11 oder 444 seien Botschaften, beruht auf demselben Mechanismus wie jeder Aberglaube: Wir bemerken, was uns etwas bedeutet. Mehr dazu im Beitrag über Synchronizität. |
| Sind die Rauhnächte Aberglaube? | Die Rauhnächte sind ein alter Brauch; einige ihrer Regeln, etwa das Wäscheverbot, sind klassischer Aberglaube. Als Zeit der Ruhe und Rückschau sind sie dagegen ganz vernünftig – siehe Rauhnächte. |
| Ist Wahrsagerei Aberglaube? | Wahrsagerei ist die ausgearbeitete Form: Sie deutet Zeichen nicht nur als Glück oder Pech, sondern als Vorhersage. Die ganze Geschichte steht im Beitrag Wahrsagerei. |
| Ist eine Tageskarte Aberglaube? | Nur, wenn Du Deinen Tag von ihr abhängig machst. Als Impuls für den Morgen ist sie ein kleines Ritual wie jedes andere – probier die Tageskarte einfach aus. |
Fazit: Aberglaube ist menschlich
Aberglaube ist der Versuch, dem Zufall ein Gesicht zu geben. Er hat Wurzeln in Religion, Brauchtum und Sprache, und er überlebt jede Aufklärung, weil er ein Bedürfnis erfüllt, das bleibt: das Gefühl, in unsicheren Momenten etwas tun zu können. Die Wissenschaft zeigt, dass eine schwarze Katze keinen Unfall verursacht und ein Freitag, der 13., nicht gefährlicher ist als andere Tage. Sie zeigt aber auch, warum sich Aberglaube so hartnäckig richtig anfühlt.
Mein Rat ist deshalb nicht, jeden Aberglauben abzulegen. Klopf ruhig auf Holz, wenn es Dir guttut, und schenk zu Silvester ein Glücksschwein. Achte nur darauf, dass Du den Aberglauben benutzt – und nicht er Dich. Sobald Angst, Zwang oder Geld ins Spiel kommen, ist es Zeit, ihm nicht mehr zu folgen.
Häufig gestellte Fragen zum Aberglauben
Was ist Aberglaube einfach erklärt?
Aberglaube ist der Glaube, dass bestimmte Dinge, Zeichen oder Handlungen auf übernatürliche Weise Glück oder Unglück bringen, ohne dass es dafür einen Beleg gibt – etwa dass eine schwarze Katze Pech bringt oder ein Kleeblatt Glück.
Welche Aberglauben gibt es?
Man unterscheidet Glücksbringer (Kleeblatt, Schornsteinfeger, Hufeisen, Glücksschwein), Unglückszeichen (Freitag, der 13., schwarze Katze von links, zerbrochener Spiegel) und Rituale gegen das Pech (auf Holz klopfen, toi, toi, toi, Daumen drücken). Dazu kommen Regeln beim Schenken und Bräuche zu Silvester und in den Rauhnächten.
Woher kommt der Aberglaube?
Aberglaube entsteht, wenn Menschen zufällige Ereignisse miteinander verknüpfen, und er wird über Bräuche und Sprache weitergegeben. Viele deutsche Aberglauben haben Wurzeln in christlicher Symbolik, im Volksglauben des Mittelalters und der frühen Neuzeit oder in ganz praktischen Erfahrungen.
Warum heißt es Aberglaube?
Das Wort ist seit dem Spätmittelalter belegt. Die Vorsilbe „aber“ bedeutete „wider“ oder „verkehrt“, wie in Aberwitz. Aberglaube ist also wörtlich der verkehrte Glaube, eine Übertragung des lateinischen superstitio.
Heißt es Aberglaube oder Aberglauben, abergläubisch oder abergläubig?
Beides ist richtig: „der Aberglaube“ ist die übliche, „der Aberglauben“ die seltenere Form. Beim Adjektiv ist „abergläubisch“ üblich; „abergläubig“ verzeichnet der Duden als seltener.
Warum ist der 13. Freitag ein Unglückstag?
Der Freitag gilt als Tag der Kreuzigung, die 13 als Unglückszahl – beim letzten Abendmahl saßen 13 Personen am Tisch. Als gemeinsamer Unglückstag ist Freitag, der 13., aber erst im 20. Jahrhundert populär geworden. Mehr Unfälle gibt es an diesem Tag laut ADAC nicht.
Wie heißt die Angst vor der Zahl 13?
Die Angst vor der Zahl 13 heißt Triskaidekaphobie, die Angst vor Freitag, dem 13., Paraskavedekatriaphobie.
Was darf man im Aberglauben nicht schenken?
Messer und Scheren sollen die Freundschaft zerschneiden, eine leere Geldbörse bleibt leer, Schuhe lassen den Beschenkten davonlaufen, und Perlen bringen Tränen. Die übliche Lösung ist eine symbolische Münze als Gegenleistung.
Warum darf man zwischen den Jahren keine Wäsche aufhängen?
Nach altem Volksglauben könnte sich in den Rauhnächten die Wilde Jagd in der Wäsche verfangen, und weiße Laken galten als künftiges Leichentuch. Ein praktischer Grund dürfte hinzukommen: Im Winter trocknete Wäsche schlecht.
Warum sind Menschen abergläubisch?
Aberglaube gibt ein Gefühl von Kontrolle, wenn die Lage unsicher ist. Studien zeigen, dass Menschen unter Stress häufiger auf Holz klopfen, und schon Tauben entwickeln Rituale, wenn Futter zufällig kommt.
Können Glücksbringer wirklich helfen?
Eine Studie von 2010 fand bessere Leistungen mit Glücksbringern, zwei sorgfältige Wiederholungen von 2014 fanden kaum einen Effekt. Messbar wirksam sind Glücksbringer also nicht belegt – beruhigend können sie trotzdem sein.
Ist Aberglaube eine Sünde?
Nach katholischer Lehre ja: Der Katechismus nennt den Aberglauben eine Entgleisung des religiösen Empfindens und eine Sünde gegen das erste Gebot. Auch die evangelischen Kirchen und das Judentum lehnen ihn ab.
Ist Aberglaube haram?
Im Islam gilt der Glaube an böse Omen (tiyara) als verboten; nach einem bekannten Hadith ist er sogar Schirk. Nur Gott bestimmt nach islamischer Lehre das Schicksal.
Ist Aberglaube harmlos?
Meistens ja. Problematisch wird er, wenn Angst das Leben bestimmt, wenn Rituale zum Zwang werden oder wenn jemand mit angeblichen Flüchen und teuren Schutzritualen Geld verdient.

Damian Garrett
Legt seit 2005 die Lenormandkarten. Autor des Lenormand-Praxisbuchs und Entwickler eines eigenen Systems zur Deutung der Kartenkombinationen. Hauptberuflich in der psychologischen Lehre und Forschung. → Mehr über den Autor














