Lenormand2Go – Alle 36 Kartenbedeutungen, Kombinationen und kostenlose Legungen

Lenormand verstehen statt auswendig lernen

Sich selbst die Karten legen: Darf man das – und wie es funktioniert

Kant und Selbsthilfe

Sich selbst die Karten legen: erlaubt, aber nicht beliebig

„Sich selbst die Karten legen darf man nicht“ – dieser Satz steht in Foren, in alten Ratgebern und in fast jeder zweiten Antwort auf Reddit. Er ist falsch. Es gibt keine Regel, kein Gesetz und keine Instanz, die Dir das Kartenlegen für Dich selbst verbietet. Es gibt nur einen guten Grund, warum eine Legung für Dich schwieriger ist als eine Legung für eine fremde Person – und eine Handvoll Techniken, mit denen Du genau diese Schwierigkeit in den Griff bekommst.

Auf dieser Seite erfährst Du, woher das angebliche Verbot stammt, welche fünf Denkfallen beim Selbstlegen wirklich gefährlich sind, welche Kartendecks und Legesysteme sich für Dich selbst eignen und wie Du eine eigene Legung Schritt für Schritt aufbaust.

Kurz gesagt: Ja, Du kannst Dir selbst die Karten legen. Ob die Legung etwas taugt, entscheiden drei Dinge: eine Frage, die Du vor dem Mischen aufschreibst, ein kleines Legesystem mit festen Positionen – und die Disziplin, die gezogenen Karten nicht ein zweites Mal zu ziehen, nur weil Dir die Antwort nicht gefällt.

Woher die Regel „Man legt sich nicht selbst die Karten“ stammt

Die Regel ist eine Zunftregel, keine spirituelle Wahrheit. Sie stammt aus einer Zeit, in der das Kartenlegen ein Beruf war: Wer davon lebte, hatte ein handfestes Interesse daran, dass die Deutung eine Dienstleistung blieb. Daneben steht ein zweiter, ehrlicherer Ursprung. Erfahrene Kartenleger wissen, wie stark eigene Wünsche die Bedeutung der Karten einfärben. In dieser Lesart war die Regel ein Schutz vor Selbsttäuschung – kein Verbot.

In den Foren ist daraus etwas anderes geworden: eine Warnung vor „falscher Energie“, vor Abhängigkeit, manchmal vor Gefahr. Der Thread, der bei Google zu dieser Frage seit Jahren ganz oben steht, stammt aus dem Jahr 2005. Seitdem hat sich die Praxis verändert: Tageskarte, Journaling mit Karten und Selbstreflexion mit Symbolen sind heute für viele der eigentliche Zweck des Kartenlegens. Und der funktioniert nur, wenn Du selbst ziehst.

Was von der alten Regel bleibt, ist ein einziger, aber wichtiger Punkt: Bei einer Legung für Dich selbst bist Du Fragende und Deuterin in einer Person. Diesen Interessenkonflikt musst Du bewusst ausgleichen. Alles andere daran ist Folklore.

Mündigkeit statt Abhängigkeit: der eigentliche Grund, es selbst zu tun

1784 schrieb Immanuel Kant einen Satz, der auf das Kartenlegen erstaunlich gut passt:

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.

Kant meinte damit nicht, dass Rat von außen wertlos ist. Er meinte, dass das Urteil am Ende bei Dir liegen muss. Genau hier verläuft die Grenze zwischen einer guten und einer schlechten Kartenpraxis. Wer sich bei jeder Frage die Karten legen lässt, gibt die Deutung ab – und mit ihr die Entscheidung. Wer selbst zieht, selbst deutet und danach selbst entscheidet, benutzt die Karten als das, was sie können: als Spiegel, der Dir Deine eigene Lage aus einer anderen Perspektive zeigt und Dein Unterbewusstsein zu Wort kommen lässt.

Selbstlegen ist deshalb nicht die schlechtere Variante des Kartenlegens. Es ist die mündigere.

Die fünf Denkfallen beim Selbstlegen – und wie Du sie umgehst

Alles, was gegen das Selbstlegen spricht, lässt sich auf fünf konkrete Fehler zurückführen. Jeder davon hat ein einfaches Gegenmittel.

DenkfalleWoran Du sie erkennstGegenmittel
BestätigungsfehlerDu liest aus einer Karte genau die Bedeutung heraus, die Du Dir gewünscht hastErst die neutrale Grundbedeutung notieren, dann erst den Bezug zu Deinem Thema herstellen
NachlegenDu mischst ein zweites Mal, weil die erste Antwort unbequem warEine Frage, eine Legung. Dieselbe Frage frühestens nach einigen Tagen wieder
Vage Frage„Wie wird es mit uns?“ – die gezogenen Karten können damit alles bedeutenFrage vor dem Mischen aufschreiben und auf einen Zeitraum begrenzen
Emotionale NäheZu jeder Karte fällt Dir sofort eine bestimmte Person einDie Legung fotografieren und einen Tag später noch einmal deuten
DauerbefragungDu ziehst mehrmals täglich zum selben ThemaFeste Abstände einhalten und jede Legung mit Datum dokumentieren

Welche Karten eignen sich, wenn Du Dir selbst die Karten legst?

Für eine Legung, die Du selbst deutest, ist die Bildsprache des Decks wichtiger als sein Ruf. Je eindeutiger ein Symbol ist, desto weniger Spielraum lässt es Deinen Wünschen.

KartendeckKartenEignung zum Selbstlegen
Lenormandkarten36 KartenSehr gut. Alltagsnahe Motive, kurze Deutungen, klare Kombinationen – das beste Deck für Einsteiger, die selber Karten legen wollen
Tarotkarten78 KartenGut, aber anspruchsvoll. Viel Symbolik pro Karte bedeutet mehr Deutungsspielraum – und damit mehr Raum für Selbsttäuschung
Kipperkarten36 KartenGut für Situations- und Personenfragen, verlangt aber Erfahrung mit den Hofkarten
Skatblatt32 KartenMöglich, aber schwer: Ohne Bildmotive deutest Du reine Farb- und Zahlenwerte

Wenn Du gerade erst anfängst, sind die Lenormandkarten die pragmatischste Wahl. 36 Karten mit eindeutigen Motiven lassen sich in wenigen Wochen lernen – wie das geht, zeigt Dir Kartenlegen lernen. Die Bedeutung der einzelnen Karten und ihre Kombinationen findest Du in der Übersicht der Lenormand Kombinationen.

Schritt für Schritt: so legst Du Dir selbst die Karten

  1. Frage formulieren und aufschreiben. Konkret, offen und auf einen Zeitraum bezogen: „Was sollte ich in den nächsten vier Wochen über meinen Jobwechsel wissen?“ statt „Wird alles gut?“
  2. Legesystem festlegen, bevor Du mischst. Wie viele Karten, und welche Kartenposition bedeutet was? Wer das erst hinterher entscheidet, passt das Legemuster unbewusst an das Ergebnis an.
  3. Karten mischen, bis es sich stimmig anfühlt. Die Technik ist zweitrangig – wichtig ist, dass Du beim Mischen bei Deiner Frage bleibst.
  4. Karten ziehen und vollständig auslegen. Erst alle Karten legen, dann deuten. Wer nach jeder einzelnen Karte deutet, baut sich unterwegs eine Geschichte.
  5. Grundbedeutung notieren, dann kombinieren. Schreibe zu jeder Karte zuerst die neutrale Bedeutung auf, danach die Kombination mit der Nachbarkarte – und erst zum Schluss das Gesamtbild.
  6. Ergebnis datieren und weglegen. Nach zwei bis vier Wochen liest Du die Notiz noch einmal. Das ist die einzige ehrliche Rückmeldung, die Du über Deine eigene Deutung bekommst.

Die besten Legesysteme, wenn Du für Dich selbst legst

Für eine Legung, die Du selbst deutest, gilt: je kleiner, desto ehrlicher. Eine Große Tafel mit allen 36 Karten lädt dazu ein, so lange zu suchen, bis irgendwo die gewünschte Antwort steht.

LegesystemKartenWofür es sich eignet
Tageskarte1 KarteImpuls für den Tag und die beste Übung, um die Bedeutung der Karten zu verinnerlichen
Ja-Nein-Orakel1 KarteEine geschlossene Frage, die Du wirklich entscheiden willst
Dreierlegung3 KartenVergangenheit – Gegenwart – Zukunft oder Situation – Rat – Ergebnis
Neunerlegung9 KartenEin Thema in seiner ganzen Tiefe, mit Umfeld und Hintergrund
Liebeslegung9 KartenBeziehungsfragen, bei denen es um zwei Menschen und das geht, was zwischen ihnen steht

Alle fünf kannst Du hier direkt online die Karten legen – Tageskarte, Ja-Nein-Orakel und Dreierlegung kostenlos, mit ausführlicher Deutung.

Wie oft solltest Du Dir selbst die Karten legen?

Eine Tageskarte täglich ist unproblematisch: Sie stellt keine Frage, sondern gibt einen Impuls. Eine echte Fragelegung verträgt deutlich weniger Frequenz. Als Faustregel gilt: dieselbe Frage erst wieder legen, wenn sich an der Situation etwas geändert hat – nicht, wenn sich Deine Stimmung geändert hat.

Wer mehrmals täglich zum selben Thema zieht, sucht keine Antwort mehr, sondern Beruhigung. Genau das ist die Abhängigkeit, vor der die alte Zunftregel eigentlich warnen wollte. Ausführlicher steht das in Wie oft soll ich die Karten legen?.

Wann Du die Karten besser nicht selbst legst

Es gibt drei Situationen, in denen eine eigene Legung wenig bringt. Erstens: wenn Du zur Antwort schon ein sehr starkes Gefühl hast – dann liest Du in die Karten hinein, was Du ohnehin glaubst. Zweitens: in einer akuten Krise, in der Du eine Entlastung suchst und keine Auskunft. Drittens: bei medizinischen, juristischen und finanziellen Entscheidungen. Karten ersetzen keine Diagnose, keine Beratung und keine Vorhersagen mit Anspruch auf Sicherheit.

In diesen Fällen ist der Blick von außen das bessere Werkzeug: ein erfahrener Kartenleger, ein Mensch, dem Du vertraust, oder professionelle Hilfe. Wenn Dich das Kartenlegen eher beunruhigt als klarer macht, lohnt sich ein Blick auf Angst vor dem Kartenlegen.

Häufige Fragen zum Selbstlegen

Darf man sich selbst die Karten legen?

Ja. Es gibt keine Regel, die das verbietet. Die verbreitete Warnung stammt aus der Berufstradition der Kartenleger und aus einem berechtigten Hinweis auf Selbsttäuschung – nicht aus einem Verbot. Wer die Frage vorher aufschreibt und die erste Legung stehen lässt, kann sich problemlos selbst die Karten legen.

Ja, aus einem einzigen Grund: Du bist Fragende und Deuterin zugleich. Deine Erwartung färbt die Deutung. Das lässt sich ausgleichen, indem Du zu jeder Karte zuerst die neutrale Grundbedeutung notierst und den Bezug zu Deinem Thema erst danach herstellst.

Für eine Tageskarte reicht das Bild und Dein erster Eindruck. Sobald mehrere Karten zusammen gedeutet werden, brauchst Du die Grundbedeutungen und ein Gefühl für Kombinationen. Mit 36 Lenormandkarten ist dieser Punkt in wenigen Wochen erreicht.

Lenormand. 36 Karten mit eindeutigen Alltagsmotiven lassen weniger Deutungsspielraum als 78 Tarotkarten mit vielschichtiger Symbolik. Weniger Spielraum bedeutet beim Selbstlegen weniger Raum für Wunschdenken.

Einmal – und erst wieder, wenn sich an der Situation selbst etwas geändert hat. Nachlegen, weil die Antwort unbequem war, macht aus einer Legung ein Ratespiel.

Die Karten sind es nicht. Riskant wird allein die Gewohnheit, keine Entscheidung mehr ohne Legung zu treffen. Solange Du am Ende selbst entscheidest und die Karten als Perspektive und nicht als Befehl liest, ist Selbstlegen unbedenklich.

Ja, und es gelten dieselben Regeln: Frage zuerst formulieren, Legesystem vorher wählen, Ergebnis nicht wiederholen. Tageskarte, Ja-Nein-Orakel und Dreierlegung stehen hier kostenlos zur Verfügung.

Fazit: Deine Karten, Dein Urteil

Sich selbst die Karten zu legen ist weder verboten noch gefährlich. Es ist anspruchsvoller als eine Legung für jemand anderen, weil Du Deine eigene Erwartung mit am Tisch sitzen hast. Mit einer klar formulierten Frage, einem kleinen Legesystem und der Regel, die erste Antwort stehen zu lassen, wird aus dem Selbstlegen genau das, wofür die Karten taugen: ein Werkzeug zur Selbsterkenntnis, das Dir eine Perspektive anbietet – und Dir die Entscheidung lässt.

Bild von Damian Garrett

Damian Garrett

Legt seit 2005 die Lenormandkarten. Autor des Lenormand-Praxisbuchs und Entwickler eines eigenen Systems zur Deutung der Kartenkombinationen.

Weitere Beiträge
Newsletter

Melde Dich jetzt zum Newsletter an und sichere Dir den GRATIS-Leitfaden mit 5 wertvollen Tipps, um die Lenormand-Kombis richtig zu deuten! 

Bitte sende mir entsprechend Deiner Datenschutzerklärung regelmäßig Informationen zum Kartenlegen und zu folgendem Produktsortiment per E-Mail zu: Leitfäden, Handbücher und Lehrbücher zum Kartenlegen und dem Deuten der Kartenkombinationen.

Rezensionen

Klicke jetzt auf den Link, stöbere durch die ausführlichen Rezensionen und finde das perfekte Deck für Dich! 

Beliebte Karten