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Remote Viewing: Fernwahrnehmung, das Stargate-Programm und was davon bleibt

Grafik zur Fernwahrnehmung und Stargate-Programm mit Kristallkugel.

Remote Viewing – auf Deutsch Fernwahrnehmung – bezeichnet den Versuch, einen entfernten Ort, eine Person oder ein Ereignis allein durch innere Wahrnehmung zu beschreiben, ohne Sinneskontakt und ohne Vorabinformation über das Ziel. Der Begriff entstand 1972 am Stanford Research Institute in Kalifornien. Zwischen 1972 und 1995 finanzierten CIA, US-Armee und Defense Intelligence Agency die Forschung mit rund 20 Millionen Dollar. Bekannt wurde das Vorhaben unter seinem letzten Decknamen: Stargate. Seit Januar 2017 liegen 12.473 Dokumente daraus öffentlich im Lesesaal der CIA.

Damit ist Remote Viewing der einzige Bereich der Hellsichtigkeit, über den es Akten gibt – Budgets, Sitzungsprotokolle, Abschlussberichte. Diese Seite fasst zusammen, was darin steht, was daraus wirklich folgt und was Du davon für die eigene Wahrnehmungsarbeit gebrauchen kannst.

Was ist Remote Viewing?

Remote Viewing ist keine Begabung, sondern ein Protokoll. Das ist der entscheidende Unterschied zu allem, was sonst unter Hellsehen läuft. Ein Viewer bekommt kein Foto, keinen Ortsnamen, keine Frage – nur eine sinnlose Zahlenfolge, die im Hintergrund einem Ziel zugeordnet ist. Er notiert, was ihm an Eindrücken kommt, in einer festen Reihenfolge. Erst danach wird verglichen.

Entwickelt haben das Verfahren die Physiker Harold Puthoff und Russell Targ am Stanford Research Institute, gemeinsam mit dem Künstler Ingo Swann, der die Idee der Koordinaten-Methode einbrachte. 1974 veröffentlichten Targ und Puthoff in Nature einen Aufsatz mit dem Titel „Information transmission under conditions of sensory shielding“ – Informationsübertragung unter Bedingungen sensorischer Abschirmung. Zwei Jahre später folgte eine ausführlichere Darstellung in den Proceedings of the IEEE. Dass diese Arbeiten überhaupt in solchen Zeitschriften erschienen, erklärt einen guten Teil der Aufmerksamkeit, die das Thema bis heute bekommt.

VerfahrenAusgangspunktAblaufPrüfbarkeit
Remote Viewingeine Zufallszahl, sonst nichtsfeste Stufen, schriftliches Protokoll, Viewer und Monitor kennen das Ziel nichthoch: Ziel und Protokoll lassen sich hinterher vergleichen
Hellsichtigkeiteine Frage oder ein spontaner Eindruckfrei, oft bildhaft, ohne vorgegebene Reihenfolgegering: der Rahmen ist selten festgelegt
Kartenlegeneine Frage und ein KartenbildDeutung entlang von Kartenbedeutung, Position und Nachbarschaftmittel: die Karten liegen fest, die Deutung ist Auslegung

Remote Viewing beantwortet also keine Sinnfragen. Es beschreibt Orte und Objekte. Wer wissen will, wie eine Beziehung weitergeht, ist damit an der falschen Adresse – dafür sind Karten das passendere Werkzeug.

Wie eine Remote-Viewing-Sitzung abläuft

An einer klassischen Sitzung sind zwei Menschen beteiligt: der Viewer, der wahrnimmt, und der Monitor, der die Sitzung führt und mitschreibt. Beide kennen das Ziel nicht – das nennt man doppelte Verblindung. Das Target liegt in einem verschlossenen Umschlag bei einer dritten Person.

Ingo Swann gliederte das Verfahren in aufeinander aufbauende Stufen. In den Militärhandbüchern heißt es Coordinate Remote Viewing, später Controlled Remote Viewing (CRV):

StufeWas der Viewer notiertBeispiel
1erster Kontakt, eine spontane Linie („Ideogramm“)ein Strich nach oben, dazu „hart, hoch“
2Sinneseindrückekalt, windig, Geruch nach Metall, gedämpftes Geräusch
3Dimensionen und Skizzeeine flache Fläche, darauf etwas Aufragendes
4Trennung von Wahrnehmung und Deutung in Spalten„Turm“ wandert in die Spalte für Vermutungen, nicht in die für Eindrücke
5gezieltes Nachfragen an einzelne Eindrücke„Wozu dient das Aufragende?“
6räumliches Modell, oft als KnetmodellAnlage mit Halle, Kran und Zufahrt

Der ganze Aufbau dient einem einzigen Zweck: das Beschreiben vom Erraten zu trennen. Stufe 4 ist deshalb das Herzstück. Sobald ein Viewer „Eiffelturm“ denkt, ist die Sitzung gelaufen – die Vorstellung füllt den Rest der Zeit mit Paris. Genau dieser Mechanismus, in der Fachsprache Analytical Overlay, ist auch beim Kartenlegen der häufigste Fehler: Man deutet die eigene Erwartung statt das, was tatsächlich liegt.

Das Stargate-Programm: 23 Jahre, 20 Millionen Dollar

„Stargate“ ist der Name, unter dem das Programm heute läuft – er stammt aber erst aus dem Jahr 1991. Davor trug dieselbe Sache mehrere andere Decknamen:

JahrDecknameWas passierte
1970SCANATEerste von der CIA finanzierte Versuche mit Zielkoordinaten
1972Puthoff und Targ starten die Forschung am Stanford Research Institute
1977GONDOLA WISHdie US-Armee prüft, ob sich das militärisch nutzen lässt
1978GRILL FLAMEoperative Einheit in Fort Meade, Maryland – hier arbeiten die ersten Viewer im Dienst
1983CENTER LANEÜbernahme durch das Nachrichtendienstkommando der Armee (INSCOM)
1985SUN STREAKWechsel zur Defense Intelligence Agency
1991STAR GATEForschung wandert zur Firma SAIC, das Programm bekommt seinen bekannten Namen
1995Endedie CIA übernimmt die Akten, lässt extern bewerten und stellt ein

Über die gesamte Laufzeit waren mehr als 40 Personen beteiligt, darunter rund 23 Viewer. Auf dem Höhepunkt in den Achtzigern arbeiteten etwa sieben davon in Vollzeit. Gemessen an einem Verteidigungshaushalt sind 20 Millionen Dollar über zwei Jahrzehnte ein sehr kleiner Posten – ein Argument, das Befürworter und Kritiker gleichermaßen benutzen, nur mit umgekehrtem Vorzeichen.

Drei Fälle, die immer wieder zitiert werden

Ingo Swann und der Jupiter (27. April 1973). Swann beschrieb den Planeten Jupiter sechs Jahre vor dem Vorbeiflug von Voyager 1 – unter anderem einen Ring aus Kristallen. Dass Jupiter tatsächlich ein Ringsystem hat, wurde erst 1979 bestätigt. Kritiker halten dagegen, dass ein Teil seiner übrigen Angaben nicht zutraf und die Trefferliste im Nachhinein zusammengestellt wurde.

Pat Price und die sowjetische Anlage. In den freigegebenen Akten findet sich die wohl meistdiskutierte Sitzung des Programms: Price beschrieb anhand bloßer Koordinaten eine Anlage in Semipalatinsk, samt einem ungewöhnlich großen Kran. Spätere Satellitenbilder zeigten einen solchen Kran. Auch hier gilt: Was den Bericht so wirkungsvoll macht, ist ein einzelnes markantes Detail – der Rest der Sitzung enthielt auch Fehlgriffe.

Joseph McMoneagle, „Remote Viewer No. 1“. Er kam 1978 nach Fort Meade und blieb bis 1984 im aktiven Dienst, danach bis 1993 als Berater. Bei seiner Pensionierung erhielt er die Legion of Merit; die Begründung nennt ausdrücklich auch seine Arbeit im Remote-Viewing-Programm. McMoneagle hat später selbst darauf hingewiesen, dass die Menge an unkontrollierter Amateurarbeit dem Feld mehr schadet als jede Kritik von außen – und dass zwischen einem geschulten Viewer unter Protokollbedingungen und einem Selbsternannten ohne Qualitätssicherung Welten liegen.

Funktioniert Remote Viewing wirklich?

1995 ließ die CIA das Programm extern bewerten. Zwei Gutachter sahen dieselben Daten und kamen zu unterschiedlichen Schlüssen – dieser Widerspruch ist bis heute der Kern der ganzen Debatte:

  • Die Statistikerin Jessica Utts hielt in ihrem Gutachten fest, dass in den Laborversuchen ein statistisch signifikanter Effekt nachgewiesen sei. Die Trefferquote lag bei etwa 15 Prozent über dem Zufallswert – klein, aber über viele Sitzungen hinweg stabil.
  • Der Psychologe Ray Hyman bestritt die Zahlen nicht, hielt aber die methodischen Mängel für gravierend: unklare Auswahl der Ziele, mögliche Hinweise beim Bewertungsverfahren, keine unabhängige Wiederholung und vor allem kein Mechanismus, der erklären würde, wie das funktionieren soll.

Die praktische Schlussfolgerung war eindeutig und traf beide Positionen: Für nachrichtendienstliche Arbeit war das Verfahren nicht brauchbar. Ein Ergebnis, das man nicht von einem Fehlgriff unterscheiden kann, solange man die Antwort nicht schon kennt, taugt nicht als Entscheidungsgrundlage. Das Programm wurde eingestellt.

Parallel dazu lief von 1979 bis 2007 das Princeton Engineering Anomalies Research Lab an der Princeton University mit ähnlicher Fragestellung und einer ähnlichen Bilanz: winzige Effekte, große Datenmengen, keine Erklärung. Wer heute liest, „die CIA hat Hellsehen bewiesen“, verkürzt also genau die Hälfte der Geschichte. Und wer liest, „alles Unsinn“, die andere.

Remote Viewing lernen: was realistisch geht

Das Verfahren ist öffentlich dokumentiert, die Militärhandbücher sind seit Jahren frei zugänglich. Es spricht nichts dagegen, es auszuprobieren – solange die Erwartung stimmt. Ein sinnvoller Einstieg für zu Hause:

  1. Ziele vorbereiten. Zwanzig sehr unterschiedliche Bilder ausdrucken – Wasserfall, Brücke, Marktplatz, Kirche –, einzeln in Umschläge stecken, durchmischen, jedem eine Nummer geben. Wichtig: Eine zweite Person legt die Zuordnung fest und sagt sie Dir nicht.
  2. Sitzung ansetzen. Nur die Nummer aufschreiben. Zehn bis fünfzehn Minuten, ruhiger Raum, Stift und Papier statt Bildschirm.
  3. Zwei Spalten führen. Links kommen reine Eindrücke hin: kalt, feucht, laut, senkrecht. Rechts alles, was schon eine Deutung ist: „Wasserfall“. Das ist die wichtigste Übung überhaupt.
  4. Nicht korrigieren. Auch der abwegigste Eindruck bleibt stehen. Wer während der Sitzung aussortiert, sortiert immer nach Plausibilität – und die kommt aus dem Kopf, nicht aus der Wahrnehmung.
  5. Erst danach aufdecken und ehrlich protokollieren. Nach zwanzig Sitzungen hast Du eine Quote. Vorher hast Du nur ein Gefühl.

Was Du dabei tatsächlich trainierst, ist unabhängig davon, ob Fernwahrnehmung existiert: Du lernst, den Moment zu erkennen, in dem Dein Verstand aus drei Eindrücken eine Geschichte baut. Diese Fähigkeit ist beim Kartenlegen unmittelbar bares Geld wert – und sie ist auch der Kern dessen, was gemeinhin Intuition genannt wird.

Remote Viewing, Hellsehen und Kartenlegen

Die drei Verfahren werden oft in einen Topf geworfen, arbeiten aber unterschiedlich. Remote Viewing beschreibt Dinge und verlangt ein verschlossenes Ziel. Hellsichtigkeit kommt meist ungefragt und ohne Rahmen. Das Kartenlegen liefert den Rahmen mit: Die Lenormandkarten liegen sichtbar, ihre Bedeutungen sind verabredet, und die Deutung bewegt sich innerhalb dieser Verabredung.

Gerade deshalb ist das Kartenlegen der zugänglichere Weg. Es braucht keine Laborbedingungen und keinen zweiten Menschen mit einem Umschlag. Wenn Du das ausprobieren willst, ist die Tageskarte der einfachste Einstieg: eine Karte, eine Frage, am Abend der Abgleich. Genau dieselbe Übung wie oben – nur mit einem Bild, das Du ansehen kannst.

Häufige Fragen zum Remote Viewing

Funktioniert Remote Viewing wirklich?

Die ehrliche Antwort ist ein Jein mit Fußnote. Die Statistikerin Jessica Utts bestätigte 1995 im Abschlussgutachten einen statistisch signifikanten Effekt in den Laborversuchen, etwa 15 Prozent über dem Zufall. Ihr Kollege Ray Hyman führte dieselben Ergebnisse auf methodische Mängel zurück. Einig waren sich beide darin, dass das Verfahren für nachrichtendienstliche Arbeit unbrauchbar ist, weil sich ein Treffer nicht von einem Fehlgriff unterscheiden lässt, solange man die Antwort nicht kennt.

Remote Viewing ist ein Protokoll, Hellsehen eine Zuschreibung. Beim Remote Viewing bekommt der Viewer nur eine Zufallszahl, arbeitet in festen Stufen und schreibt alles mit; das Ziel ist verschlossen und wird erst hinterher aufgedeckt. Hellsichtige Wahrnehmung kommt dagegen meist spontan, ohne festen Rahmen und ohne die Möglichkeit, sie sauber gegenzuprüfen.

Das Verfahren selbst kann jeder lernen, es ist vollständig dokumentiert und die Militärhandbücher sind frei zugänglich. Ob dabei mehr als Zufall herauskommt, ist die andere Frage. Im Stargate-Programm arbeiteten über zwei Jahrzehnte rund 23 Viewer, ausgewählt aus einer weit größeren Zahl von Kandidaten. Der greifbare Gewinn für Einsteiger liegt weniger im Übersinnlichen als in der Übung, Wahrnehmung und Deutung sauber zu trennen.

Ingo Swann, der die Koordinaten-Methode entwickelte, Pat Price, dem die meistdiskutierte Sitzung des Programms zugeschrieben wird, und Joseph McMoneagle, der als „Remote Viewer No. 1“ von 1978 bis 1984 in Fort Meade im aktiven Dienst stand und bei seiner Pensionierung die Legion of Merit erhielt. Auf der Forschungsseite stehen die Physiker Harold Puthoff und Russell Targ vom Stanford Research Institute.

Ja. Im Januar 2017 stellte die CIA 12.473 Dokumente aus dem Star-Gate-Bestand als Teil ihres CREST-Archivs online. Sie sind über den öffentlichen Lesesaal der CIA abrufbar und enthalten Sitzungsprotokolle, interne Bewertungen und Schriftverkehr aus mehr als zwei Jahrzehnten.

Eine einzelne Sitzung dauert typischerweise 20 bis 60 Minuten, ein erster Versuch zu Hause auch nur zehn bis fünfzehn. Länger ist selten besser: Je länger die Sitzung, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass der Verstand aus wenigen Eindrücken eine geschlossene Geschichte baut und diese dann bestätigt.

Versuche dazu gab es unter dem Stichwort Precognitive Remote Viewing, mit denselben schwachen und uneinheitlichen Ergebnissen wie bei ortsbezogenen Zielen. Belastbar ist daran nichts. Wer Fragen zur eigenen Zukunft hat, ist mit einem Verfahren besser bedient, das eine deutbare Struktur mitbringt – beim Kartenlegen etwa die Kartenbedeutungen und ihre Positionen.

Fazit

Man kann mit dem Stargate-Programm zwei Dinge machen. Man kann es als Beweis vorzeigen – dann übergeht man den Abschlussbericht. Oder man kann es abtun – dann übergeht man 23 Jahre Förderung und eine Statistikerin, die einen Effekt bestätigt hat. Das Ehrlichere liegt dazwischen: Es gab in den Daten etwas, das sich nicht wegerklären ließ, und es war zu schwach und zu unzuverlässig, um damit zu arbeiten.

Für die eigene Praxis bleibt das Beste am Remote Viewing ohnehin nicht das Übersinnliche, sondern die Disziplin: erst wahrnehmen, dann deuten – und beides sauber getrennt aufschreiben.

Bild von Damian Garrett

Damian Garrett

Legt seit 2005 die Lenormandkarten. Autor des Lenormand-Praxisbuchs und Entwickler eines eigenen Systems zur Deutung der Kartenkombinationen.

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