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Lenormand verstehen statt auswendig lernen

Karma Bedeutung: Was Karma wirklich heißt, wie es wirkt und was die Psychologie sagt

Aquarell: Messingwaage, Stein mit Wasserringen in einer Schale, Kerze und Lotusblüte neben den Lenormandkarten Kreuz und Ring, Schriftzug „Karma – Ursache · Wirkung · Verantwortung“

Karma bedeutet wörtlich „Tat“ oder „Handlung“ (Sanskrit karman) und bezeichnet das Gesetz von Ursache und Wirkung: Alles, was Du denkst, sagst und tust, hinterlässt eine Spur, die früher oder später auf Dich zurückwirkt – in diesem Leben oder, nach hinduistischer und buddhistischer Lehre, im nächsten. Karma ist keine Strafe von oben und kein Schicksal, das Dir jemand zuteilt, sondern die Summe Deiner eigenen Handlungen. Gutes Karma entsteht aus Handlungen mit guter Absicht, schlechtes Karma aus Handlungen, die anderen schaden. Im Alltag ist „Das Karma kommt zurück“ die verkürzte Fassung davon.

Kaum ein Wort aus der indischen Philosophie ist so weit gewandert wie Karma: von den Veden über den Buddha bis in Songtexte, Jugendsprache und Reddit-Punkte. Unterwegs hat es seine Bedeutung mehrfach gewechselt. Dieser Beitrag erklärt, was Karma bedeutet und woher das Wort kommt, wie das Gesetz von Ursache und Wirkung im Hinduismus, Buddhismus und Jainismus verstanden wird, was gutes und schlechtes Karma sind, worin sich Karma von Schicksal unterscheidet, was „Karma regelt das“ in der Jugendsprache meint – und was die Psychologie über den Glauben an Karma herausgefunden hat.

Ich lege seit 2005 die Lenormandkarten und arbeite hauptberuflich in der psychologischen Lehre und Forschung. Karma begegnet mir in beiden Welten: in Fragen nach karmischen Beziehungen am Kartentisch und in der Forschung zum Glauben an eine gerechte Welt. Beides kommt hier zusammen – mit einem eigenen Abschnitt zu den Lenormandkarten, die Karma in einer Legung anzeigen.

Karma auf einen Blick

FrageKurz beantwortet
Was bedeutet Karma?Wörtlich „Tat, Handlung, Wirken“ (Sanskrit karman, Pali kamma); gemeint ist das Gesetz von Ursache und Wirkung für das eigene Handeln.
KernideeJede Handlung – in Gedanken, Worten und Taten – hat Folgen, die auf den Handelnden zurückfallen. Entscheidend ist die Absicht, nicht nur die Tat.
UrsprungIndien, Veden und Upanishaden (1. Jahrtausend v. Chr.); später Hinduismus, Buddhismus und Jainismus.
Gutes und schlechtes KarmaGutes Karma (punya): Handlungen aus Mitgefühl, Ehrlichkeit, Großzügigkeit. Schlechtes Karma (papa): Handlungen aus Gier, Hass und Verblendung.
Unterschied zu SchicksalSchicksal kommt von außen und ist unabänderlich. Karma erzeugst Du selbst – und kannst es durch neues Handeln verändern.
Alltagssprache„Das Karma kommt zurück“, „Karma regelt das“, „Instant Karma“ – meist als ausgleichende Gerechtigkeit verstanden.
PsychologieDer Glaube an Karma ähnelt dem Glauben an eine gerechte Welt: Er gibt Kontrolle und motiviert zu guten Taten – kann aber auch zu Schuldzuweisungen führen.
Als LenormandkarteDas Kreuz (Karte 36): Schicksal, Prüfung, Last – die Karte, die Kartenleger am häufigsten mit Karma verbinden.

Was bedeutet Karma? Die Bedeutung einfach erklärt

Karma ist ein Wort aus dem Sanskrit, der klassischen Sprache Indiens. Karman heißt „Tat“, „Handlung“ oder „Wirken“ und leitet sich von der Wurzel kṛ ab – „tun, machen“. Im Pali, der Sprache der ältesten buddhistischen Texte, heißt dasselbe Wort kamma. Wer fragt „Was heißt Karma auf Deutsch?“, bekommt also eine schlichte Antwort: Handlung. Alles Weitere ist Lehre darüber, was eine Handlung mit dem Handelnden macht.

Einfach erklärt heißt Karma: Was Du tust, kommt zu Dir zurück. Nicht, weil jemand Buch führt, sondern weil jede Handlung eine Wirkung hat, und diese Wirkung nicht nur die Welt verändert, sondern auch den, der handelt. Wer lügt, wird zu jemandem, der lügt – und lebt in einer Welt, in der ihm weniger geglaubt wird. Wer hilft, wird zu jemandem, der hilft – und lebt in einer Welt, in der ihm eher geholfen wird. Die indischen Traditionen dehnen diesen Gedanken über das einzelne Leben hinaus aus: Die Summe der Handlungen bestimmt, wie und als was ein Wesen wiedergeboren wird.

Drei Dinge sind dabei wichtig, weil sie im Alltagsgebrauch oft verloren gehen: Erstens zählt nicht nur die Tat, sondern die Absicht dahinter – der Buddha sagt ausdrücklich, dass er die Absicht Karma nennt. Zweitens entsteht Karma auf drei Ebenen: in Gedanken, in Worten und in Taten. Drittens ist Karma kein Urteil von außen. Es gibt in der ursprünglichen Lehre keinen Richter, der Strafen verhängt; die Wirkung folgt aus der Handlung so, wie die Ernte aus der Saat folgt.

Woher stammt das Wort Karma?

In den ältesten indischen Texten, den Veden (ab etwa 1500 v. Chr.), meint karman zunächst die rituelle Handlung: das korrekt ausgeführte Opfer, das eine bestimmte Wirkung hervorbringt. Die ethische Bedeutung, die wir heute kennen, taucht in den Upanishaden auf. In der Brihadaranyaka-Upanishad, meist ins 7. bis 6. Jahrhundert v. Chr. datiert, heißt es sinngemäß: Wie ein Mensch handelt und wie er sich verhält, so wird er – wer Gutes tut, wird gut, wer Schlechtes tut, wird schlecht. Dort ist Karma bereits mit der Wiedergeburt verknüpft: Die Taten eines Lebens bestimmen die Gestalt des nächsten.

Von Indien aus wanderte der Begriff mit dem Buddhismus nach Tibet, China, Japan und Südostasien und mit dem Hinduismus nach Bali und in die indische Diaspora. Nach Europa kam Karma im 19. Jahrhundert über Orientalisten, die Sanskrit-Texte übersetzten, und vor allem über die Theosophie, die ab 1875 Wiedergeburt und Karma zu Kernlehren einer westlichen Esoterik machte. Von dort führt eine gerade Linie zu New Age, Spiritualität und zu dem Karma, das heute in Popsongs und auf T-Shirts steht.

Gibt es ein anderes Wort für Karma?

Ein deutsches Wort, das Karma vollständig ersetzt, gibt es nicht – deshalb wurde es als Lehnwort übernommen. Je nachdem, welche Seite der Bedeutung gemeint ist, passen aber verschiedene Umschreibungen:

  • Ursache und Wirkung oder Gesetz von Ursache und Wirkung – die sachlichste Übersetzung des Prinzips.
  • Tat, Handlung, Wirken – die wörtliche Bedeutung des Sanskrit-Worts.
  • Saat und Ernte – das Bild, das auch die Bibel verwendet: „Was der Mensch sät, das wird er ernten“ (Galater 6,7).
  • Ausgleichende Gerechtigkeit – so wird Karma im Alltag meist verstanden, auch wenn die indischen Lehren keinen Richter kennen.
  • Schicksal oder Bestimmung – gebräuchlich, aber ungenau, weil Schicksal von außen kommt und Karma selbst erzeugt wird (dazu unten mehr).
  • Vergeltung – trifft nur die halbe Wahrheit, weil gutes Karma genauso dazugehört wie schlechtes.

Das Gesetz des Karma: Ursache und Wirkung

Das Gesetz des Karmas – auch Gesetz von Karma oder Gesetz von Ursache und Wirkung genannt – lässt sich in einem Satz fassen: Jede Handlung erzeugt eine Wirkung, die der Handlung entspricht und zu ihrem Urheber zurückkehrt. Es ist ein Gesetz von Handlungen und ihren Folgen – das klingt nach Physik, ist aber Ethik. Die Kausalität, von der die Naturwissenschaft spricht, kennt kein Gut und Böse; das Karma-Gesetz behauptet, dass die moralische Qualität einer Handlung eine moralisch entsprechende Wirkung nach sich zieht – Großzügigkeit Fülle, Grausamkeit Leid.

Zwei Eigenschaften machen dieses Gesetz so schwer zu widerlegen und so leicht zu missbrauchen. Erstens die Zeitverzögerung: Die Wirkung, die frühere Handlungen hinterlassen, muss nicht sofort eintreten, sie kann Jahre oder – in der Lehre von der Wiedergeburt – Leben später kommen. Zweitens die Umkehrung: Wenn jede Wirkung eine Ursache im eigenen Handeln hat, dann lässt sich jedes Leid als verdient lesen. Genau an dieser Stelle setzt die Kritik an, die im Abschnitt zur Psychologie ausführlicher zur Sprache kommt.

Die hinduistische Philosophie unterscheidet drei Arten von Karma, die zusammen erklären, warum ein Leben so aussieht, wie es aussieht:

ArtSanskritBedeutung
Angesammeltes KarmasanchitaDer gesamte Vorrat an Wirkungen aus früheren Handlungen und vergangenen Leben, der noch nicht gereift ist.
Begonnenes KarmaprarabdhaDer Teil davon, der in diesem Leben zur Wirkung kommt – Geburt, Familie, Körper, die großen Lebensumstände.
Entstehendes Karmaagami oder kriyamanaWas Du jetzt, in diesem Leben, durch neue Handlungen erzeugst – der einzige Teil, den Du gegenwärtig in der Hand hast.

Diese Dreiteilung ist für das Verständnis wichtiger als jede Liste von „Karma-Gesetzen“: Sie erklärt, warum Karma kein Fatalismus ist. Was gereift ist, musst Du tragen; was Du heute säst, entscheidest Du. Und sie erklärt, warum die Traditionen so viel Gewicht auf das bewusste Handeln im Hier und Jetzt legen – es ist der Teil des Gesetzes, der offen ist.

Was Karma istWas Karma nicht ist
Ein Prinzip: Handlungen haben Folgen, die zum Handelnden zurückkehren.Eine Person oder Instanz, die belohnt und bestraft.
Selbst erzeugt – durch Gedanken, Worte und Taten.Von außen zugeteilt wie ein Schicksal oder ein Fluch.
Veränderbar: Neues Handeln erzeugt neues Karma.Ein festes Konto, das man nur abtragen, aber nicht beeinflussen kann.
Abhängig von der Absicht hinter der Handlung.Eine mechanische Rechnung, bei der nur das Ergebnis zählt.
Ein Konzept der Ethik und der religiösen Lehre.Ein Naturgesetz, das sich messen oder beweisen ließe.

Karma im Hinduismus, Buddhismus und Jainismus

Die drei großen indischen Religionen teilen das Karma-Prinzip, legen es aber unterschiedlich aus. Die Unterschiede sind nicht akademisch – sie entscheiden darüber, was ein Mensch tun soll, um sein Karma zu verbessern, und ob es überhaupt ein „Ich“ gibt, das Karma trägt.

Karma im Hinduismus

Im Hinduismus ist Karma untrennbar mit Samsara verbunden, dem Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt. Die Seele (atman) durchwandert viele Leben; die Summe ihrer Handlungen entscheidet, in welche Lebensumstände sie in diesem und in zukünftigen Leben hineingeboren wird. Ziel ist Moksha, die Befreiung aus diesem Kreislauf. Dazu gehört Dharma, die Pflicht und rechte Ordnung, die jedem Menschen nach seinem Platz im Leben zukommt: Wer seinem Dharma folgt, erzeugt gutes Karma.

Die berühmteste Stelle zum Karma steht in der Bhagavad Gita (etwa 2. Jahrhundert v. Chr. bis 2. Jahrhundert n. Chr.). Krishna lehrt dort den zweifelnden Krieger Arjuna den Karma-Yoga, den Weg des Handelns: „Dein Anspruch gilt allein dem Handeln, niemals seinen Früchten.“ Gemeint ist, zu handeln, ohne am Ergebnis zu hängen – nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil die Anhaftung an die Frucht neues Karma erzeugt, das bindet. Wer tut, was zu tun ist, und das Ergebnis loslässt, handelt frei.

Karma im Buddhismus

Der Buddhismus übernimmt Karma und Wiedergeburt, verschiebt aber den Schwerpunkt auf die Absicht. In der Lehrrede Anguttara Nikaya 6.63 sagt der Buddha: „Die Absicht, ihr Mönche, nenne ich Karma. Nachdem man eine Absicht gefasst hat, handelt man – mit dem Körper, mit der Rede, mit dem Geist.“ Karma im Buddhismus ist also eine bewusste Handlung – zuerst ein geistiger Akt (cetana), dann seine physische Fortsetzung in Wort und Tat. Eine unabsichtliche Handlung erzeugt kaum Karma, eine böse Absicht ohne Tat sehr wohl.

Zweitens kennt der Buddhismus kein unveränderliches Selbst, das von Leben zu Leben wandert. Was weitergeht, ist der Strom der Handlungen und ihrer Wirkungen – ein Bild dafür ist die Flamme, die eine andere Kerze entzündet. Drittens wird Karma hier zur Grundlage einer Praxis: Rechtes Handeln, Achtsamkeit und Mitgefühl erzeugen heilsames Karma; Gier, Hass und Verblendung erzeugen unheilsames. Das Ziel bleibt die Befreiung – Nirvana, das Erlöschen des Kreislaufs von Tod und Wiedergeburt. Für Menschen, die den Buddhismus im Alltag praktizieren, haben buddhistische Lehrer eine einfache Prüffrage: Fördert diese Handlung Mitgefühl – oder Leid?

Karma im Jainismus

Der Jainismus, etwa zeitgleich mit dem Buddhismus entstanden, versteht Karma am wörtlichsten: als feinstoffliche Materie, die sich durch Handlungen an die Seele heftet und sie beschwert. Jede Gewalt – auch gegen Tiere und kleinste Lebewesen – bindet Karma; deshalb ist Ahimsa, das Prinzip der Gewaltlosigkeit, im Jainismus so radikal ausgeprägt. Befreiung heißt, die Seele von aller Karma-Materie zu reinigen, bis sie in ihrer ursprünglichen Reinheit aufsteigt.

HinduismusBuddhismusJainismus
Was ist Karma?Handlung und ihre Frucht, die der Seele anhaftetVor allem die Absicht (cetana) hinter der HandlungFeinstoffliche Materie, die die Seele bindet
Wer trägt es?Die unsterbliche Seele (atman)Kein festes Selbst – ein Strom von Ursachen und WirkungenDie individuelle Seele (jiva)
Weg zum guten KarmaDharma erfüllen, Karma-Yoga: handeln ohne AnhaftungRechtes Handeln, Achtsamkeit, MitgefühlGewaltlosigkeit, Askese, Reinigung
ZielMoksha – Befreiung aus SamsaraNirvana – Erlöschen des KreislaufsMoksha – Aufstieg der gereinigten Seele

Gutes Karma und schlechtes Karma: Was ist damit gemeint?

Die indischen Traditionen sprechen von punya (Verdienst, gutes Karma) und papa (Verfehlung, schlechtes Karma). Gutes Karma zu haben heißt nicht, Glück gehabt zu haben, sondern Handlungen angesammelt zu haben, die aus heilsamen Motiven kamen: Großzügigkeit, Mitgefühl, Ehrlichkeit, Geduld. Schlechtes Karma entsteht aus den drei „Geistesgiften“ des Buddhismus – Gier, Hass und Verblendung – und aus den Handlungen, die daraus folgen: anderen schaden, lügen, nehmen, was einem nicht gehört.

Was das im Alltag bedeutet, zeigt eine Gegenüberstellung – mit dem Hinweis, dass in allen Traditionen die Absicht den Ausschlag gibt. Wer spendet, um gesehen zu werden, sammelt weniger Verdienst als jemand, der still hilft; wer aus Unachtsamkeit schadet, trägt weniger als jemand, der es wollte.

HandlungKarmische Wirkung (nach der Lehre)Nüchtern betrachtet
Großzügig geben, ohne Gegenleistung zu erwartenGutes Karma: Fülle, Vertrauen, Unterstützung kehren zurückGroßzügige Menschen haben stabilere Netzwerke und werden häufiger unterstützt
Ehrlich bleiben, auch wenn es kostetGutes Karma: Glaubwürdigkeit und innere RuheEin Ruf für Ehrlichkeit ist ein messbarer sozialer Vorteil
Mitgefühl zeigen, VerzeihenGutes Karma: Befreiung von Groll, heilsame BeziehungenGroll belastet nachweislich den, der ihn trägt, mehr als den anderen
Lügen, täuschen, betrügenSchlechtes Karma: Misstrauen, Verlust, IsolationTäuschung fliegt oft auf und kostet Beziehungen, selbst wenn sie nicht auffliegt, kostet sie Energie
Verletzen aus Hass oder NeidSchlechtes Karma: Leid, das zurückkehrtFeindseligkeit erzeugt Gegenfeindseligkeit – der älteste Kreislauf der Welt
Wegsehen, wenn Hilfe möglich wäreUnterlassen erzeugt ebenfalls Karma – schwächer, aber realWer nie hilft, wird selten gefragt und selten geholfen

Kann man schlechtes Karma auflösen?

Ja – jedenfalls in dem Sinn, in dem die Traditionen es meinen. Schlechtes Karma „auflösen“ heißt nicht, alte Wirkungen ungeschehen zu machen; was gereift ist, kommt. Es heißt, dem Vorrat kein neues schlechtes Karma hinzuzufügen und ihn mit gutem zu überlagern. Die klassischen Wege sind die gleichen in allen drei Religionen: die eigene Verfehlung erkennen und anerkennen, Wiedergutmachung leisten, wo sie möglich ist, die Handlung nicht wiederholen und sich bewusst heilsamen Handlungen zuwenden – Großzügigkeit, Mitgefühl, Wahrhaftigkeit. In der westlichen Esoterik kommen Rituale, Rückführungen und „Karma-Reinigungen“ hinzu; die alten Texte kennen sie nicht. Dort ist der Weg unspektakulär: anders handeln, lange genug.

Wie bekommt man gutes Karma?

Die ehrliche Antwort lautet: indem man es nicht darauf anlegt. Wer Gutes tut, um Karma-Punkte zu sammeln, handelt aus Kalkül – und Kalkül ist in keiner Tradition eine heilsame Absicht. Trotzdem gibt es Handlungen, die in allen Lehren als karmisch heilsam gelten und die zugleich das Leben spürbar besser machen:

  • Geben, ohne es zu verbuchen – Zeit, Aufmerksamkeit, Geld, je nach dem, was Du hast.
  • Die Wahrheit sagen, auch wenn eine Lüge bequemer wäre.
  • Verzeihen, bevor der andere darum bittet – nicht für ihn, sondern für Dich.
  • Keinem Lebewesen unnötig schaden; im Jainismus die erste, im Buddhismus eine der fünf Grundregeln.
  • Dankbar sein für das, was ist – die Haltung, aus der Großzügigkeit überhaupt erst entsteht.
  • Die eigene Absicht prüfen, bevor Du handelst: Will ich helfen – oder will ich recht haben?
  • Nach einem Fehler nicht in Schuld versinken, sondern wiedergutmachen und weitergehen.
  • Handeln und das Ergebnis loslassen – der Karma-Yoga der Bhagavad Gita.

Karma oder Schicksal: Was ist der Unterschied?

Karma und Schicksal werden im Alltag oft gleichgesetzt, meinen aber fast das Gegenteil. Schicksal (lateinisch fatum, „das Gesprochene“) ist in der europäischen Tradition eine Macht, die von außen über den Menschen verfügt: die Moiren der Griechen, die Nornen der Germanen, die Vorsehung des Christentums. Es ist unabänderlich und unverdient – der Held der griechischen Tragödie kann sein Schicksal nicht abwenden, gerade weil er es versucht.

Karma dagegen ist selbst gemacht. Was Dir widerfährt, ist nach dieser Lehre nicht zugeteilt, sondern erwirkt – durch Dein eigenes früheres Handeln. Und weil es selbst gemacht ist, ist es veränderbar: Neues Handeln erzeugt neues Karma. Das macht Karma zu einem Konzept der Verantwortung, nicht der Ergebung. Wer sagt „Das ist mein Karma“ und damit meint „Da kann man nichts machen“, hat das Wort in sein Gegenteil verkehrt.

KarmaSchicksalZufall
Woher kommt es?Aus den eigenen HandlungenVon außen – Götter, Vorsehung, BestimmungVon nirgendwo – ohne Ursache, die mit Dir zu tun hat
Veränderbar?Ja, durch neues HandelnNein – es ist festgelegtNein, aber auch nicht gegen Dich gerichtet
Gerecht?Ja, der Lehre nach: Wirkung entspricht UrsacheNicht notwendig – oft blind oder willkürlichWeder gerecht noch ungerecht
Haltung dazuVerantwortung, bewusstes HandelnAnnahme, Ergebung, DemutGelassenheit, Wahrscheinlichkeit
LenormandkarteKreuz als Prüfung, Sense als ErnteKreuz als Last, Anker als FestgelegtesKlee als Glücksfall, Wolken als Ungewisses

„Das Karma kommt zurück“, „Karma regelt das“: Karma in der Alltagssprache

Im Deutschen ist Karma längst ein Alltagswort – und meint dort fast immer dasselbe: ausgleichende Gerechtigkeit, die ohne eigenes Zutun eintritt. „Das Karma kommt zurück“ sagt man, wenn jemand, der sich schlecht verhalten hat, selbst Pech hat. „Karma regelt das“ heißt: Ich muss mich nicht rächen, das Leben erledigt das für mich. „Instant Karma“, nach John Lennons Song von 1970, ist die Wirkung, die sofort folgt – der Drängler, der an der nächsten Ampel neben einem steht. Und in der Jugendsprache ist Karma oft ein Ausruf der Genugtuung, meist mit dem Zusatz, dass Karma hart zuschlägt.

Zwei Dinge gehen in dieser Verkürzung verloren. Erstens das gute Karma: Im Alltag ist Karma fast immer Strafe, in der Lehre ist es genauso Verdienst. Zweitens die eigene Rolle: „Karma regelt das“ richtet den Blick auf die Vergeltung für andere – das Karma-Gesetz richtet ihn auf die eigenen Handlungen. Wer Karma ernst nimmt, fragt nicht, wann es den anderen trifft, sondern was er selbst gerade sät.

Eine Nebenbedeutung hat das Internet hinzugefügt: Auf Reddit ist Karma die Punktzahl aus Hoch- und Herabstufungen der eigenen Beiträge – ein Ruf-Konto, das immerhin eine Seite des alten Prinzips bewahrt, nämlich dass man erntet, was man beigetragen hat. Und die „12 Gesetze des Karma“, die in vielen Ratgebern kursieren (Gesetz der Schöpfung, der Demut, des Wachstums und so weiter), stammen aus keiner heiligen Schrift; sie sind eine Erfindung des Internets aus den 2000er-Jahren. Als Lebensweisheiten taugen manche, als Lehre über Karma sind sie ohne Quelle.

Karma im Westen: Theosophie, Wiedergeburt und karmische Beziehungen

Dass Karma heute auch in Deutschland ein Begriff ist, verdankt es vor allem der Theosophischen Gesellschaft, die Helena Blavatsky 1875 in New York gründete. Sie machte Karma und Reinkarnation zu Grundpfeilern einer westlichen Esoterik, von der aus sie in die Anthroposophie, später in die New-Age-Bewegung und schließlich in die heutige Spiritualität wanderten. Dabei verschob sich die Bedeutung erneut: Aus dem nüchternen Gesetz von Ursache und Wirkung wurde eine Lernaufgabe der Seele; in der New-Age-Strömung wird Karma zudem gern als positive Energie beschrieben, die man ansammelt, oder als etwas Mystisches, das über dem Leben hängt. Karma ist in dieser Lesart kein Konto, sondern ein Lehrplan: Jedes Leben bringt Lektionen mit, die aus früheren Leben offen geblieben sind.

Aus dieser Idee stammen die Begriffe, die am Kartentisch am häufigsten fallen: die karmische Beziehung – eine Verbindung, die zwei Menschen aus einem früheren Leben mitbringen, um etwas Unerledigtes zu Ende zu bringen –, die Dualseele und die Seelenverwandtschaft. Ob man daran glaubt oder nicht: Als Beschreibung eines Beziehungsmusters, das sich wiederholt, bis man es erkennt, ist die karmische Beziehung erstaunlich treffend – deshalb hat sie einen eigenen Beitrag bekommen.

Wie verbreitet der Glaube an Wiedergeburt im Westen ist, hat das Pew Research Center schon 2009 für die USA gemessen: 24 Prozent der Amerikaner glaubten an Reinkarnation – darunter auch viele, die sich als Christen bezeichnen. Karma ist damit kein Randthema, sondern Teil dessen, was viele Menschen glauben, ohne es religiös zu nennen.

Was sagt die Psychologie zum Glauben an Karma?

Die Psychologie kann nicht prüfen, ob Karma existiert – über Wiedergeburt und kosmische Gerechtigkeit sagt sie nichts. Sie kann aber untersuchen, was der Glaube an Karma mit Menschen macht. Und da ist das Bild erstaunlich klar: Er wirkt, in beide Richtungen.

Der Glaube an eine gerechte Welt

Der Sozialpsychologe Melvin Lerner beschrieb in den 1960er-Jahren den Glauben an eine gerechte Welt: die tief sitzende Überzeugung, dass Menschen im Großen und Ganzen bekommen, was sie verdienen, und verdienen, was sie bekommen. Dieser Glaube ist nützlich – er lässt uns langfristig planen, Mühen auf sich nehmen und darauf vertrauen, dass Anstrengung sich lohnt. Karma ist seine spirituelle Form: Die Welt ist gerecht, weil jede Handlung ihre Wirkung findet.

Lerners berühmtestes Experiment zeigte aber auch die Schattenseite: Versuchspersonen, die zusehen mussten, wie eine andere Person scheinbar Stromschläge bekam, und nichts dagegen tun konnten, werteten diese Person ab – sie musste es irgendwie verdient haben. Wenn Leid nicht zu verhindern ist, rettet der Verstand die gerechte Welt, indem er dem Opfer die Schuld gibt. Genau dieser Mechanismus steckt in Sätzen wie „Das ist sein Karma“ über jemanden, der krank wird oder einen Unfall hat. Die alten Lehren haben das nie behauptet – die Zeitverzögerung über Leben hinweg macht Karma gerade nicht zu einer Erklärung für ein einzelnes Unglück.

Immanente Gerechtigkeit: Warum wir Zusammenhänge sehen, wo keine sind

Jean Piaget beobachtete bereits in den 1930er-Jahren, dass Kinder an „immanente Gerechtigkeit“ glauben: Wenn jemand etwas Verbotenes getan hat und danach über eine Brücke geht, die einstürzt, dann ist die Brücke nach Ansicht vieler Kinder deshalb eingestürzt. Mitchell Callan und Kollegen zeigten 2006, dass Erwachsene das nicht ablegen: Ein Unfall wurde als verdienter beurteilt, wenn die Person zuvor etwas Schlechtes getan hatte – obwohl zwischen beidem kein Zusammenhang bestand. Unser Denken verbindet moralische Ursache und zufällige Wirkung von selbst. Das Karma-Gesetz gibt dieser Neigung einen Namen und eine Erlaubnis.

Karma-Investition: Wie der Glaube gutes Verhalten erzeugt

Die interessanteste Studie stammt von Benjamin Converse, Jane Risen und Travis Carter (Psychological Science, 2012). Sie ließen Menschen an ein Ergebnis denken, das sie sich wünschten, aber nicht beeinflussen konnten – den Ausgang einer Bewerbung, ein medizinisches Resultat. Danach spendeten diese Menschen mehr und erklärten sich häufiger bereit, ehrenamtlich zu helfen, als Vergleichspersonen. Die Forscher nannten das „in Karma investieren“: Wer auf etwas wartet, das er nicht kontrollieren kann, tut Gutes – in der stillen Hoffnung, das Universum möge es ausgleichen. Das Verhalten ist irrational und zugleich sozial nützlich. Es ist, nüchtern gesehen, der beste Grund, warum Karma als Idee so lange überlebt hat.

Reziprozität: Der Kern, der wirklich funktioniert

Ein Teil des Karma-Gesetzes braucht gar keinen Glauben, weil er in jeder Gruppe von Menschen messbar ist: indirekte Reziprozität. Martin Nowak und Karl Sigmund zeigten 1998 in Modellen, dass Kooperation in großen Gruppen dann stabil bleibt, wenn Menschen einen Ruf haben – wenn also beobachtet wird, wer hilft und wer nicht, und Hilfe demjenigen zufließt, der selbst geholfen hat. „Was Du gibst, kommt zurück“ ist in diesem Rahmen keine Mystik, sondern Spieltheorie: Dein Verhalten verändert, wie andere sich Dir gegenüber verhalten. Das erklärt, warum Menschen, die nach karmischen Grundsätzen leben, häufig tatsächlich die Erfahrung machen, dass es „zurückkommt“ – nicht aus dem Kosmos, sondern aus ihrem Umfeld.

Kontrolle und Verantwortung

Schließlich berührt Karma eine Größe, die die Psychologie seit Julian Rotter (1966) als Kontrollüberzeugung kennt: Erlebe ich mein Leben als Ergebnis meines eigenen Handelns oder als Ergebnis äußerer Mächte? Eine innere Kontrollüberzeugung hängt mit besserer Gesundheit, mehr Durchhaltevermögen und weniger Hilflosigkeit zusammen. Richtig verstanden, stärkt Karma diese Haltung – Du bist der Urheber Deiner Lage. Falsch verstanden, kippt es ins Gegenteil – Karma wird zur Buchhaltung über vergangene Handlungen, die niemand einsehen kann: Wer glaubt, sein Leid sei die Rechnung für vergangene Taten aus einem früheren Leben, hat jede Kontrolle an etwas abgegeben, das er weder kennt noch ändern kann. Der Unterschied liegt in einem Wort: Verantwortung ist nicht Schuld. Verantwortung schaut nach vorn, Schuld nach hinten.

Behauptung über KarmaWas die Forschung dazu sagt
„Das Universum gleicht alles aus.“Nicht prüfbar. Der Glaube daran ist ein Fall des Glaubens an eine gerechte Welt (Lerner) – nützlich für die Motivation, riskant im Urteil über andere.
„Wer leidet, hat es verdient.“Ein Denkfehler, nicht die Lehre: immanente Gerechtigkeit (Piaget; Callan u. a. 2006). Die alten Texte erklären kein einzelnes Unglück.
„Gutes tun zahlt sich aus.“Innerhalb von Gruppen belegt: indirekte Reziprozität (Nowak & Sigmund 1998). Der Ruf, der aus Deinem Handeln entsteht, kommt zurück.
„Karma macht Menschen besser.“Teilweise: Wer auf ein unkontrollierbares Ergebnis wartet, hilft mehr (Converse u. a. 2012). Der Glaube erzeugt reale gute Taten.
„Alles ist Karma, man kann nichts tun.“Das Gegenteil der Lehre und psychologisch schädlich: äußere Kontrollüberzeugung, Hilflosigkeit. Karma meint Verantwortung, nicht Ergebung.

Karma im Alltag: fünf Fragen statt zwölf Gesetze

Wenn man die Lehre vom Karma auf das zusammenzieht, was alle Traditionen teilen und was die Psychologie stützt, bleiben fünf Fragen übrig. Sie brauchen keinen Glauben an Wiedergeburt – sie funktionieren auch für jemanden, der Karma nur als Beschreibung dafür nimmt, wie Handeln auf den Handelnden zurückwirkt.

  1. Was ist meine Absicht? – Bevor Du handelst, einen Atemzug lang prüfen, warum Du es tust. Die Absicht entscheidet in allen Lehren über die karmische Qualität; psychologisch verhindert die Pause das Handeln aus Affekt.
  2. Was säe ich gerade? – Nicht: Was kommt auf den anderen zurück? Sondern: Was wird aus mir, wenn ich das jetzt tue – und wiederhole?
  3. Was kann ich wiedergutmachen? – Altes Karma lässt sich nicht löschen, aber neues erzeugen. Eine Entschuldigung, eine Reparatur, eine unterlassene Hilfe nachholen.
  4. Was ist meins – und was nicht? – Das Leid anderer ist nicht ihre Rechnung. Wer „Das ist sein Karma“ denkt, hat die gerechte Welt gerettet und das Mitgefühl verloren.
  5. Kann ich das Ergebnis loslassen? – Der Karma-Yoga der Gita: tun, was zu tun ist, und die Frucht nicht festhalten. Es ist die Haltung, die auch gegen die ständige Rechnung „Habe ich genug gutes Karma?“ hilft.

Wer diese Fragen regelmäßig stellen will, kann sie mit einer Karte des Tages verbinden – mehr dazu im nächsten Abschnitt. Und wer das Prinzip „Was Du denkst, wird wahr“ aus der Manifestations-Szene kennt: Es ist eine moderne Verwandte des Karma-Gedankens, allerdings mit anderem Fokus – im Beitrag Manifestieren steht, was davon die Psychologie bestätigt und was nicht.

Karma in den Lenormandkarten

Die Lenormandkarten stammen aus dem Europa des 19. Jahrhunderts, lange bevor Karma hier ein Alltagswort war – ein „Karma“ als Kartenbild gibt es deshalb nicht. Trotzdem haben Kartenleger seit der Theosophie einzelne Karten mit dem Prinzip verbunden, allen voran das Kreuz: Es steht für Schicksal, Prüfung und Last, für das, was getragen werden muss – und in der karmischen Lesart für die Lektion, die ein Mensch mitbringt. Daneben tauchen in Karma-Fragen regelmäßig dieselben Karten auf:

LenormandkarteKarmische DeutungKombinationen
Kreuz (36)Karma selbst: Prüfung, Lektion, Last, Schicksal – das Thema, das sich wiederholt, bis es verstanden istKreuz + Ring: karmische Bindung · Kreuz + Buch: eine Lektion, die noch nicht erkannt ist
Sense (10)Die Ernte: Wirkung einer früheren Handlung tritt plötzlich ein – gut oder schlechtSense + Sonne: späte Belohnung · Sense + Mäuse: eine alte Nachlässigkeit fordert ihren Preis
Ring (25)Der Kreislauf, die Wiederholung, die Bindung – Samsara im KleinenRing + Kreuz: karmische Beziehung · Ring + Schlange: Verstrickung, die sich wiederholt
Schlange (7)Verstrickung, Umweg, die Folgen einer Täuschung – oft das eigene schlechte KarmaSchlange + Kreuz: alte Schuld · Schlange + Buch: ein Muster, das noch verborgen ist
Buch (26)Die Lektion, das Geheimnis, das Wissen, das noch fehltBuch + Kreuz: karmische Aufgabe · Buch + Schlüssel: die Lektion wird verstanden
Wege (22)Der freie Wille: die Entscheidung, die neues Karma erzeugtWege + Sonne: eine gute Wahl · Wege + Kreuz: die Entscheidung ist schwer, aber nötig
Störche (17)Wandel, Wiedergeburt im übertragenen Sinn – ein Kreislauf endet, ein neuer beginntStörche + Kreuz: ein karmisches Thema ist abgeschlossen
Sonne (31)Gutes Karma, das reift: Gelingen, Wärme, LohnSonne + Sense: Ernte · Sonne + Ring: eine Bindung, die trägt
Mäuse (23)Schlechtes Karma als schleichender Schwund: etwas nagt, weil etwas versäumt wurdeMäuse + Kreuz: eine Last, die an den Kräften zehrt

Die Karma-Legung: Ursache, Wirkung, Lektion

Für Fragen nach Mustern, die sich wiederholen, nutze ich eine einfache Legung mit drei Karten, die dem Karma-Gedanken folgt: Die erste Karte steht für die Ursache – was Du in diese Lage hineingetragen hast. Die zweite für die Wirkung – wie es sich jetzt zeigt. Die dritte für die Lektion – was verstanden oder anders gemacht werden will, damit sich das Muster nicht wiederholt. Liegt dabei das Kreuz, ist das Thema größer als die aktuelle Situation; liegen die Wege, hast Du mehr Spielraum, als es sich anfühlt.

Du kannst dafür die 3-Karten-Legung auf dieser Seite nutzen und die drei Positionen in dieser Reihenfolge lesen, oder Du beginnst kleiner: mit einer Tageskarte, die Du morgens mit der Frage ziehst „Was säe ich heute?“. Was eine Legung dabei leisten kann und was nicht, steht in Warum Kartenlegen wirkt – kurz gesagt: Die Karten kennen Dein Karma nicht, aber sie zwingen Dich, es in Worte zu fassen. Alle Kombinationen findest Du im Kombinationen-Verzeichnis.

Fazit: Karma ist Verantwortung, nicht Vergeltung

Karma bedeutet Handlung – und die Lehre, dass Handlungen auf den Handelnden zurückwirken. Im Hinduismus bindet es die Seele an den Kreislauf der Wiedergeburten, im Buddhismus ist es zuerst die Absicht, im Jainismus feine Materie an der Seele. Im Westen wurde daraus eine Lernaufgabe, im Alltag eine ausgleichende Gerechtigkeit, die anderen ihre Strafe bringt. Die Psychologie zeigt, dass der Glaube daran Menschen großzügiger macht und zugleich dazu verführt, Leidenden die Schuld zu geben.

Was von allem bleibt, wenn man es auf den Kern reduziert: Prüfe Deine Absicht, handle so, dass Du mit dem Menschen leben kannst, der daraus wird, mach wieder gut, was Du wiedergutmachen kannst, und lass das Ergebnis los. Das ist Karma ohne Buchhaltung – und es funktioniert auch für Menschen, die an keine Wiedergeburt glauben. Wie das Prinzip in der Liebe aussieht, erklärt der Beitrag zur karmischen Beziehung; wo Karma zwischen Esoterik und Spiritualität steht, der Vergleich der beiden Begriffe.

Häufige Fragen zur Bedeutung von Karma

Was bedeutet Karma einfach erklärt?

Karma bedeutet „Tat“ oder „Handlung“ und meint das Gesetz von Ursache und Wirkung: Alles, was Du denkst, sagst und tust, hat Folgen, die auf Dich zurückkommen – gute Handlungen bringen Gutes, schädliche Handlungen bringen Leid. Es ist keine Strafe von außen, sondern die Wirkung Deines eigenen Handelns, nach indischer Lehre auch über dieses Leben hinaus.

Karma ist Sanskrit (karman) und heißt wörtlich „Tat“, „Handlung“ oder „Wirken“, von der Wurzel kṛ – „tun, machen“. Im Pali der buddhistischen Texte heißt es kamma. Als Prinzip übersetzt man es am besten mit „Gesetz von Ursache und Wirkung“.

Das Gesetz des Karma besagt, dass jede Handlung eine Wirkung erzeugt, die ihr moralisch entspricht und zu ihrem Urheber zurückkehrt – nicht unbedingt sofort, sondern verzögert, in diesem oder einem späteren Leben. Die hinduistische Philosophie unterscheidet angesammeltes Karma (sanchita), das in diesem Leben reifende (prarabdha) und das, was Du jetzt neu erzeugst (agami). Die sogenannten „12 Gesetze des Karma“ aus dem Internet stammen aus keiner heiligen Schrift.

Schicksal kommt von außen, ist unverdient und unabänderlich – eine Macht, die über den Menschen verfügt. Karma ist selbst erzeugt: Was Dir widerfährt, geht nach dieser Lehre auf Dein eigenes früheres Handeln zurück, und deshalb kannst Du es durch neues Handeln verändern. Karma ist ein Konzept der Verantwortung, Schicksal eines der Ergebung.

Ein vollständiges deutsches Ersatzwort gibt es nicht. Je nach Bedeutung passen „Gesetz von Ursache und Wirkung“, „Tat“ oder „Handlung“ (wörtlich), „Saat und Ernte“ (biblisch: „Was der Mensch sät, das wird er ernten“), „ausgleichende Gerechtigkeit“ (Alltag) oder – ungenau – „Schicksal“ und „Bestimmung“.

Der Satz meint, dass sich das Verhalten eines Menschen früher oder später gegen ihn selbst wendet: Wer anderen schadet, erlebt selbst Schaden – ohne dass man sich rächen müsste. Es ist die Alltagsfassung des Karma-Gesetzes, verkürzt auf die Strafe. In der ursprünglichen Lehre kommt gutes Karma genauso zurück wie schlechtes, und der Blick richtet sich auf das eigene Handeln, nicht auf die Vergeltung für andere.

Im Buddhismus ist Karma vor allem die Absicht (cetana) hinter einer Handlung: „Die Absicht, ihr Mönche, nenne ich Karma“, sagt der Buddha. Karma entsteht durch Körper, Rede und Geist, bindet an den Kreislauf von Tod und Wiedergeburt und wird durch rechtes Handeln, Achtsamkeit und Mitgefühl heilsam. Ein unveränderliches Selbst, das Karma trägt, gibt es im Buddhismus nicht – weitergegeben wird der Strom der Handlungen und Wirkungen.

Im Hinduismus bindet Karma die Seele (atman) an Samsara, den Kreislauf der Wiedergeburten: Die Summe der Handlungen bestimmt die Umstände des nächsten Lebens. Gutes Karma entsteht, wenn man seinem Dharma – seiner Pflicht und rechten Ordnung – folgt. Die Bhagavad Gita lehrt den Karma-Yoga: handeln, ohne an den Früchten zu hängen. Ziel ist Moksha, die Befreiung aus dem Kreislauf.

Schlechtes Karma (papa) entsteht aus Handlungen, die aus Gier, Hass oder Verblendung kommen und anderen schaden – auch aus Gedanken und Worten. Auflösen lässt es sich nicht rückwirkend, aber überlagern: die Verfehlung erkennen, wiedergutmachen, nicht wiederholen und sich heilsamen Handlungen zuwenden. Rituale und „Karma-Reinigungen“ stammen aus der westlichen Esoterik; die alten Texte kennen nur den Weg über anderes Handeln.

Durch Handlungen aus heilsamer Absicht: geben ohne Gegenleistung, ehrlich bleiben, verzeihen, keinem Lebewesen unnötig schaden, dankbar sein und das Ergebnis des eigenen Handelns loslassen. Wer Gutes tut, um Karma-Punkte zu sammeln, handelt aus Kalkül – und Kalkül gilt in keiner Tradition als gute Absicht. Psychologisch belegt ist, dass solche Handlungen über den eigenen Ruf tatsächlich zurückkommen.

In der Jugendsprache ist Karma ein Ausruf der Genugtuung, wenn jemandem, der sich schlecht verhalten hat, selbst etwas Unangenehmes passiert – oft mit Zusätzen wie „Karma regelt das“ oder „Instant Karma“ für Wirkungen, die sofort eintreten. Auf Reddit bezeichnet Karma zusätzlich die Punktzahl aus Bewertungen der eigenen Beiträge.

Am ehesten das Kreuz (Karte 36): Schicksal, Prüfung, Last und – in der karmischen Lesart – die Lektion, die ein Mensch mitbringt. Daneben zeigen Sense (Ernte einer früheren Handlung), Ring (Kreislauf, Bindung), Schlange (Verstrickung) und Buch (die noch unverstandene Lektion) karmische Themen an. Eine Karma-Legung liest drei Karten als Ursache, Wirkung und Lektion.

Karma ist eines der Themen, bei denen Spiritualität und Psychologie sich näher sind, als beide Seiten glauben. Wenn Dich das interessiert: Der Beitrag Warum Kartenlegen wirkt erklärt den gleichen Zusammenhang für die Karten, Affirmationen zeigt, was Sätze mit Deinem Handeln machen, und im Spiritualitäts-Bereich findest Du alle Beiträge zu Seele, Zeichen und Erwachen. Wer die Karten selbst deuten lernen will, ist im Kurs „Kartenlegen lernen“ richtig.

Bild von Damian Garrett

Damian Garrett

Legt seit 2005 die Lenormandkarten. Autor des Lenormand-Praxisbuchs und Entwickler eines eigenen Systems zur Deutung der Kartenkombinationen. Hauptberuflich in der psychologischen Lehre und Forschung. → Mehr über den Autor

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