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Lenormand verstehen statt auswendig lernen

Orakelkarten: Bedeutung, Unterschied zu Tarot und Lenormand, Anleitung zum Legen und die wichtigsten Decks

Orakelkarten: Aquarell mit einem Fächer aus fünf Orakelkarten mit Mond, Feder, Lotus, Stern und Fuchs, zwei Lenormandkarten mit Klee und Schlüssel, Kerze, Amethyst, Lavendel, Teetasse und Notizbuch auf violettem Samt

Kurz gesagt: Orakelkarten sind Kartendecks ohne festes System. Anders als Tarot (immer 78 Karten mit festem Aufbau) und Lenormand (immer 36 Karten mit festen Symbolen) legt bei Orakelkarten jedes Deck selbst fest, wie viele Karten es hat, was darauf zu sehen ist und was die Bilder bedeuten. Engelkarten, Krafttier-Orakel, Mond-Orakel und Affirmationskarten sind Orakelkarten. Man legt sie meist als einzelne Tageskarte oder zu dritt, liest intuitiv zuerst das Bild, dann das Begleitbuch (im Handel oft „Booklet“ genannt), und bekommt damit keinen Blick in die Zukunft, sondern einen Anstoß zum Nachdenken. Genau dafür sind sie gut.

Dieser Beitrag erklärt, was Orakelkarten sind, worin sie sich von Tarot, Lenormand und Kipperkarten unterscheiden, woher sie kommen, welche Arten es gibt, wie Du ein Deck auswählst, wie Du Orakelkarten legst und deutest, wo Du sie kostenlos online ziehen kannst, und was sie aus Sicht eines Psychologen können und was nicht.

Orakelkarten auf einen Blick

FrageKurz beantwortet
Was sind Orakelkarten?Kartendecks mit Bildern und Botschaften, bei denen jedes Deck seine eigene Kartenzahl, seine eigenen Motive und seine eigenen Bedeutungen hat. Kein gemeinsames System.
Unterschied zu Tarot?Tarot hat in jedem Deck denselben Aufbau: 78 Karten, 22 Große und 56 Kleine Arkana. Orakelkarten haben keinen festen Aufbau.
Unterschied zu Lenormand?Lenormand hat immer 36 Karten mit festen Alltagssymbolen und wird über Kombinationen gelesen. Im Handel heißen Lenormandkarten trotzdem oft „Orakelkarten“.
Wie legt man Orakelkarten?Frage stellen, mischen, eine bis drei Karten ziehen, erst das Bild anschauen, dann das Begleitbuch lesen, dann einen eigenen Satz daraus machen.
Welche Decks gibt es?Engelkarten, Krafttier-Orakel, Mond-Orakel, Göttinnen- und Archetypen-Decks, Affirmationskarten, Naturkarten. Dazu Lenormand und Kipper als Wahrsagekarten mit festem System.
Können Orakelkarten die Zukunft vorhersagen?Nein. Sie zeigen, was Du in ein Bild hineinliest, und das ist oft genau das, was Du gerade brauchst. Ein Spiegel, keine Glaskugel.
Orakelkarten online ziehen?Ja, kostenlos auf dieser Seite: Krafttier-Karte, Tageskarte, Orakel befragen, Zukunftsorakel und Kipper-Tageskarte, alle ohne Anmeldung.

Was sind Orakelkarten? Bedeutung und Definition

Orakelkarten sind Kartendecks, mit denen man eine Frage stellt, eine oder mehrere Karten zieht und die Bilder als Antwort liest. Das Wort „Orakel“ kommt vom lateinischen oraculum, der Sprechstätte, an der ein Gott durch seine Priester antwortete; was ein Orakel im weiten Sinn ist und wie es funktioniert, steht ausführlich im Beitrag Was ist ein Orakel?. Orakelkarten sind die handlichste Form davon: ein Stapel Bilder, ein Begleitbuch, eine Frage.

Das Besondere an Orakelkarten ist, dass sie kein gemeinsames System haben. Ein Deck kann 33 Karten haben oder 44, 50 oder 64. Es kann Engel zeigen, Tiere, Blumen, Göttinnen, Mondphasen oder nur ein Wort auf farbigem Grund. Jede Karte bedeutet das, was das Begleitbuch dieses einen Decks dazu sagt, und in einem anderen Deck kann dieselbe Eule etwas ganz anderes heißen. Das ist kein Mangel, sondern die Definition: Orakelkarten sind frei gestaltete Decks, bei denen Zahl, Motive und Bedeutungen der Karten vom Autor festgelegt werden, nicht von einer Tradition.

Eine Verwirrung muss man gleich ausräumen. Im Handel heißt fast alles „Orakelkarten“, was keine Spielkarten sind: Lenormandkarten werden als „Lenormand Orakelkarten“ verkauft, Kipperkarten als Wahrsagekarten, und selbst Tarotdecks stehen im selben Regal. Streng genommen sind Lenormand, Kipper und Tarot aber Kartensysteme mit festen Regeln, und „Orakelkarten“ im engen Sinn sind die Decks ohne solche Regeln. Dieser Beitrag benutzt das Wort im engen Sinn. Wer nach Lenormandkarten sucht, findet sie im Beitrag Lenormand Karten kaufen.

Orakelkarten, Tarotkarten, Lenormand und Kipperkarten: der Unterschied

Alle vier gehören zur Kartomantie, dem Kartenlegen im weiten Sinn, und unterscheiden sich in drei Dingen: in der Zahl der Karten, in der Frage, ob es ein festes System gibt, und in der Art, wie man liest. Die Tabelle fasst das zusammen.

DeckKartenSystemSo liest manPasst zu
Orakelkartenbeliebig, meist 33 bis 64keines; jedes Deck eigene Motive und BedeutungenBild, Begleitbuch, Intuition; eine bis drei KartenImpuls für den Tag, Gefühle, Selbstreflexion
Tarot78fest: 22 Große und 56 Kleine Arkana in vier FarbenPositionen in einem Legesystem, Archetypen, Symbolikinnere Entwicklung, große Lebensfragen
Lenormand36fest: Alltagssymbole von Reiter bis Kreuz, nummeriertKombinationen, Karten werden wie Wörter zu Sätzenkonkrete Fragen: Was, Wer, Wann, Wie
Kipperkarten36fest: Personen und Lebenssituationen, seit 1890Nachbarschaft der Karten, Blickrichtung der PersonenAlltag, Beziehungen, Beruf

Der Unterschied zwischen Orakelkarten und Tarotkarten ist damit schnell erklärt: Die 78 Tarotkarten folgen einer Struktur, die in jedem Deck gleich ist, egal ob Rider-Waite, Crowley oder ein modernes Künstlerdeck; wer ein Tarot lesen kann, kann alle lesen, und die klassischen Legungen wie das Keltische Kreuz funktionieren mit jedem Tarotdeck. Orakelkarten muss man mit jedem Deck neu lernen, dafür ist der Einstieg leichter, weil die Karten meist ihre Botschaft gleich mitbringen. Lenormandkarten stehen dazwischen: 36 feste Symbole, die man einmal lernt und dann in jedem Deck wiedererkennt, gelesen über Kombinationen statt über Positionen. Wie sich Tarot und Lenormand im Detail unterscheiden, zeigt der Beitrag Unterschied zwischen Tarot und Lenormand; die Kipperkarten mit ihren 36 Personen und Situationen haben eine eigene Seite mit allen Bedeutungen.

Für die Praxis heißt das: Wer eine konkrete Frage hat („Meldet er sich?“, „Klappt der Umzug?“), ist mit Lenormand oder Kipper besser bedient, weil diese Decks Antworten in Sätzen geben. Wer einen Impuls für den Tag sucht, ein Gefühl benennen oder ein Thema von einer neuen Seite sehen will, greift zu Orakelkarten. Viele Kartenleger nutzen beides: eine Orakelkarte als Überschrift, drei Lenormandkarten als Text darunter.

Woher Orakelkarten kommen: von Losbüchern über das Spiel der Hoffnung bis zu den Engelkarten

Karten, die Fragen beantworten, gibt es seit dem späten Mittelalter. Die Losbücher des 15. und 16. Jahrhunderts führten über Würfel oder Zufallszahlen zu einem Spruch; im 18. Jahrhundert kamen Orakelspiele mit Bildkarten auf, und 1799 erschien in Nürnberg das „Spiel der Hoffnung“ von Johann Kaspar Hechtel, ein Brettspiel mit 36 Bildkarten, das nach dem Tod der Pariser Wahrsagerin Marie Anne Lenormand 1843 unter ihrem Namen als Wahrsagekarten weiterlebte. Die Kipperkarten folgten 1890 in München. Beide waren Orakelkarten im Sinn ihrer Zeit, bekamen aber feste Regeln und wurden damit zu Systemen.

Die Orakelkarten im heutigen Sinn, frei gestaltete Decks mit eigenem Begleitbuch, sind ein Kind des 20. Jahrhunderts. Mit der Psychologie C. G. Jungs und der Esoterik der 1970er- und 1980er-Jahre entstanden Decks, die nicht die Zukunft, sondern die Seele zeigen wollten; das Symbolon (1993) mit seinen 78 astrologischen Bildern ist ein bekanntes deutsches Beispiel. Den großen Schub brachten um die Jahrtausendwende die Engelkarten der amerikanischen Autorin Doreen Virtue, die in Millionenauflage verkauft wurden, bis Virtue sich 2017 von ihrer eigenen Arbeit lossagte und die Decks vom Markt nahm. Seitdem ist der Markt bunt: Mond-Orakel, Krafttier-Orakel, Göttinnen-Decks, mystische und schamanische Decks, Affirmationskarten, Decks von Künstlerinnen über Crowdfunding, und Verlage wie Königsfurt-Urania, Schirner oder Ansata mit jeweils Dutzenden Titeln.

Welche Orakelkarten gibt es? Die wichtigsten Arten mit Beispielen

Orakelkarten lassen sich am besten nach ihrem Thema ordnen. Jedes Thema bringt eine eigene Sprache mit, und die sollte zu Dir passen, bevor Du auf Bilder oder Preis schaust.

  • Engelkarten: Botschaften von Engeln und Erzengeln, meist tröstend und ermutigend, oft mit Affirmation auf der Karte. Lange das meistverkaufte Orakel überhaupt; nach dem Rückzug von Doreen Virtue sind deutsche Autorinnen wie Jana Haas nachgerückt. Für Menschen, die Zuspruch suchen.
  • Krafttier-Orakel: Tiere als Boten mit einer Eigenschaft: der Fuchs für Klugheit, die Eule für Weisheit, das Reh für Sanftheit. Bekannte Krafttierkarten sind das Krafttier-Orakel von Jeanne Ruland mit 64 Karten, das Earth Guardians-Orakel von Königsfurt-Urania und auf Englisch das Spirit Animal Oracle von Colette Baron-Reid, der wohl bekanntesten Orakel-Autorin weltweit. Was ein Krafttier ist und wie Du Deines findest, steht im Beitrag Krafttier finden; eine Krafttier-Karte kannst Du hier kostenlos online ziehen.
  • Mond-Orakel: Mondphasen und Tierkreiszeichen als Karten, am bekanntesten die Moonology-Decks von Yasmin Boland mit 44 beziehungsweise 48 Karten, die auch auf Deutsch erschienen sind. Für alle, die ihren Alltag nach dem Mond ausrichten.
  • Göttinnen- und Archetypen-Decks: Figuren aus Mythologie und Märchen, die Rollen und innere Anteile zeigen, etwa die Königin, die Wilde, die Heilerin. Dazu gehören auch Decks mit Spirit Guides, Ahnen und schamanischen Motiven. Nah an der Psychologie C. G. Jungs, gut für Selbsterkundung.
  • Affirmations- und Botschaftskarten: ein Satz oder ein Wort pro Karte, oft ohne Bild. Die einfachste Form, auch für Kinder und für den Teamtisch im Büro.
  • Natur-, Pflanzen- und Kristallkarten: Bäume, Kräuter, Steine, Jahreskreis, dazu Kristall-Orakel und Chakra-Karten. Für Menschen, denen Engel zu süß sind und die Naturbilder lieber mögen.
  • Schattenarbeit und Innenschau: ein jüngerer Zweig, auf Englisch Shadow Work, mit Fragen statt Antworten auf den Karten („Wovor schützt Dich Deine Wut?“) und Journaling-Übungen im Begleitbuch. Weniger Orakel, mehr Tagebuch.
  • Lenormand- und Kipperkarten: im Handel als Orakelkarten geführt, in Wahrheit Wahrsagekarten mit festem System. Wer von Orakelkarten zu Lenormand wechselt, bekommt dafür konkrete Antworten; welche Decks sich lohnen, steht in der Bewertung der besten Lenormand-Kartendecks.

Eine Warnung zu den Engelkarten: Sie sind so beliebt, dass es Dutzende Nachahmer gibt, oft Billigdrucke mit maschinell übersetzten Begleitheften. Beim Kauf lohnt der Blick auf Autor und Verlag mehr als auf den Preis.

Orakelkarten kaufen: So findest Du das richtige Deck

Es gibt kein bestes Orakeldeck, nur das, das zu Dir passt. Diese sieben Punkte helfen bei der Auswahl, und der wichtigste ist der letzte.

  1. Thema. Engel, Tiere, Mond, Göttinnen, Natur oder reine Worte: Nimm die Sprache, in der Du ohnehin denkst. Wer mit Engeln nichts anfangen kann, wird auch die Karten nicht benutzen.
  2. Bilder. Der 30-Sekunden-Test: Schau Dir fünf Karten an. Löst mindestens eine davon sofort etwas aus, ohne dass Du den Text liest? Dann taugt das Deck zum Lesen. Wenn alle Karten nur hübsch sind, bleibt es Dekoration.
  3. Begleitbuch. Im Handel heißt es meist Booklet. Es sollte in Deiner Sprache sein, zu jeder Karte mindestens eine halbe Seite haben und mehr bieten als drei Stichwörter. Decks, die nur eine Faltanleitung mitbringen, sind für Anfänger zu dünn.
  4. Kartenzahl. 33 bis 44 Karten lernt man in ein paar Wochen, 64 und mehr dauern länger. Für den Einstieg lieber weniger.
  5. Größe und Material. Orakelkarten sind oft größer als Spielkarten und schwerer zu mischen; wer kleine Hände hat, prüft das Format. Matte, stabile Karten halten länger als glänzende dünne; Goldrand und eine feste Kartenbox sind schön, aber kein Qualitätsmerkmal.
  6. Preis. Decks großer Verlage kosten meist 20 bis 30 Euro, Künstlerdecks mehr, Nachdrucke aus dem Internet 10 Euro. Wer online bestellt, prüft vorher die Vorschau der Karten; bei sehr billigen Decks fehlt meist das Begleitbuch oder die Übersetzung ist unbrauchbar.
  7. Bauchgefühl. Wenn Du zwischen zwei Decks schwankst, nimm das, zu dem Du immer wieder zurückblätterst. Das ist der ganze Trick.

Zwei Mythen kannst Du vergessen: Orakelkarten müssen nicht geschenkt werden, Du darfst sie selbst kaufen, und sie müssen nicht „gereinigt“ werden, bevor sie funktionieren. Wer das Ritual mag, darf es machen; nötig ist es nicht. Dieselben Punkte gelten für Lenormandkarten, mit zwei Besonderheiten zu Kartenzahl und Zusatzkarten, die im Beitrag über moderne und klassische Lenormand-Decks erklärt sind.

Orakelkarten legen: Anleitung in fünf Schritten

Orakelkarten brauchen keine Legungen mit zehn Positionen wie das Tarot. Die meisten Decks sind für eine einzelne Karte gemacht, und so lernst Du sie auch am besten kennen.

  1. Frage stellen. Eine offene Frage funktioniert besser als eine Ja-Nein-Frage: „Was brauche ich heute?“, „Worauf sollte ich in dem Gespräch achten?“, „Was übersehe ich an dieser Lage?“. Schreib die Frage auf, bevor Du ziehst; das verhindert, dass Du sie später an die Karte anpasst.
  2. Mischen. So lange, bis Du nicht mehr an die Reihenfolge denkst. Manche fächern die Karten aus, manche heben ab, manche legen den Stapel auf den Tisch und ziehen aus der Mitte. Es gibt keine richtige Art.
  3. Ziehen. Eine Karte für eine Tagesbotschaft, drei Karten für eine Frage. Lege sie verdeckt und dreh sie nacheinander um.
  4. Lesen, in dieser Reihenfolge: zuerst das Bild (Was siehst Du, was fällt Dir auf, welches Gefühl kommt?), dann den Titel der Karte, erst dann das Begleitbuch. Wer sofort im Buch liest, überspringt den Teil, der die Karte zu Deiner macht.
  5. Einen Satz daraus machen. Fasse die Antwort in einem Satz zusammen und schreib ihn unter die Frage. „Ich brauche heute Geduld mit mir, nicht mit den anderen.“ Dieser Satz ist das Ergebnis, nicht die Karte.

Die Tageskarte

Morgens eine Karte ziehen, den Satz notieren, abends kurz prüfen, ob er den Tag getroffen hat. Nach ein paar Wochen kennst Du Dein Deck und merkst, welche Karten Dich immer wieder finden. Das ist die wichtigste Übung überhaupt, und sie dauert zwei Minuten am Tag.

Drei Karten: Lage, Rat, Ausgang

Die erste Karte beschreibt, wo Du stehst, die zweite, was Dir hilft, die dritte, wohin es führt, wenn Du den Rat befolgst. Alternativ Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, oder Du selbst, der andere, die Beziehung. Wichtig ist nur, dass Du die Positionen vor dem Ziehen festlegst.

Fünf Karten für die Woche

Am Sonntag fünf Karten für Montag bis Freitag, jede mit einem Satz. Nicht als Vorhersage, sondern als Motto: Wer am Dienstag „die Eule“ liegen hat, schaut an diesem Tag genauer hin, bevor er entscheidet.

Orakelkarten mit Lenormandkarten kombinieren

Eine Kombination, die sich bewährt hat: Die Orakelkarte liefert das Thema, drei Lenormandkarten liefern den konkreten Satz dazu. Zieht man etwa die Krafttierkarte Fuchs und dazu Brief, Reiter und Schlüssel, heißt das: Das Thema ist Klugheit, und die Nachricht, die unterwegs ist, bringt die Lösung. Wie die 36 Lenormandkarten gelesen werden, erklärt der Lenormand-Praxiskurs; wer erst einmal probieren will, zieht eine Lenormand-Tageskarte.

Orakelkarten deuten: Bild, Begleitbuch, Bauch

Die intuitive Deutung von Orakelkarten hat drei Quellen, und die Reihenfolge entscheidet über die Qualität. Das Bild kommt zuerst, weil es Dich trifft, bevor Du nachdenkst; das Begleitbuch kommt als Zweites, weil es die Absicht des Autors erklärt; der Bauch kommt zuletzt und entscheidet, was von beidem heute zutrifft. Wer das Buch weglässt, deutet nur sich selbst; wer nur das Buch liest, deutet nur den Autor.

Ein paar Regeln, die sich bewährt haben: Umgekehrte Karten haben bei Orakelkarten meist keine Bedeutung, anders als im Tarot; dreh sie einfach richtig herum. „Schlechte Karten“ gibt es in den meisten Decks nicht; wenn eine Karte Dich erschreckt, ist das Erschrecken die Botschaft, nicht die Karte. Und wenn die Karte überhaupt nicht zur Frage passt, zieh nicht nach: Frag Dich lieber, warum sie nicht passt. Oft stellt sich heraus, dass die Frage nicht die richtige war. Wie oft man Karten befragen darf, ohne sich im Kreis zu drehen, steht im Beitrag Wie oft Karten legen?.

Ein Orakeltagebuch macht aus dem Kartenziehen ein Werkzeug. Datum, Frage, Karte, Satz, und abends eine Zeile dazu, was geschehen ist. Nach einem Monat liest Du darin nicht die Zukunft, sondern Dich selbst: Welche Themen kommen immer wieder, welche Karten ziehst Du nie, welche Sätze haben gestimmt. Das ist mehr wert als jede Vorhersage.

Orakelkarten online ziehen: kostenlos auf Lenormand2Go

Du brauchst kein Deck, um anzufangen. Auf Lenormand2Go kannst Du mehrere Orakel kostenlos und ohne Anmeldung ziehen, jedes mit sofortiger Deutung:

Alle Werkzeuge zum Kartenlegen findest Du gesammelt auf der Übersicht der Orakel und Legungen. Online gezogen wird genauso intuitiv gelesen wie mit einem Kartendeck in der Hand: erst das Bild, dann der Text, dann Dein Satz.

Was Orakelkarten können und was nicht: ein Psychologe erklärt

Orakelkarten können die Zukunft nicht vorhersagen; dafür gibt es keinen Beleg, und kein ernst zu nehmender Autor behauptet es. Was sie können, lässt sich psychologisch gut erklären, und es ist nicht wenig. Erstens Projektion: Ein mehrdeutiges Bild wird mit dem gefüllt, was Dich gerade beschäftigt, und so siehst Du in der Karte mit der Brücke heute den Streit mit der Kollegin und nächste Woche den Umzug. Zweitens die Frage: Wer eine Frage sauber formuliert und aufschreibt, hat die halbe Antwort schon, lange bevor die Karte liegt. Drittens der Perspektivwechsel: Eine zufällige Karte zwingt Dich, Dein Thema von einer Seite zu betrachten, die Du Dir nicht ausgesucht hättest, und genau das bringt Lösungen, auf die man beim Grübeln nicht kommt.

Dazu kommt der Barnum-Effekt: Sätze wie „Du trägst mehr, als andere sehen“ passen auf fast jeden, und man hält sie für treffend. Das ist kein Grund, Orakelkarten zu verachten, aber ein Grund, sie richtig zu benutzen: als Spiegel und als Gesprächsanlass, nicht als Entscheidungsinstanz. Keine Trennung, keine Kündigung, keine Diagnose und keine Aussage über einen Menschen, der nicht am Tisch sitzt, aufgrund einer Karte. Wer das beachtet, hat in Orakelkarten ein günstiges, schnelles und erstaunlich wirksames Werkzeug zur Selbstreflexion. Was Wahrsagen insgesamt kann und was nicht, steht im Beitrag über die Wahrsagerei.

Orakelkarten selber machen

Weil Orakelkarten kein System brauchen, kann jeder eigene machen, und für Workshops, Schulklassen oder eine Trauergruppe ist das oft besser als ein gekauftes Deck. Du brauchst 30 bis 44 Blankokarten aus dem Bastelladen, ein Thema (Gefühle, Stärken, Jahreszeiten, Erinnerungen an einen Menschen) und zu jeder Karte ein Wort oder ein Bild. Wichtig sind zwei Dinge: Jede Karte braucht eine Botschaft, die als Satz funktioniert, und die Karten sollten sich unterscheiden, damit das Ziehen etwas bedeutet. Ein gezeichnetes Deck mit 36 Stärken, das eine Familie gemeinsam gemacht hat, wird öfter benutzt als jedes Hochglanzdeck.

Fazit: Orakelkarten sind das freieste Kartenorakel, und das ist ihre Stärke

Orakelkarten sind Kartendecks ohne festes System: Jedes Deck bringt seine eigenen Bilder und Bedeutungen mit, und genau das macht sie leicht zugänglich. Sie unterscheiden sich vom Tarot mit seinen 78 Karten und vom Lenormand mit seinen 36 durch die fehlende Struktur, und sie antworten anders: nicht in Sätzen über das Was und Wann, sondern mit einem Bild, das Dich an etwas erinnert. Wer sie als Tageskarte oder zu dritt legt, erst das Bild und dann das Buch liest und die Antwort in einen eigenen Satz fasst, bekommt ein ehrliches Werkzeug zur Selbstreflexion. Wer konkrete Antworten auf konkrete Fragen sucht, nimmt dazu die Lenormandkarten, und beide vertragen sich ausgezeichnet.

Häufige Fragen zu Orakelkarten

Was sind Orakelkarten?

Kartendecks mit Bildern und Botschaften, bei denen jedes Deck seine eigene Kartenzahl, eigene Motive und eigene Bedeutungen hat. Anders als Tarot und Lenormand haben Orakelkarten kein gemeinsames System; Engelkarten, Krafttier-Orakel und Mond-Orakel sind typische Beispiele.

Tarot hat in jedem Deck denselben Aufbau mit 78 Karten, 22 Großen und 56 Kleinen Arkana, und wird über Positionen in einem Legesystem gelesen. Orakelkarten haben keinen festen Aufbau; Zahl und Bedeutung der Karten legt jedes Deck selbst fest.

Lenormandkarten sind immer 36 nummerierte Karten mit festen Alltagssymbolen, die über Kombinationen gelesen werden und konkrete Antworten geben. Orakelkarten sind frei gestaltet und geben Impulse statt Sätze. Im Handel werden Lenormandkarten trotzdem oft als „Lenormand Orakelkarten“ verkauft.

Frage aufschreiben, mischen, eine Karte für eine Tagesbotschaft oder drei Karten für eine Frage ziehen, zuerst das Bild anschauen, dann das Begleitbuch lesen, dann die Antwort in einem eigenen Satz zusammenfassen und notieren.

Ein Deck mit 33 bis 44 Karten, einem ausführlichen Begleitbuch in Deiner Sprache und einem Thema, das Dir liegt. Krafttierkarten und Affirmationskarten sind besonders leicht, weil die Botschaft auf der Karte steht. Mach vorher den 30-Sekunden-Test mit fünf Karten.

Nein. Das ist ein Aberglaube, der vom Tarot übernommen wurde und auch dort nicht stimmt. Kauf das Deck, das Dir gefällt; ein geschenktes Deck, das nicht zu Dir passt, bleibt im Schrank.

Nein. Orakelkarten zeigen, was Du in ein Bild hineinliest, und helfen, eine Frage klar zu stellen und ein Thema von einer neuen Seite zu sehen. Das ist Selbstreflexion, keine Vorhersage. Für Entscheidungen über Trennung, Job oder Gesundheit sind sie nicht gemacht.

So viele, wie der Autor wollte: meist zwischen 33 und 64, manche 44 oder 48, einige über 70. Es gibt keine Regel, und genau das unterscheidet Orakelkarten von Tarot (78) und Lenormand (36).

Meist nicht. Die meisten Begleitbücher kennen keine umgekehrten Bedeutungen; dreh die Karte einfach richtig herum. Wer umgekehrte Karten lesen will, nimmt das Tarot, wo das Tradition hat.

Ja. Auf Lenormand2Go ziehst Du kostenlos und ohne Anmeldung eine Krafttier-Karte, eine Lenormand-Tageskarte, drei Karten beim Orakel befragen oder beim Zukunftsorakel, eine Kipper-Tageskarte oder eine Ja-Nein-Karte, jeweils mit Deutung.

Ja, Engelkarten sind die bekannteste Art von Orakelkarten: Botschaften von Engeln, meist ermutigend, oft mit Affirmation. Beim Kauf auf Autor und Verlag achten, weil es viele Billigkopien mit schlechten Übersetzungen gibt.

Ja, leicht: 30 bis 44 Blankokarten, ein Thema, zu jeder Karte ein Wort oder Bild mit einer Botschaft, die als Satz funktioniert. Selbst gemachte Decks eignen sich gut für Workshops, Familien, Schulklassen und Trauergruppen.

Mehr zu Orakeln, Karten und Decks: Was ist ein Orakel?, Unterschied zwischen Tarot und Lenormand, Lenormand Karten kaufen, Kipperkarten und Krafttier finden. Alle Beiträge zu Orakeln und Hellsehen findest Du im Orakel-Bereich.

Bild von Damian Garrett

Damian Garrett

Legt seit 2005 die Lenormandkarten. Autor des Lenormand-Praxisbuchs und Entwickler eines eigenen Systems zur Deutung der Kartenkombinationen. Hauptberuflich in der psychologischen Lehre und Forschung. → Mehr über den Autor

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