Ein Jenseitskontakt ist der Versuch, mit einem Menschen in Verbindung zu treten, der verstorben ist. Meist geschieht das über ein Medium, das in einer Sitzung Eindrücke und Botschaften aus der „geistigen Welt“ weitergibt. Viele Trauernde erleben aber auch spontane Jenseitskontakte: das Gefühl, dass der Verstorbene im Raum ist, eine vertraute Stimme, einen Traum, ein Zeichen. Dass Medien tatsächlich Kontakt zu Verstorbenen aufnehmen, ist wissenschaftlich nicht belegt; in kontrollierten Tests ließ sich die Fähigkeit bisher nicht nachweisen. Gut belegt ist etwas anderes: Die Verbindung zu einem geliebten Menschen endet mit dem Tod nicht, sie verändert sich. 30 bis 60 Prozent der Verwitweten erleben ihren verstorbenen Partner auf eine Weise, die sich wie ein Kontakt anfühlt – und die meisten empfinden das als Trost.
Wenn Du gerade einen geliebten Menschen verloren hast und nach einem Jenseitskontakt suchst, bist Du damit nicht allein. Und Du bist nicht „verrückt“, wenn Du ihn spürst oder Dir wünschst, noch einmal mit Deinem Verstorbenen zu sprechen. In diesem Beitrag erfährst Du, was ein Jenseitskontakt ist, wie eine Sitzung mit einem Jenseitsmedium abläuft und was sie kostet, was die Forschung über Medien und über Nachtodkontakte herausgefunden hat, woran Du ein seriöses Angebot von Abzocke unterscheidest und wie Du den Kontakt zu Verstorbenen selbst pflegen kannst – als Ritual der Trauerarbeit, ehrlich benannt.
Ich lege seit 2005 die Lenormandkarten und arbeite hauptberuflich in der psychologischen Lehre und Forschung. Ich schreibe diesen Beitrag nicht, um Dir etwas auszureden, das Dich tröstet. Ich schreibe ihn, weil Menschen in Trauer besonders verletzlich sind und weil ein Markt, auf dem Minutenpreise und Sitzungen zu dreistelligen Preisen auf Menschen im Schmerz treffen, ehrliche Informationen braucht. Die wichtigste vorweg: Was Dich mit einem Verstorbenen verbindet, liegt nicht in der Hand eines Mediums.
Jenseitskontakt auf einen Blick
| Frage | Kurz beantwortet |
| Was ist ein Jenseitskontakt? | Ein Jenseitskontakt ist ein gesuchter oder erlebter Kontakt zu einem verstorbenen Menschen – vermittelt durch ein Medium oder spontan, etwa im Traum oder als Gefühl von Nähe. |
| Wer bietet Jenseitskontakte an? | Medien, die sich auch Jenseitsmedium, Channel-Medium oder mediale Beraterin nennen – in Einzelsitzungen vor Ort, per Telefon oder Video und auf Bühnenabenden. |
| Wie läuft eine Sitzung ab? | Nach einem kurzen Vorgespräch beschreibt das Medium einen Verstorbenen, nennt Erinnerungen und Eigenschaften als „Beweise“ und gibt eine Botschaft weiter. Eine Sitzung dauert meist 45 bis 60 Minuten. |
| Was kostet ein Jenseitskontakt? | Eine Einzelsitzung kostet nach einer Stichprobe von Anbieterseiten (September 2026) rund 120 bis 190 Euro. Telefonportale rechnen pro Minute ab, nach Gratisminuten ab etwa 1,90 Euro. |
| Gibt es wissenschaftliche Beweise? | Nein. In kontrollierten Tests, bei denen Medien keine Rückmeldung bekamen, ließ sich eine echte mediale Fähigkeit nicht nachweisen. Treffer lassen sich mit Cold Reading und Barnum-Aussagen erklären. |
| Sind spontane Jenseitskontakte normal? | Ja. 30 bis 60 Prozent der Verwitweten erleben ihren Partner nach dem Tod, etwa als Gegenwart, als Stimme oder im Traum. Die meisten empfinden das als tröstlich. |
| Kann ich selbst Kontakt aufnehmen? | Ja, als Ritual der Trauer: einen Brief schreiben, am Grab sprechen, einen Erinnerungsort schaffen. Die Verbindung, die Du so pflegst, ist Teil gesunder Trauer. |
| Wann ist Vorsicht geboten? | Bei Garantien, Flüchen, Nachforderungen, Zeitdruck und Botschaften, die Angst oder Schuld machen – und wenn Du in den ersten Wochen nach dem Tod von Sitzung zu Sitzung gehst. |
Was ist ein Jenseitskontakt? Bedeutung und Begriffe
Der Begriff Jenseitskontakt setzt zweierlei voraus: dass es ein Jenseits gibt, eine Welt, in der die Seele eines Menschen nach dem Tod weiterlebt, und dass man mit dieser Welt in Kontakt treten kann. Medien nennen sie oft einfach die geistige Welt. Diesen Glauben teilen viele Religionen und spirituelle Traditionen, wenn auch in sehr unterschiedlichen Formen: vom Ahnenkult über das Totengedenken an Allerheiligen und den mexikanischen Tag der Toten bis zum modernen Spiritismus. In der heutigen Esoterik meint Jenseitskontakt fast immer eines von zwei Dingen: eine Sitzung bei einem Medium, das Botschaften von Verstorbenen übermitteln will, oder ein spontanes Erlebnis, bei dem ein Mensch seinen Verstorbenen spürt, hört oder sieht. Die Forschung nennt Letzteres Nachtodkontakt, im Englischen After-Death Communication.
Jenseitskontakte gehören damit zu den Themen, bei denen sich Esoterik und Spiritualität berühren. Weil die Begriffe in Angeboten bunt gemischt werden, hier die wichtigsten im Überblick:
| Begriff | Was damit gemeint ist |
| Medium, Jenseitsmedium | Ein Mensch, der von sich sagt, er könne Verstorbene wahrnehmen und ihre Botschaften weitergeben. In der Szene heißt es, ein gutes Medium arbeite mit seinen „Hellsinnen“: inneren Bildern, Worten und Gefühlen, mit denen es die Energie des Verstorbenen spüre. |
| Mentale Medialität | Das Medium bleibt wach und beschreibt Eindrücke, die es dem Verstorbenen zuschreibt. Das ist die heute übliche Form der medialen Arbeit. |
| Trance-Medium | Das Medium gibt an, in einem veränderten Bewusstseinszustand zu sprechen, als rede der Verstorbene durch es hindurch. Im 19. Jahrhundert verbreitet, heute selten. |
| Channeling | Das Übermitteln von Botschaften aus der geistigen Welt allgemein – oft von Engeln, Geistführern oder „aufgestiegenen Meistern“, nicht nur von Verstorbenen. |
| Séance | Eine Sitzung, meist in einer Gruppe, bei der Verstorbene oder Geister gerufen werden. Die Form stammt aus dem Spiritismus des 19. Jahrhunderts. |
| Nachtodkontakt | Ein spontanes Erleben eines Verstorbenen durch Hinterbliebene, ohne Medium: ein Gefühl der Anwesenheit, eine Stimme, ein Traum, eine Berührung. |
| Hellsichtigkeit | Die behauptete Fähigkeit, Dinge jenseits der Sinne wahrzunehmen. Medien gelten in der Szene als besondere Form der Hellsichtigkeit. |
Wie läuft ein Jenseitskontakt mit einem Medium ab?
Ein Jenseitskontakt mit einem Medium findet vor Ort, per Telefon oder per Video statt. Viele Medien betonen, sie bräuchten vorher keine Informationen über den Verstorbenen; manche fragen nach dem Vornamen, manche nach einem Foto, und viele sagen, der Kontakt gelinge am besten mit Offenheit auf beiden Seiten. So sieht eine typische Sitzung aus, zusammengesetzt aus den Beschreibungen der Anbieter selbst:
| Schritt | Was passiert | Worauf Du achten kannst |
| 1. Vorgespräch | Das Medium erklärt seine Arbeitsweise und fragt manchmal, wen Du erreichen möchtest. | Achte darauf, was Du selbst verrätst. Auch Deine Reaktionen sind Informationen. |
| 2. Kontakt „herstellen“ | Das Medium sammelt sich, meditiert oder spricht ein Gebet und sagt dann, eine Person sei „da“. | Ob wirklich jemand da ist, kannst Du nicht prüfen – nur, was danach gesagt wird. |
| 3. Beschreibung | Das Medium beschreibt die verstorbene Person: Alter, Aussehen, Charakter, Todesumstände, gemeinsame Erinnerungen. In der Szene heißen diese Angaben „Beweise“. | Notiere, welche Aussagen konkret waren und welche auf viele Menschen passen würden. Das schafft Klarheit. |
| 4. Botschaft | Das Medium gibt weiter, was der Verstorbene „mitteilen möchte“ – oft Liebe, Vergebung und dass es ihm gut gehe. | Eine tröstliche Botschaft darf Dir guttun. Sie ist aber kein Beleg dafür, woher sie stammt. |
| 5. Abschluss | Das Medium „verabschiedet“ den Kontakt. Manchmal folgt das Angebot einer weiteren Sitzung. | Eine gute Sitzung braucht keinen Folgetermin, um vollständig zu sein. |
Neben Einzelsitzungen gibt es Bühnenabende, auf denen ein Medium vor Publikum Botschaften an einzelne Zuschauer weitergibt, Telefonportale, bei denen Du rund um die Uhr ein Medium anrufen kannst, und inzwischen unzählige Jenseitskontakte auf YouTube und Instagram. Seriöse Medien sagen dazu offen, dass sie nicht garantieren können, welcher Verstorbene sich meldet und was er mitteilt. Diese Einschränkung solltest Du ernst nehmen – sie ist ehrlicher als jedes Versprechen.
Was kostet ein Jenseitskontakt?
Die Preise schwanken stark. Eine Stichprobe von Anbieterseiten im September 2026 ergab für eine Einzelsitzung 120 Euro für rund 60 Minuten vor Ort oder per Video und 189 Euro für 45 Minuten online, zahlbar vorab. Telefonportale werben mit Gratisminuten und einem Einstiegspreis von 1,90 Euro pro Minute; danach gilt der Minutenpreis der jeweiligen Beraterin, und der liegt oft deutlich höher. Eine Stunde am Telefon kann so schnell mehr kosten als eine Einzelsitzung. Manche Anbieter versprechen, das Geld zu erstatten, wenn „kein Kontakt zustande kommt“. Ob ein Kontakt zustande gekommen ist, lässt sich von außen aber kaum überprüfen. Setze Dir deshalb vorher ein festes Budget, und zahle keine Pakete im Voraus.
Können Verstorbene mit uns in Kontakt treten? Was die Forschung sagt
Das ist die Frage hinter jeder Suche nach einem Jenseitskontakt, und sie hat zwei Teile. Ob es ein Weiterleben nach dem Tod gibt, kann keine Wissenschaft beantworten; das ist eine Frage des Glaubens. Ob Medien Informationen über Verstorbene erhalten, die sie auf normalem Weg nicht wissen konnten, lässt sich dagegen prüfen. Und das wird seit über hundert Jahren getan.
Tests mit Medien: Was kontrollierte Studien zeigen
Die Psychologen Ciarán O’Keeffe und Richard Wiseman entwickelten ein Verfahren, das die typischen Fehlerquellen ausschließen sollte: Die Medien hatten keinen Kontakt zu den Menschen, für die sie lasen, und diese bewerteten anschließend Aussagen aus allen Lesungen, ohne zu wissen, welche für sie bestimmt war. Das Ergebnis, 2005 im British Journal of Psychology veröffentlicht, stützte die Annahme einer echten medialen Fähigkeit nicht (O’Keeffe und Wiseman, 2005).
Andere Forschende kommen zu freundlicheren Ergebnissen. Die Parapsychologin Julie Beischel vom Windbridge Research Center testet seit den 2000er-Jahren Medien in dreifach verblindeten Versuchen und berichtet Trefferquoten über dem Zufall. Eine Metaanalyse von Matthew Sarraf, Michael Woodley of Menie und Patrizio Tressoldi fasste solche Studien 2021 in der Fachzeitschrift Explore zusammen und fand einen kleinen positiven Effekt. Diese Arbeiten stammen allerdings überwiegend aus einem kleinen Kreis parapsychologischer Labore, und unabhängige Replikationen in der akademischen Psychologie fehlen. Ehrlich zusammengefasst: Einen wissenschaftlichen Beweis, dass Medien Kontakt zu Verstorbenen haben, gibt es nicht. Eine endgültige Widerlegung gibt es auch nicht, weil sich die Frage nach einem Jenseits grundsätzlich nicht im Labor klären lässt.
Wie ein Medium treffen kann, ohne etwas zu wissen
Dass sich Sitzungen trotzdem oft verblüffend treffend anfühlen, hat gut untersuchte Gründe. Der Psychologe Ray Hyman beschrieb sie 1977 unter dem Namen Cold Reading: Techniken, mit denen man Fremden das Gefühl gibt, man wisse alles über sie – bewusst eingesetzt oder, bei vielen Medien vermutlich, ganz unbewusst. Ich habe die Mechanismen im Beitrag Warum Kartenlegen wirkt ausführlich beschrieben. Beim Jenseitskontakt sehen sie so aus:
| Technik | So klingt sie in einer Sitzung | Warum sie wirkt |
| Barnum-Aussagen | „Er war nach außen stark, aber innen sehr weich.“ | Passt auf fast jeden Menschen. Der Psychologe Bertram Forer zeigte 1949, dass Menschen allgemeine Beschreibungen als sehr persönlich empfinden. |
| Fischen | „Ich bekomme einen J- oder G-Laut – sagt Ihnen das etwas?“ | Du lieferst die Lösung selbst: Johann, Jürgen, Georg, Gisela – irgendwer passt fast immer. |
| Schrotschuss | Viele Angaben schnell hintereinander: ein Hund, etwas mit der Brust, ein Ring, ein Umzug. | Treffer bleiben im Gedächtnis, Fehlschüsse verblassen. |
| Reaktionen lesen | Das Medium achtet auf Nicken, Stocken und Tränen und führt die Deutung dorthin, wo Du reagierst. | Am Telefon oder per Video funktioniert das über Stimme und Pausen genauso. |
| Wahrscheinlichkeiten | „Sie hatte etwas mit dem Herzen oder mit der Brust.“ | Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs sind in Deutschland die häufigsten Todesursachen; die Aussage trifft oft. |
| Hot Reading | Das Medium weiß vorab etwas: aus der Traueranzeige, aus sozialen Netzwerken, aus dem Vorgespräch. | Wer den vollen Namen des Verstorbenen nennt, macht ihn auffindbar. |
| Nachträgliche Bestätigung | Nach der Sitzung erinnerst Du Dich an die treffenden Sätze, nicht an die vielen unklaren. | Die Psychologie nennt das subjektive Validierung. |
Nichts davon setzt Betrug voraus. Viele Medien sind überzeugt, dass ihre Eindrücke von außen kommen, und eine Sitzung kann trösten, auch wenn die Treffer aus diesen Quellen stammen. Wichtig ist nur, dass Du weißt, wie sie zustande kommen können, und eine Sitzung einordnen kannst, bevor Du einer Botschaft eine Entscheidung überlässt.
Eine kurze Geschichte der Jenseitskontakte
| Zeit | Ereignis | Warum es wichtig ist |
| Antike | Totenbeschwörung ist aus vielen alten Kulturen überliefert. In der Bibel befragt König Saul die Totenbeschwörerin von En-Dor (1. Samuel 28). | Der Wunsch, Verstorbene zu befragen, ist so alt wie die Überlieferung selbst. |
| 1848 | In Hydesville im US-Bundesstaat New York hören die Schwestern Kate und Margaret Fox Klopfgeräusche, die sie einem Toten zuschreiben. | Beginn des modernen Spiritismus; innerhalb weniger Jahre halten Tausende Séancen ab. |
| 1857 | Der Franzose Allan Kardec veröffentlicht „Das Buch der Geister“. | Grundlage des Spiritismus in Frankreich und bis heute in Brasilien. |
| 1888 | Margaret Fox erklärt in New York öffentlich, die Klopfgeräusche mit den Zehengelenken erzeugt zu haben; später widerruft sie. | Die erste große Enthüllung – und ein frühes Beispiel dafür, dass sie den Glauben kaum erschüttert. |
| 1891 | Das Ouija-Brett wird in den USA patentiert und als Gesellschaftsspiel verkauft. | Der Zeiger bewegt sich durch unbewusste Muskelbewegungen – derselbe Effekt wie beim Pendel. |
| 1924 | Der Entfesselungskünstler Harry Houdini veröffentlicht „A Magician Among the Spirits“ und entlarvt die Tricks bekannter Medien. | Mit seiner Frau Bess vereinbart er ein Codewort für den Fall seines Todes. Sie hält nach 1926 jedes Jahr eine Séance ab und beendet sie 1936 ohne überzeugende Nachricht. |
| 1959 | Der Schwede Friedrich Jürgenson hört auf Tonbandaufnahmen von Vogelstimmen menschliche Stimmen. | Beginn der Tonbandstimmenforschung. Die Psychologie erklärt die Stimmen mit Pareidolie, dem Erkennen von Mustern im Rauschen. |
| 1996 | Dennis Klass, Phyllis Silverman und Steven Nickman veröffentlichen „Continuing Bonds“. | Die Trauerforschung erkennt an, dass die Verbindung zu Verstorbenen weiterbesteht und gesund sein kann. |
Wie merke ich, ob ein Verstorbener bei mir ist? Nachtodkontakte und Zeichen
Viele Menschen suchen gar nicht nach einem Medium, sondern nach einer Erklärung für etwas, das ihnen schon passiert ist: Sie haben den verstorbenen Mann im Sessel sitzen sehen, die Stimme der Mutter gehört, im Traum mit dem Vater gesprochen, den Duft eines Parfums gerochen. Solche Erlebnisse sind häufig, und viele finden darin Trost. Der walisische Hausarzt W. Dewi Rees befragte 1971 insgesamt 293 Verwitwete; fast die Hälfte hatte den verstorbenen Partner nach dem Tod wahrgenommen, viele noch nach Jahren. Eine Übersichtsarbeit italienischer Psychiater kam 2015 über alle Studien hinweg auf 30 bis 60 Prozent der Verwitweten.
Die größte Befragung der letzten Jahre stammt von Evelyn Elsaesser, Chris Roe, Callum Cooper und David Lorimer: 991 Menschen aus dem englisch-, französisch- und spanischsprachigen Raum beschrieben ihre Nachtodkontakte (Elsaesser und Kollegen, BJPsych Open 2021). Am häufigsten waren Erlebnisse im Schlaf; daneben beschrieben die Befragten das Gefühl der Anwesenheit, Stimmen, Berührungen und Bilder. 73,4 Prozent gaben an, das Erlebnis habe sie getröstet und emotional geheilt, 68,4 Prozent hielten es für wichtig für ihre Trauer. Nur 11,9 Prozent empfanden die Abwesenheit des Verstorbenen danach als schmerzhafter.
| Erlebnis | Wie Trauernde es beschreiben | Was die Forschung dazu sagt |
| Traum | Ein Traum, der sich anders anfühlt als sonst: klar, ruhig, oft mit einer Botschaft. | In der Befragung von Elsaesser und Kollegen die häufigste Form. Im Schlaf verarbeitet das Gehirn, was tagsüber fehlt. |
| Gefühl der Anwesenheit | „Ich wusste einfach, dass er im Zimmer ist.“ | Bei Rees die häufigste Form (39 Prozent); in der Befragung von Elsaesser und Kollegen berichtete ein Drittel davon. |
| Stimme | Der eigene Name, gerufen von einer vertrauten Stimme. | Das Gehirn ergänzt vertraute Muster besonders leicht, gerade in Stille und bei Erschöpfung. |
| Berührung | Eine Hand auf der Schulter, ein Druck auf der Matratze. | Wird in neueren Befragungen deutlich häufiger berichtet als in älteren Studien. |
| Geruch | Der Duft von Pfeifentabak, Parfum oder einem Lieblingsgericht. | Gerüche sind eng mit dem Gedächtnis verknüpft und rufen Erinnerungen besonders stark ab. |
| Zeichen | Ein Schmetterling, eine Feder, ein Lied im Radio, eine stehengebliebene Uhr. | Wer trauert, achtet auf alles, was an den geliebten Menschen erinnert. So werden Zufälle zu Botschaften – ein Prinzip, das C. G. Jung Synchronizität nannte. |
Für Trauernde ist die wichtigste Aussage dieser Forschung einfach: Solche Erlebnisse sind kein Zeichen einer psychischen Krankheit. Sie gehören für viele Menschen zur Trauer dazu. Ob Du sie als Botschaft aus dem Jenseits verstehst oder als Ausdruck einer Liebe, die in Dir weiterlebt, ist Deine Entscheidung – beides schließt sich weniger aus, als es klingt.
Verbunden bleiben: Trauerbewältigung und fortgesetzte Bindungen
Lange galt in der Psychologie, was Sigmund Freud 1917 in „Trauer und Melancholie“ beschrieben hatte: Trauerarbeit heiße, sich innerlich vom Verstorbenen zu lösen. Seit Mitte der 1990er-Jahre sieht die Trauerforschung das anders. Dennis Klass, Phyllis Silverman und Steven Nickman zeigten 1996 in ihrem Buch „Continuing Bonds“, dass die meisten Hinterbliebenen eine Beziehung zu ihren Verstorbenen behalten: Sie sprechen mit ihnen, fragen sich, was die Mutter jetzt sagen würde, tragen die Uhr des Vaters. Diese fortgesetzten Bindungen sind kein Festhalten, sondern eine veränderte Form der Beziehung – und für viele Menschen ein wichtiger Teil gesunder Trauerbewältigung.
Aus dieser Sicht ist der Wunsch nach einem Jenseitskontakt verständlich und nichts, wofür Du Dich schämen müsstest. Die Frage ist nicht, ob Du mit Deinem Verstorbenen verbunden bleiben darfst. Die Frage ist, wer diese Verbindung hält: Du selbst – oder ein Medium, das Du dafür bezahlst.
Jenseitskontakt selbst herstellen: Rituale für die Verbindung zu Verstorbenen
Wer „Jenseitskontakt selbst herstellen“ sucht, findet Anleitungen für Meditationen, Pendel, Ouija-Bretter und Tonbandaufnahmen. Ich schlage Dir etwas anderes vor – nicht, weil es weniger spirituell wäre, sondern weil es ehrlicher ist: Die Verbindung zu einem Verstorbenen lebt in Dir, und Du kannst ihr Raum geben. Solche Rituale nutzen Trauerbegleiterinnen, Hospizdienste und Psychotherapeuten, und sie wirken unabhängig davon, woran Du glaubst. Nimm Dir, was sich für Dich stimmig anfühlt, und geh achtsam und sanft mit Dir um:
| Ritual | So geht es | Was es bewirkt |
| Einen Brief schreiben | Schreib dem Verstorbenen, was Du ihm noch sagen willst: Dank, Wut, Vorwürfe, Neuigkeiten aus Deinem Leben. Du kannst den Brief aufbewahren, am Grab vorlesen oder verbrennen. | Unausgesprochenes bekommt eine Form. Schreiben ordnet Gefühle. |
| Das Gespräch mit dem leeren Stuhl | Stell einen Stuhl gegenüber, stell Dir den Verstorbenen darauf vor und sprich laut mit ihm. Wenn Du magst, setz Dich danach auf seinen Platz und antworte so, wie er antworten würde. | Die Technik stammt aus der Gestalttherapie und hilft, Abschiede nachzuholen, die im Leben nicht möglich waren. |
| Ein Ort der Erinnerung | Ein Foto, eine Kerze, ein Gegenstand an einem festen Platz in der Wohnung – oder regelmäßige Besuche an seinem Grab. | Ein Ort gibt der Verbindung zum Verstorbenen einen Rahmen und der Trauer eine Grenze im Alltag. |
| Ein Traumtagebuch | Leg Stift und Heft ans Bett und schreib Träume vom Verstorbenen morgens sofort auf. | Viele Nachtodkontakte geschehen im Schlaf. Aufgeschrieben verblassen sie nicht. |
| Eine stille Viertelstunde | Setz Dich an einen ruhigen Ort, atme langsam und stell Dir eine Begegnung vor: Wo triffst Du ihn, was sagt Ihr einander? | Diese Form der Meditation ist die sanfteste Art, Kontakt zu Verstorbenen aufzunehmen – ohne dass jemand dazwischensteht. |
| Tun, was sie getan hätte | Ihr Rezept kochen, ihren Garten pflegen, ihre Lieblingsmusik hören, in ihrem Sinn spenden. | Die Beziehung wird Teil Deines Lebens, statt im Warten auf eine Botschaft zu verharren. |
| Jahrestage gestalten | Geburtstag und Todestag bewusst begehen, mit Menschen, die den Verstorbenen auch gekannt haben. | Gemeinsames Erinnern hält Geschichten lebendig, die sonst niemand mehr erzählt. |
Pendel, Ouija-Brett und Tonbandstimmen: Warum sie antworten
Wer mit Pendel oder Ouija-Brett versucht, Verstorbene zu kontaktieren, bekommt oft Antworten – weil sich die Hand unbewusst bewegt. Dieser ideomotorische Effekt ist seit dem 19. Jahrhundert gut untersucht; ich habe ihn im Beitrag über das Pendel-Orakel erklärt. Bei Tonbandstimmen hört das Gehirn in Rauschen und Störgeräuschen Wörter, weil es darauf ausgelegt ist, Sprache zu erkennen. Für Menschen in akuter Trauer sind diese Methoden heikel: Die Antworten kommen aus dem eigenen Inneren, klingen aber, als kämen sie von außen – und können deshalb genauso gut Angst, Schuld und Zweifel ausdrücken wie Trost. Wenn Du es trotzdem ausprobierst, dann nicht allein, nicht nachts und nicht mit Fragen, deren Antwort Dich tief erschüttern könnte.
Kann man mit Lenormandkarten Kontakt zu Verstorbenen aufnehmen?
Nein, und eine ernsthafte Kartenlegerin wird Dir das auch nicht versprechen. Die Lenormandkarten sind Bilder, mit denen Du über Deine Lage nachdenkst; sie sind kein Telefon ins Jenseits. Was sie in der Trauer leisten können, ist bescheidener: Sie geben Deinen Gedanken eine Form. Eine einfache Möglichkeit ist eine Dreierlegung mit drei Fragen an Dich selbst:
| Position | Frage an Dich | Karten, die hier oft liegen |
| 1. Was trage ich noch? | Was belastet mich an diesem Abschied, was ist unausgesprochen geblieben? | Das Kreuz als Last, die Wolken als Unklarheit |
| 2. Was darf ich loslassen? | Wovon darf ich mich verabschieden – von Schuld, von Vorwürfen, vom „Hätte ich doch“? | Der Sarg als Ende, der Brief als Nachricht, die noch geschrieben werden will |
| 3. Was bleibt? | Was nehme ich von diesem Menschen mit in mein Leben? | Die Lilien als Frieden und Familie, die Sterne als Hoffnung und Orientierung |
Die Karten beantworten keine Fragen an den Verstorbenen. Sie helfen Dir, Fragen an Dich zu beantworten, und das ist in der Trauer oft der wichtigere Teil. Wenn Du merkst, dass Du die Karten immer wieder nach dem Verstorbenen befragst, leg eine Pause ein; warum, steht im Beitrag Wie oft Karten legen.
Woran erkennst Du einen seriösen Jenseitskontakt?
Ob ein Medium wirklich Kontakt zu Verstorbenen hat, kannst Du nicht prüfen. Beurteilen kannst Du, wie es mit Dir umgeht. Ein seriöser Jenseitskontakt verspricht nichts, was er nicht halten kann, nennt den Preis vorher, lässt Dir Zeit und schickt Dich mit mehr Frieden nach Hause, als Du gekommen bist – nicht mit neuen Ängsten. Diese Warnsignale sprechen dagegen:
| Warnsignal | Warum es problematisch ist |
| Garantie auf einen bestimmten Verstorbenen oder eine bestimmte Botschaft | Das kann niemand zusagen. Selbst Medien, die mit Geld-zurück-Versprechen werben, schränken sie im Kleingedruckten ein. |
| Ein Fluch, eine „Blockade“ oder eine Seele, die erst „erlöst“ werden muss | Solche Diagnosen erzeugen Angst und begründen teure Folgeleistungen – dasselbe Muster wie bei der Partnerrückführung. |
| Botschaften, die Schuld machen | „Er ist noch böse auf Dich“ oder „Sie findet keine Ruhe, weil …“ ist kein Trost, sondern eine Bindung an weitere Sitzungen. |
| Nachforderungen und Pakete | Ein zweiter, dritter, zehnter Termin, „weil die Verbindung noch schwach ist“. |
| Zeitdruck und Geheimhaltung | „Nur jetzt möglich“ und „Sprich mit niemandem darüber“ dienen dem Anbieter, nicht Dir. |
| Minutenpreise ohne Obergrenze | Am Telefon läuft die Uhr, während Du weinst. Leg Dir vorher ein festes Budget fest. |
| Ratschläge zu Gesundheit, Geld oder Erbe | Entscheidungen über Behandlung, Testament oder Vermögen gehören zu Ärztinnen, Anwälten und Beratungsstellen. |
| Kontaktaufnahme ungefragt | Wer sich nach einer Traueranzeige bei Dir meldet und „eine Botschaft“ für Dich hat, will verkaufen. |
Rechtlich bewegt sich ein Jenseitskontakt in einer Grauzone. Der Bundesgerichtshof hat 2011 festgehalten, dass Leistungen, die auf übersinnlichen Kräften beruhen, objektiv unmöglich sind, ein Honorar aber trotzdem wirksam vereinbart werden kann, wenn beide Seiten das bewusst so wollen. Weil sich viele Kunden solcher Angebote in einer schwierigen Lebenssituation befinden oder leichtgläubig, unerfahren oder psychisch labil sind, müssen solche Verträge nach dem Urteil aber besonders sorgfältig auf Sittenwidrigkeit geprüft werden (BGH, Urteil vom 13. Januar 2011, III ZR 87/10). Trauer ist eine solche Lebenssituation. Wenn Du viel Geld bezahlt hast und Dich unter Druck gesetzt fühlst, findest Du die Schritte zum Zurückfordern – Widerruf, Bank, Verbraucherzentrale – im Beitrag über die Partnerrückführung. Sie gelten hier genauso.
Für wen ein Jenseitskontakt hilfreich sein kann – und wann Du besser wartest
Ein Jenseitskontakt kann Trost spenden. In einer Befragung von Julie Beischel, Chad Mosher und Mark Boccuzzi (2014) berichteten Trauernde, ihre Trauer sei nach einer Sitzung bei einem Medium leichter geworden. Die Befragung hatte allerdings keine Vergleichsgruppe, und wer an einer solchen Studie teilnimmt, hat meist gute Erfahrungen gemacht. Wer Erfahrungsberichte zu Jenseitskontakten liest, etwa in Foren für Verwitwete, findet beides: Menschen, für die eine Sitzung ein Abschluss war, ein letztes Gespräch, das es im Leben nicht mehr gab – und Menschen, die danach enttäuscht, verwirrt oder um viel Geld ärmer waren.
Wenn Du über einen Jenseitskontakt nachdenkst, helfen Dir vielleicht diese Fragen: Suche ich einen Abschied oder eine Fortsetzung? Könnte ich eine Botschaft aushalten, die nicht das sagt, was ich hören möchte? Habe ich Menschen, mit denen ich danach über die Sitzung sprechen kann? Und: Ist der Tod erst wenige Wochen her? In den ersten Wochen nach einem Verlust ist die Trauer am rohesten, und eine Sitzung kann dann eher aufwühlen als trösten. Es ist klug, den ersten Schock abzuwarten.
Wann Du Dir Hilfe holen solltest
Trauer ist keine Krankheit, und es gibt keinen richtigen Zeitplan für sie. Wenn sie aber auch nach vielen Monaten Dein Leben bestimmt – wenn Du kaum schlafen, arbeiten oder essen kannst, Dich fast nur noch mit dem Verstorbenen beschäftigst oder Dir wünschst, bei ihm zu sein –, dann ist das ein Grund, Dir Unterstützung zu holen. Die Weltgesundheitsorganisation führt in der ICD-11 die anhaltende Trauerstörung als eigene Diagnose, wenn intensive Trauer länger als sechs Monate anhält und den Alltag schwer beeinträchtigt; das amerikanische Diagnosehandbuch DSM-5-TR setzt die Grenze bei zwölf Monaten. Gute Anlaufstellen sind Deine Hausärztin, eine Psychotherapeutin, eine professionelle Trauerbegleitung, bei der Du mit Deiner Trauer gut aufgehoben bist, sowie Trauercafés und Trauergruppen der Hospizvereine in Deiner Nähe. Wenn es Dir akut schlecht geht, erreichst Du die TelefonSeelsorge in Deutschland rund um die Uhr kostenlos unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123, in Österreich unter 142 und in der Schweiz die Dargebotene Hand unter 143.
Gibt es ein Leben nach dem Tod? Eine ehrliche Antwort
Hinter jedem Jenseitskontakt steht diese Frage, und sie lässt sich nicht beantworten, weder mit Ja noch mit Nein. Religionen geben unterschiedliche Antworten: das Weiterleben der Seele bei Gott, die Wiedergeburt, das Aufgehen in einem größeren Ganzen, das Fortleben in der Erinnerung der anderen. Die Wissenschaft kann untersuchen, was Menschen erleben, wenn sie trauern oder dem Tod nahe sind, aber nicht, was danach kommt. Ein Medium kann die Frage ebenso wenig beweisen wie widerlegen. Was sich sagen lässt: Die Liebe zu einem Menschen hört mit seinem Tod nicht auf. Dafür braucht es keinen Beweis.
Fazit: Die Verbindung zu Deinem Verstorbenen liegt bei Dir
Ein Jenseitskontakt über ein Medium kann trösten, beweisen kann er nichts, und in kontrollierten Tests hat sich die mediale Fähigkeit bisher nicht bestätigt. Treffer entstehen oft durch Cold Reading, Barnum-Aussagen und durch das, was Du selbst in die Sitzung mitbringst. Spontane Jenseitskontakte – eine Gegenwart, ein Traum, eine Stimme – sind dagegen häufig, normal und für die meisten Trauernden heilsam. Die Trauerforschung sagt heute: Es ist gesund, mit Verstorbenen verbunden zu bleiben. Diese Verbindung kannst Du selbst pflegen, mit einem Brief, einem Ritual, einem Ort. Wenn Du ein Medium aufsuchst, dann mit festem Budget, ohne Folgepakete und mit einem Menschen an Deiner Seite, mit dem Du danach reden kannst. Und wenn die Trauer Dich überwältigt, brauchst Du keine Botschaft aus dem Jenseits, sondern Menschen im Diesseits, die Dir beistehen.
Häufig gestellte Fragen zum Jenseitskontakt
Was ist ein Jenseitskontakt?
Ein Jenseitskontakt ist ein gesuchter oder erlebter Kontakt zu einem verstorbenen Menschen. Meist ist eine Sitzung bei einem Medium gemeint, das Eindrücke und Botschaften von Verstorbenen weitergeben will. Daneben gibt es spontane Jenseitskontakte, die die Forschung Nachtodkontakte nennt: das Gefühl, dass ein Verstorbener anwesend ist, seine Stimme, ein Traum oder eine Berührung. Solche Erlebnisse haben 30 bis 60 Prozent der Verwitweten.
Können Verstorbene mit uns in Kontakt treten?
Ob Verstorbene mit uns in Kontakt treten können, lässt sich wissenschaftlich weder beweisen noch widerlegen. Kontrollierte Tests mit Medien haben eine echte mediale Fähigkeit bisher nicht bestätigt. Sicher ist, dass viele Hinterbliebene ihre Verstorbenen erleben – als Anwesenheit, im Traum oder als Stimme – und dass diese Erlebnisse für die meisten tröstlich sind. Wie Du sie deutest, spirituell oder psychologisch, bleibt Deine Entscheidung.
Wie nehme ich Kontakt mit dem Jenseits auf?
Die meisten Menschen suchen dafür ein Medium auf. Du kannst die Verbindung zu einem Verstorbenen aber auch selbst pflegen: einen Brief schreiben, am Grab oder vor einem leeren Stuhl laut mit ihm sprechen, einen Erinnerungsort einrichten, Träume aufschreiben oder Dir in einer stillen Viertelstunde eine Begegnung vorstellen. Solche Rituale nutzen auch Trauerbegleiter und Hospizdienste. Von Ouija-Brett und Pendel rate ich in akuter Trauer ab, weil ihre Antworten aus dem eigenen Inneren kommen und Ängste verstärken können.
Welche Zeichen senden Verstorbene aus dem Jenseits?
Als Zeichen von Verstorbenen erleben Trauernde häufig Schmetterlinge, Federn, Vögel wie das Rotkehlchen, ein bestimmtes Lied im Radio, eine stehengebliebene Uhr, einen vertrauten Geruch oder einen besonders klaren Traum. Ob ein Zeichen vom Verstorbenen kommt, lässt sich nicht prüfen; wie Du es deuten möchtest, entscheidest Du. Psychologisch erklärbar ist, warum wir es bemerken: Wer trauert, achtet auf alles, was an den geliebten Menschen erinnert. Tröstlich sein darf ein solches Zeichen trotzdem.
Wie merke ich, ob ein Verstorbener bei mir ist?
Viele Trauernde beschreiben ein plötzliches, sicheres Gefühl, dass der Verstorbene im Raum ist, manchmal verbunden mit Wärme, einer Berührung oder seinem Geruch. In einer Befragung von 991 Menschen mit solchen Erlebnissen berichtete ein Drittel von einem Gefühl der Anwesenheit; am häufigsten waren Kontakte im Schlaf. Diese Erlebnisse sind kein Zeichen einer psychischen Erkrankung, sondern ein häufiger Teil der Trauer.
Wie seriös sind Jenseitskontakte?
Ob ein Medium wirklich Kontakt zu Verstorbenen hat, kann niemand prüfen, und kontrollierte Studien sprechen dagegen. Seriös ist ein Angebot, wenn es nichts garantiert, den Preis vorher nennt, keine Folgepakete verkauft, keine Angst vor Flüchen oder ruhelosen Seelen macht und Dich nicht zur Geheimhaltung drängt. Wer Dir Schuldgefühle vermittelt oder Ratschläge zu Gesundheit, Geld oder Erbe gibt, arbeitet unseriös.
Was kostet ein Jenseitskontakt mit einem Medium?
Eine Einzelsitzung kostet nach einer Stichprobe von Anbieterseiten im September 2026 rund 120 bis 190 Euro für 45 bis 60 Minuten, vor Ort oder per Video. Telefonportale werben mit Gratisminuten und Einstiegspreisen um 1,90 Euro pro Minute; danach gilt der Minutenpreis der Beraterin, der oft höher liegt. Setze Dir vorher ein festes Budget und zahle keine Pakete im Voraus.
Kann jeder mit Verstorbenen in Kontakt treten?
Wenn Du spontane Erlebnisse meinst: Ja, sie kommen bei sehr vielen Trauernden vor, unabhängig von Glauben, Bildung oder Beruf, und sie lassen sich nicht erzwingen. Wenn Du eine besondere Fähigkeit meinst, wie Medien sie für sich beanspruchen: Die ist nach heutigem Wissensstand nicht nachweisbar. Die Verbindung, die Du durch Erinnerung, Rituale und innere Gespräche pflegst, steht dagegen jedem offen.
Ist ein Jenseitskontakt ein Beweis für ein Leben nach dem Tod?
Nein. Weder eine gelungene Sitzung noch ein eindrucksvoller Nachtodkontakt beweist, dass es ein Leben nach dem Tod gibt – und beides widerlegt es auch nicht. Treffer eines Mediums lassen sich mit Cold Reading und Wahrscheinlichkeiten erklären, spontane Erlebnisse mit der Arbeitsweise eines trauernden Gehirns. Ob Du an ein Weiterleben glaubst, bleibt eine Frage des Glaubens.
Wie lange nach dem Tod sollte man mit einem Jenseitskontakt warten?
Eine feste Regel gibt es nicht. In den ersten Wochen nach einem Verlust ist die Trauer am rohesten, und eine Sitzung kann dann eher aufwühlen als trösten. Es ist deshalb sinnvoll, den ersten Schock abzuwarten und vorher mit vertrauten Menschen zu sprechen. Wenn Du merkst, dass Du von Sitzung zu Sitzung gehst, ist das ein Signal, eine Pause einzulegen.
Was kann ein Jenseitskontakt nicht leisten?
Ein Jenseitskontakt kann Trauer nicht abkürzen und keinen Abschied ersetzen, der im Leben nicht stattgefunden hat. Er kann nicht klären, woran jemand gestorben ist, wer erben soll oder wer Schuld trägt, und er ersetzt keine Trauerbegleitung und keine Therapie. Was er im besten Fall kann: einen Moment der Nähe schenken, der Dir hilft, Deinen eigenen Trauerweg weiterzugehen.

Damian Garrett
Legt seit 2005 die Lenormandkarten. Autor des Lenormand-Praxisbuchs und Entwickler eines eigenen Systems zur Deutung der Kartenkombinationen. Hauptberuflich in der psychologischen Lehre und Forschung. → Mehr über den Autor














