Lenormand2Go – Alle 36 Kartenbedeutungen, Kombinationen und kostenlose Legungen

Lenormand verstehen statt auswendig lernen

Unterschied zwischen Tarot und Lenormand: Aufbau, Deutung und Bedeutung der Karten im Vergleich

Unterschied Tarot und Lenormand: die Lenormandkarten Reiter, Ring und Sterne neben den Tarotkarten Hohepriesterin, Sonne und Welt, dazwischen eine Frau vor der Frage „Was passt zu dir?“

Unterschied Tarot und Lenormand kurz erklärt: Ein Tarot hat 78 Karten, 22 Große und 56 Kleine Arkana, mit symbolreichen, archetypischen Bildern. Jede Karte wird für sich und nach ihrer Position gedeutet und beschreibt meist innere Prozesse. Ein Lenormand hat 36 Karten mit schlichten Alltagsmotiven wie Haus, Brief oder Anker. Eine einzelne Lenormandkarte sagt wenig; erst die Kombination mit ihren Nachbarkarten ergibt eine Aussage, und die beschreibt meist konkrete Ereignisse, Personen und Zeitpunkte. Als Faustregel gilt: Lenormand beantwortet eher „Was passiert und wann?“, Tarot eher „Warum, und was bedeutet das für mich?“. Für Alltagsfragen und für Einsteiger ist Lenormand oft schneller zugänglich, wer Selbsterkenntnis sucht, findet im Tarot mehr Tiefe. Besser ist keines der beiden Systeme – sie beantworten verschiedene Fragen.

Ich lege seit 2005 die Lenormandkarten und arbeite hauptberuflich in der psychologischen Lehre und Forschung. Dieser Vergleich ist aus der Lenormand-Praxis geschrieben. Wo es um Tarot geht, beziehe ich mich auf das weit verbreitete Rider-Waite-Smith-Tarot.

Unterschied Tarot und Lenormand auf einen Blick

Die wichtigsten Merkmale beider Wahrsagekarten im direkten Vergleich:

MerkmalLenormandTarot
Kartenzahl36 Karten (Petit Lenormand)78 Karten
Aufbau36 gleichrangige Karten, nummeriert von 1 (Reiter) bis 36 (Kreuz)22 Große Arkana (Trümpfe) und 56 Kleine Arkana in vier Farben
Herkunft„Das Spiel der Hoffnung“ von Johann Kaspar Hechtel, Nürnberg, um 1799/1800; Decks unter Lenormands Namen ab 1845Kartenspiel aus Norditalien, 15. Jahrhundert; esoterische Deutung schriftlich belegt ab 1781
Bildspracheschlichte Alltagsmotive: Haus, Brief, Hund, Schlüsselsymbolreiche Szenen und Archetypen: Narr, Tod, Turm, Stern
DeutungsprinzipKombination: Karten werden wie Wörter zu Sätzen gelesenPosition: jede Karte ist eine eigene Aussage an einem festen Platz
Typische Fragenkonkret: Was passiert? Wer ist beteiligt? Wann?reflektierend: Warum? Was lerne ich daraus? Was brauche ich?
Personenfeste Personenkarten: Herr (28) und Dame (29)16 Hofkarten als Menschen oder Persönlichkeitsanteile
ZeitangabenZeitkarten und Zeitsysteme sind verbreitetmöglich, aber weniger verbreitet
Umgekehrte Kartenwerden traditionell nicht gedeutetwerden oft gedeutet, dann 156 Einzelbedeutungen
Große LegungGroße Tafel mit allen 36 KartenKeltisches Kreuz mit 10 Karten
Spielkarte im Bildja, bei klassischen Decks auf jeder Kartenein
Astrologiekeine im klassischen 36er-Deckin der Golden-Dawn-Tradition sind die Großen Arkana Planeten, Tierkreiszeichen und Elementen zugeordnet
Einstieg36 Grundbedeutungen, danach Kombinationen üben78 Karten mit mehreren Symbolebenen
Bekannte DecksBlaue Eule, Mystisches Lenormand, Gilded Reverie LenormandRider-Waite-Smith, Tarot de Marseille, Crowley-Thoth-Tarot

Ist Lenormand eine Art Tarot?

Nein. Lenormand ist ein eigenständiges Kartensystem, auch wenn im Handel und in Suchmaschinen oft von „Lenormand-Tarot“ die Rede ist. Beide gelten als esoterisch und gehören zu den Wahrsagekarten, haben aber weder den Aufbau noch die Herkunft gemeinsam: Lenormand kennt keine Großen und Kleinen Arkana, keine vier Farben und keine Hofkarten. Die 36 Motive stammen aus einem deutschen Gesellschaftsspiel um 1800, das Tarot aus einem italienischen Kartenspiel des 15. Jahrhunderts.

„Tarot“ hat sich im Deutschen fast zum Oberbegriff für Kartenlegen entwickelt und wird deshalb auf vieles übertragen, was mit Karten zu tun hat. Genau genommen ist Tarot aber nur das System mit 78 Karten. Wer nach „Lenormand-Tarot“ oder „Tarotkarten Lenormand“ sucht, meint in der Regel ganz normale Lenormandkarten. Der Unterschied zwischen Lenormand-Karten und Tarotkarten beginnt also schon beim Namen.

Woher Tarot und Lenormand kommen

Tarot: vom Kartenspiel zum Wahrsagedeck

Tarot entstand im 15. Jahrhundert in Norditalien als Kartenspiel an den Fürstenhöfen, unter anderem bei den Visconti in Mailand. Die frühen Karten hießen „Trionfi“, also Trümpfe, und dienten einem Stichspiel. Als Spiel lebt das Tarot bis heute weiter, etwa im Tarock, das in Österreich verbreitet ist. Über Jahrhunderte waren die Karten vor allem ein Zeitvertreib.

Die schriftlich belegte esoterische Deutung beginnt erst 1781: Der französische Gelehrte Antoine Court de Gébelin behauptete in seinem Werk „Le Monde primitif“, die Karten seien ein verschlüsseltes Buch altägyptischer Weisheit. Belegt ist das nicht, der Mythos hält sich trotzdem bis heute. 1789 brachte der Pariser Kartenleger Jean-Baptiste Alliette alias Etteilla das erste Tarot heraus, das eigens zum Wahrsagen gestaltet war – mehr dazu im Beitrag über das Etteilla-Tarot.

Das heute bekannteste Deck, das Rider-Waite-Smith-Tarot, erschien im Dezember 1909 beim Londoner Verlag Rider. Gezeichnet hat es die Künstlerin Pamela Colman Smith nach Vorgaben von Arthur Edward Waite. Anders als in fast allen älteren Decks zeigen dort auch die 56 Kleinen Arkana ganze Szenen statt nur einer bestimmten Anzahl von Kelchen, Stäben, Schwertern oder Münzen. Das ist ein Grund, warum die meisten Lernbücher bis heute auf diesem Deck aufbauen.

Lenormand: ein Nürnberger Spiel mit französischem Namen

Die Motive der Lenormandkarten gehen auf „Das Spiel der Hoffnung“ zurück, ein Gesellschaftsspiel mit 36 Bildkarten, das der Nürnberger Johann Kaspar Hechtel entwickelte und das um 1799/1800 bei G. P. J. Bieling in Nürnberg erschien. Mit dem Tarot hat dieses Spiel keine direkte Verbindung.

Benannt sind die Karten nach der Pariser Kartenlegerin und Wahrsagerin Marie-Anne Adélaïde Lenormand (1772–1843), der berühmtesten Kartenlegerin ihrer Zeit. Mit diesen Karten hat sie selbst nie gearbeitet. Die Decks mit ihrem Namen erschienen erst nach ihrem Tod: 1845 das Grand Jeu de Mlle Lenormand mit 54 Karten, das vermutlich auf Etteillas Tarot zurückgeht, und um 1850 das Petit Lenormand mit 36 Karten, das wir heute meinen, wenn wir von Lenormandkarten sprechen. Warum Marie-Anne Lenormand heute oft „Madame Lenormand“ genannt wird, abgekürzt Mme, obwohl sie zu Lebzeiten „Mlle Le Normand“ hieß, steht im Beitrag über Marie Anne Lenormand.

Aufbau: 78 Tarotkarten gegen 36 Lenormand-Karten

So ist ein Tarot aufgebaut

Ein Tarot besteht aus 78 Karten in zwei Gruppen. Die 22 Großen Arkana sind von 0 bis XXI nummeriert und zeigen große Lebensthemen: vom Narren über die Liebenden, den Tod und den Turm bis zur Welt. Die 56 Kleinen Arkana teilen sich in vier Farben: Stäbe, Kelche, Schwerter und Münzen, in manchen Decks Pentakel genannt. Jede Farbe hat zehn Zahlenkarten vom Ass bis zur Zehn und vier Hofkarten: Bube (Page), Ritter, Königin und König. Vereinfacht gesagt beschreiben die Großen Arkana das Thema und die Kleinen Arkana den Alltag, in dem es sich zeigt.

So ist ein Lenormand aufgebaut

Das Petit Lenormand besteht aus 36 Lenormandkarten, nummeriert von 1 (Reiter) bis 36 (Kreuz). Keine Karte steht über einer anderen, es gibt keine Gruppen und keine Farben. Klassische Decks zeigen zusätzlich auf jeder Karte eine kleine Spielkarte, in französischen Farben von der Sechs bis zum Ass; der Sarg etwa trägt die Karo Neun.

Eine besondere Rolle spielen die Personenkarten: Der „Herr“ (Karte Nr. 28) und die „Dame“ (Karte Nr. 29) stehen für die Fragestellerin oder den Fragesteller und die wichtigste zweite Person. In jeder größeren Legung ist die eigene Personenkarte der Ausgangspunkt der Deutung. Viele moderne Kartendecks legen zusätzliche Karten bei, etwa einen zweiten Herrn und eine zweite Dame. Warum manche Decks mehr als 36 Karten haben, erklärt der Beitrag Wie viele Karten hat das Lenormand?

Die Kartenzahl ist mehr als ein Detail. Sie bestimmt, wie viel Du lernen musst, wie groß eine Legung werden kann und wie viel Deutungsspielraum eine einzelne Karte hat. Beim Tarot trägt die einzelne Karte viel Bedeutung, beim Lenormand trägt die Verbindung zwischen den Karten die Bedeutung.

Bildsprache: Archetyp oder Alltagsgegenstand

Tarotkarten zeigen verdichtete Szenen voller Symbole. Auf der Hohepriesterin im Rider-Waite-Smith-Deck sitzt eine Frau zwischen einer schwarzen und einer weißen Säule, eine Schriftrolle im Schoß, eine Mondsichel zu ihren Füßen. Jedes Detail lädt zur Interpretation ein, die Deutung der Karten beginnt beim Bild. Viele, die Tarot legen, deuten solche Bilder mit dem Begriff der Archetypen, den C. G. Jung geprägt hat: Urbilder wie die Mutter, der Weise oder der Narr, die in vielen Kulturen wiederkehren. Die akademische Psychologie teilt Jungs Archetypenlehre heute kaum, als Deutungsrahmen für das Tarot ist sie aber verbreitet. Für die Selbstreflexion ist diese Bildsprache stark, weil Du in ein Bild mehr hineinsehen kannst, als draufsteht.

Lenormandkarten zeigen dagegen einfache Gegenstände, Tiere und Menschen: einen Reiter, ein Schiff, einen Brief, eine Schlange, ein Kleeblatt. Die Kartenbilder stammen aus der bürgerlichen Welt um 1800 und sind sofort erkennbar. Jede Karte hat wenige feste Grundbedeutungen: Der Brief steht für eine Nachricht oder ein Dokument, der Anker für Stabilität, Sicherheit und Beständigkeit. Das Kartenbild ist weniger rätselhaft, und das ist Absicht: Jedes Symbol soll auf einen Blick lesbar sein. Die Kunst liegt nicht im einzelnen Bild, sondern in den Kartenkombinationen.

Deutung: Einzelkarte oder Kartenkombination

Tarot liest Positionen

Im Tarot hat jede Position einer Legung eine eigene Bedeutung und eine feste Funktion: Ausgangslage, Hindernis, unbewusster Einfluss, Rat, mögliches Ergebnis. Die Deutung der jeweiligen Karte hängt zuerst an ihrem Platz, erst danach am Gesamtbild. Jede Karte trägt schon eine vollständige Aussage. Liegt der Tod auf der Position „Ergebnis“, erzählt er vom Ende einer Phase, bevor die Nachbarkarten überhaupt ins Spiel kommen.

Lenormand liest Sätze

Beim Kartenlegen mit den Lenormandkarten ist die einzelne Karte eher ein Wort als ein Satz. Erst mit ihren Nachbarn entsteht eine Aussage, ähnlich wie bei Hauptwort und Eigenschaftswort: Die erste Karte nennt das Thema, die zweite beschreibt es näher. Deshalb lernt, wer Lenormand legt, weniger die einzelnen Karten auswendig als ihre Beziehungen untereinander. Wie stark die Nachbarschaft die Bedeutung der Karten verändert, zeigt der Turm. Sechs Kombinationen aus dem Beitrag zum Lenormand Turm:

KombinationBedeutung
Turm + ReiterTurm + Reiter zeigt eine Nachricht von einer Behörde oder Institution: Eine offizielle Mitteilung ist unterwegs, Bewegung kommt in eine amtliche Angelegenheit.
Turm + HerzTurm + Herz zeigt emotionale Distanz in der Liebe – oder eine reife, geschützte Verbindung, deren Gefühle bewusst privat gehalten werden.
Turm + SonneTurm + Sonne zeigt beruflichen Erfolg und Aufstieg, eine anerkannte Führungsposition und neue Energie nach einem Rückzug.
Turm + AnkerTurm + Anker zeigt berufliche Selbstständigkeit, eine stabile, dauerhafte und eigenständige Position oder einen sicheren Rückzugsort.
Turm + FischeTurm + Fische zeigt Bank, Finanzamt oder Steuerbehörde, selbstständiges Wirtschaften oder Vermögen, das in stabilen Strukturen liegt.
Turm + SenseTurm + Sense zeigt eine plötzliche, einschneidende offizielle Entscheidung: einen abrupten Bruch, eine Kündigung oder eine Trennung.

Sechsmal dieselbe Lenormand-Karte, sechs verschiedene Aussagen. Im Tarot wäre der Turm in all diesen Fällen zunächst dasselbe: ein plötzlicher Umbruch. Wie Du Kombinationen Schritt für Schritt liest, erklärt der Leitfaden zu den Lenormand-Kombinationen.

Gleicher Name, andere Bedeutung: Karten, die es in beiden Decks gibt

Einige Motive kommen in beiden Systemen vor. Gerade sie führen beim Umstieg in die Irre, denn der Name ist gleich, die Bedeutung oft nicht. Ein Vergleich zwischen Lenormand und Tarot anhand der wichtigsten Paare:

Motivim Lenormandim Tarot (Rider-Waite-Smith)
TurmTurm (19): Behörde, Institution, Abgrenzung, Rückzug, DistanzDer Turm (XVI): plötzlicher Umbruch, Zusammenbruch alter Strukturen, Erschütterung
MondMond (32): Gefühle, Intuition, Anerkennung, guter RufDer Mond (XVIII): Unsicherheit, Täuschung, Ängste, das Unbewusste
SonneSonne (31): Erfolg, Glück, Lebensfreude, VitalitätDie Sonne (XIX): Freude, Erfolg, Lebenskraft – fast deckungsgleich
SternSterne (16): Hoffnung, Klarheit, Orientierung, InspirationDer Stern (XVII): Hoffnung, Heilung, Zuversicht – sehr ähnlich
Herz und LiebendeHerz (24): Liebe, Zuneigung, echte GefühleDie Liebenden (VI): Liebe, aber vor allem eine Wahl, die Du aus Deinen Werten triffst
Sarg und TodSarg (8): Ende, Abschied, Stillstand, ErschöpfungDer Tod (XIII): Ende einer Phase und Wandlung; in beiden Systemen fast nie wörtlich gemeint
Reiter und RitterReiter (1): Nachricht, Besuch, Bewegung, neuer Impulsvier Ritter: Handlung und Tempo in der Energie ihrer Farbe
Kind und BubeKind (13): Neubeginn, etwas Kleines, Unerfahrenheitvier Buben (Pagen): Lernen, Neugier, eine Botschaft
Herr, Dame und KönigspaareHerr (28) und Dame (29): die Hauptpersonen der Legungje vier Könige und Königinnen: Menschen im Umfeld oder Persönlichkeitsanteile

Die zwei Paare, die am häufigsten verwechselt werden: Der Turm bedeutet im Tarot einen plötzlichen Zusammenbruch, im Lenormand dagegen eine Behörde, eine Firma oder bewusste Abgrenzung. Und beim Tarot-Mond steht die Unsicherheit im Vordergrund, beim Lenormand-Mond eher Gefühl und Anerkennung. Wer mit Tarot-Wissen an Lenormandkarten geht, sollte die entsprechenden Karten zuerst neu lernen.

Beispiel: Dieselbe Frage mit Tarot und mit Lenormand

Am deutlichsten wird der Unterschied, wenn Du beide Systeme auf dieselbe Frage anwendest. Die Frage lautet: „Wie entwickelt sich meine berufliche Situation in den nächsten Wochen?“ Für beide Legungen werden drei Karten gezogen.

Die Lenormand-Legung: Reiter, Turm, Anker

Gelesen wird von links nach rechts, jeweils zwei Karten zusammen. Reiter + Turm zeigt eine offizielle Nachricht, Neuigkeiten von einer Institution, vielleicht eine Mitteilung, auf die Du schon gewartet hast. Turm + Anker zeigt eine stabile, dauerhafte und eigenständige Position. Als Satz: Eine offizielle Mitteilung bringt Bewegung in die Sache, und am Ende steht eine feste Stelle mit mehr Eigenständigkeit.

Die Lenormand-Deutung ist konkret: Es passiert etwas, es kommt von außen, und es führt zu einem greifbaren Ergebnis. Weil der Reiter zu den schnellen Karten gehört, würden viele sagen: bald, eher in Tagen als in Monaten.

Die Tarot-Legung: Acht der Münzen, der Turm, Sechs der Stäbe

Die drei Positionen stehen für Ausgangslage, Wendepunkt und Tendenz. Die Acht der Münzen zeigt jemanden, der konzentriert an seinem Handwerk arbeitet: Fleiß, Übung, solide Arbeit. Der Turm steht für einen plötzlichen Umbruch, der Gewohntes einstürzen lässt. Die Sechs der Stäbe zeigt einen Reiter mit Siegerkranz: Anerkennung und Erfolg.

Die Tarot-Deutung fragt nach dem Sinn: Du hast viel investiert, aber etwas an Deiner jetzigen Situation trägt nicht mehr. Der Umbruch ist unbequem und zugleich die Voraussetzung dafür, dass Deine Arbeit gesehen wird. Die Frage an Dich lautet: Was müsste sich ändern, damit Du die Anerkennung bekommst, die Du Dir erarbeitet hast?

Beide Legungen widersprechen sich nicht, sie antworten auf verschiedenen Ebenen. Lenormand beschreibt, was geschieht. Tarot beschreibt, was es für Dich bedeutet. Und dieselbe Karte, der Turm, meint in der einen Legung eine Firma, in der anderen einen Zusammenbruch.

Welches System für welche Frage?

Ob Lenormand oder Tarot die bessere Wahl ist, hängt vor allem von Deiner Frage ab. Diese Übersicht zeigt, welches System für welche Fragen geeignet ist:

ThemaLenormand zeigt …Tarot zeigt …
Liebewie es um eine Beziehung steht, was der andere fühlt, ob sich jemand meldet – etwa mit der Liebeslegungwelches Muster Du in Beziehungen wiederholst und was Du selbst brauchst
Beruf und GeldStellenwechsel, Verträge, Kolleginnen und Kollegen, finanzielle Entwicklungob Dein Weg zu Dir passt, Motivation, innere Blockaden
Gesundheitallenfalls Belastungen und Stimmungen, keine DiagnosenUmgang mit Erschöpfung und Selbstfürsorge, keine Diagnosen
Selbstfindungeher begrenzt, weil das System auf äußere Ereignisse zieltdie große Stärke des Tarot: Lebensphasen, Schattenarbeit, Sinnfragen
ZeitpunktZeitkarten und Zeitsysteme geben eine Tendenzselten im Mittelpunkt
Ja oder Neinschnell und klar, etwa mit dem Ja-Nein-Orakelmöglich, aber weniger eindeutig
Entscheidungzeigt die Folgen zweier Wege konkret, etwa mit der Entscheidungslegungzeigt, welche Werte hinter der Entscheidung stehen
GesamtüberblickGroße Tafel mit allen 36 KartenKeltisches Kreuz oder Jahreslegung

Bei Gesundheitsfragen gilt für beide Systeme dasselbe: Karten stellen keine Diagnosen und ersetzen keinen Arztbesuch.

Personenkarten und Zeitangaben: die Stärken des Lenormand

Zwei Dinge kann Lenormand besonders gut. Erstens Menschen: Mit Herr und Dame als festen Personenkarten gibt eine Legung Aufschluss darüber, welche Karten bei wem liegen, wer wem zugewandt ist und wer abseits steht. Zweitens Zeit: Viele Kartenlegerinnen und Kartenleger arbeiten beim Lenormand mit Zeitkarten. Schnelle Karten wie Reiter, Klee und Sense stehen für Stunden bis Tage, langsame wie Berg, Baum und Anker für Monate bis Jahre. Wie das funktioniert und wo die Grenzen liegen, erklärt der Beitrag zu den Zeitangaben im Lenormand.

Innere Prozesse: die Stärke des Tarot

Tarot ist im Vorteil, wenn es nicht um das Was, sondern um das Warum geht. Lebensphasen, wiederkehrende Muster, Ängste und Wünsche, die Du Dir selbst noch nicht eingestehst: Dafür hat das Tarot mit den 22 Großen Arkana ein ganzes Vokabular. Viele nutzen es deshalb für längere, seltenere Sitzungen, Lenormand dagegen für den Alltag, zum Beispiel als tägliche Tageskarte.

Legesysteme im Vergleich: Tageskarte, Große Tafel und Keltisches Kreuz

Beide Systeme kennen kleine und große Legungen, doch die Legesysteme folgen einer anderen Logik:

LegungLenormandTarot
Eine KarteTageskarte als Impuls für den Tag, abends überprüfbarTageskarte, oft aus den Großen Arkana gezogen
Drei Karten3-Karten-Legung, als Satz gelesenVergangenheit, Gegenwart und Zukunft, jede Karte einzeln gedeutet
Neun Karten9er-Legung im Quadrat 3 × 3, die Mitte ist das Themamöglich, aber kein Klassiker
Zehn Kartenkein StandardKeltisches Kreuz mit zehn fest definierten Positionen
JahresausblickJahreslegung mit zwölf Monatskarten und einer JahreskarteJahreslegung mit zwölf Monatskarten, oft mit einer dreizehnten als Jahresthema
Alle KartenGroße Tafel: alle 36 Lenormand-Karten, in vier Reihen à neun Karten oder als 4 × 8 + 4unüblich, 78 Karten sind für eine Gesamtlegung zu viele

Der eigentliche Unterschied liegt im Leseprinzip. Lenormand-Legungen setzen Nachbarkarten immer in Beziehung, bei der Großen Tafel, für die alle Karten ausgelegt werden, auch über Reihen, Spalten und Diagonalen. Tarot-Spreads geben jeder Position eine eigene Frage. Das bekannteste Tarot-Legesystem, das Keltische Kreuz, wurde durch Arthur Edward Waite bekannt, der es in seinem Tarot-Handbuch beschrieb. Die Große Tafel ist das Gegenstück im Lenormand: ein Gesamtbild aller Lebensbereiche, anspruchsvoll, aber das stärkste Werkzeug des Systems. Alle Legungen mit Anleitung findest Du in der Übersicht der Lenormand-Legesysteme.

Lernaufwand: Sind Lenormandkarten leichter zu lernen als Tarot?

Für den Einstieg ja, auf Dauer nicht unbedingt. Die Zahlen zeigen, warum:

  • Tarot: 78 Karten mit mehreren Symbolebenen. Wer umgekehrte Karten deutet, hat 156 Einzelbedeutungen vor sich.
  • Lenormand: 36 Karten mit wenigen Grundbedeutungen, die sich schnell lernen lassen. Danach beginnt die eigentliche Arbeit: 36 Karten ergeben 630 mögliche Kartenpaare, und weil die Reihenfolge zählt, 1.260 Kombinationen. Über fünf Lebensbereiche hinweg sind das 6.300 Deutungen.


Mit Lenormand fällt der Einstieg ins Kartenlegen leicht, weil schon wenige Grundbedeutungen und einfache Paare zu brauchbaren Aussagen führen. Die Tiefe entsteht beim Lenormand über die Kombinationen, beim Tarot über die einzelne Karte. Beides braucht Übung, nur liegt der Schwerpunkt des Lernens woanders.

So fängst Du mit Lenormand an

Um Lenormand-Karten zu legen, brauchst Du anfangs wenig. Ein realistischer Einstieg: Täglich eine Tageskarte ziehen und abends notieren, was sie beschrieben hat. Ab der zweiten Woche Zweier- und Dreierkombinationen, später die Neunerlegung mit neun Karten. Drei bis fünf Grundbedeutungen pro Karte reichen für den Anfang. Beim Deck gilt: Klassische Motive mit klarer Symbolik sind der beste Start, etwa die Blaue Eule; eine Übersicht findest Du im Beitrag über die besten Lenormand-Kartendecks.

Einen strukturierten Lernweg bietet die Seite Kartenlegen lernen. Wer jede Kombination nachschlagen möchte, findet alle 6.300 Deutungen im Praxisbuch mit Übungsbuch.

So fängst Du mit Tarot an

Für Tarot empfiehlt sich ein Deck auf Basis des Rider-Waite-Smith-Tarot, weil die meisten Lernbücher darauf aufbauen und die bebilderten Kleinen Arkana beim Deuten helfen. Viele beginnen mit den 22 Großen Arkana und nehmen die 56 Kleinen Arkana später dazu. Wer beide Bildwelten in derselben Handschrift lernen möchte: Der Illustrator Ciro Marchetti hat sowohl Tarot-Decks wie das Gilded Tarot als auch ein Lenormand, das Gilded Reverie Lenormand, gestaltet.

Tarot oder Lenormand: Welches System passt zu Dir?

Keine Liste mit Vor- und Nachteilen hilft so gut wie ein ehrlicher Blick auf Deine eigenen Fragen:

Wenn Du …… passt eher
konkrete Antworten auf Alltagsfragen suchstLenormand
wissen willst, was ein anderer Mensch denkt oder vorhatLenormand
einen Zeitpunkt oder eine Tendenz suchstLenormand
schnell zu ersten eigenen Deutungen kommen möchtestLenormand
verstehen willst, warum Du Dich in bestimmten Mustern bewegstTarot
gern in Bildern und Symbolen denkst und Zeit für Reflexion hastTarot
Dich für Archetypen, Mythologie oder Astrologie interessierstTarot
beides willst: die konkrete Lage und ihren inneren Sinnbeide Systeme kombiniert

Wenn drei oder mehr Deiner Antworten in dieselbe Richtung zeigen, ist die Entscheidung meist gefallen. Und keine Sorge: Wer mit dem Lenormand-Kartenlegen anfängt, verbaut sich das Tarot nicht – und umgekehrt.

Tarot und Lenormand kombinieren

Viele Kartenlegerinnen und Kartenleger arbeiten mit beiden Systemen, manchmal sogar in einer einzigen Kartenlegung, und die Verbindung ist sinnvoller, als es klingt. Eine einfache Methode:

  1. Formuliere Deine Frage und ziehe eine Karte aus den 22 Großen Arkana. Sie beschreibt das Thema dahinter, das Warum.
  2. Lege darunter drei Lenormandkarten und lies sie als Satz. Sie beschreiben, was konkret geschieht.
  3. Prüfe, ob beide Ebenen zusammenpassen. Liegt der Tarot-Tod über einer Lenormand-Reihe mit Ring und Sense, spricht beides für ein Ende; Ring + Sense zeigt im Lenormand den plötzlichen Bruch einer Bindung. Widersprechen sich die Ebenen, liefert gerade das wertvolle Hinweise: Dann lohnt eine genauere Frage.


Wichtig ist, die Systeme nicht zu vermischen: Deute die Tarotkarte nach Tarot-Regeln und die Lenormandkarten nach Lenormand-Regeln. Wer die beiden Mond- oder Turmkarten verwechselt, bekommt sonst widersprüchliche Aussagen.

Können Tarot oder Lenormand die Zukunft vorhersagen?

Nein, keines der beiden Systeme. Dass Karten Ereignisse vorhersagen, ist nicht belegt, und das gilt für 78 Karten genauso wie für 36. Beide Systeme gehören zur Esoterik, nicht zur Wissenschaft. Trotzdem ist es kein Selbstbetrug, wenn Dir eine Legung weiterhilft. Die Wirkung liegt in Deinem Denken: Eine Legung zwingt Dich, eine unklare Lage in feste Begriffe zu übersetzen und Dir selbst zu erklären, was gerade los ist.

Dazu kommt ein gut untersuchter Effekt. 1948 gab der Psychologe Bertram Forer seinen Studierenden eine angeblich persönliche Auswertung, die für alle identisch war. Im Mittel bewerteten sie die Treffsicherheit mit rund 4,3 von 5 Punkten; Forer veröffentlichte das Ergebnis 1949, heute ist es als Barnum-Effekt bekannt. Offene Bilder lassen mehr Raum für Eigenes als konkrete Motive. Beim Tarot ist das gewollt, weil es um Reflexion geht; beim Lenormand hilft die nüchterne Symbolik, nicht mehr hineinzulesen, als dasteht. Ausführlich erkläre ich das im Beitrag Warum Kartenlegen wirkt, obwohl die Karten nichts wissen.

Und Kipperkarten, Skatkarten und Orakelkarten?

Neben Tarot und Lenormand begegnen Dir beim Kartenlegen weitere Kartendecks. So ordnen sie sich ein:

DeckKartenKennzeichen
Petit Lenormand36Alltagssymbole, Deutung über Kombinationen
Grand Jeu de Mlle Lenormand541845 in Paris erschienen, das „astromythologische Deck“: Szenen aus der griechischen Mythologie, Sternbilder, Geomantie und Blumen; geht vermutlich auf Etteillas Tarot zurück
Tarot78Große und Kleine Arkana, Deutung über Positionen
Kipperkarten361890 erstmals in München erschienen, benannt nach der Wahrsagerin Susanne Kipper; zeigen Personen und Lebenssituationen statt Symbolen
Skatkarten32gewöhnliches Kartenspiel; gedeutet werden Farbe und Wert
Orakelkartenbeliebigkein festes System; Motive und Bedeutungen legt das jeweilige Deck fest

Damit ist auch der Unterschied zwischen Tarot und Orakelkarten schnell erklärt: Tarot folgt einer festen Struktur, die in jedem Deck gleich ist; Orakelkarten haben keine gemeinsame Struktur. Lenormand steht dazwischen: ein festes System, aber viel schlichter als das Tarot.

Fazit: Zwei Kartensprachen, keine Rangordnung

Beide Systeme arbeiten mit Karten, sprechen aber verschiedene Sprachen. Lenormand ist direkt, alltagsnah und stark bei konkreten Fragen nach Ereignissen, Personen und Zeitpunkten. Tarot ist symbolreich, vielschichtig und stark bei der Frage nach dem Warum. Für Einsteiger mit Alltagsfragen ist Lenormand meist der schnellere Weg, für alle, die vor allem Selbstreflexion suchen, oft das Tarot.

Wenn Du Lenormand ausprobieren möchtest, beginne mit einer kostenlosen Legung online oder mit der Bedeutung der Lenormand-Karten: Eine ausführliche Beschreibung aller 36 Karten findest Du in der Übersicht der Lenormandkarten.

Häufige Fragen zum Kartenlegen mit Tarot und Lenormand

Was ist der Unterschied zwischen Tarot und Lenormand?

Ein Tarot hat 78 Karten mit 22 Großen und 56 Kleinen Arkana; jede Karte wird für sich und nach ihrer Position gedeutet und beschreibt eher innere Prozesse. Ein Lenormand hat 36 Karten mit Alltagsmotiven; gedeutet wird über Kombinationen benachbarter Karten, und die Aussagen betreffen eher konkrete Ereignisse, Personen und Zeitpunkte.

Keines der beiden Systeme ist besser, sie beantworten verschiedene Fragen. Lenormand eignet sich für konkrete Alltagsfragen wie „Meldet er sich?“ oder „Wie geht es im Job weiter?“. Tarot eignet sich für Fragen nach dem Warum, nach Mustern und nach persönlicher Entwicklung.

Nein. Lenormand ist ein eigenständiges System mit 36 Karten ohne Arkana, Farben und Hofkarten. Die Motive gehen auf das Nürnberger „Spiel der Hoffnung“ von Johann Kaspar Hechtel um 1799/1800 zurück. Die Bezeichnung „Lenormand-Tarot“ ist verbreitet, aber ungenau.

Für den Einstieg meist ja: 36 statt 78 Karten, schlichte Motive und wenige Grundbedeutungen führen schnell zu ersten Deutungen. Auf Dauer braucht Lenormand aber viel Übung mit Kombinationen – 36 Karten ergeben 1.260 Kombinationen, wenn die Reihenfolge zählt.

Ja. Eine bewährte Methode ist, eine Karte aus den Großen Arkana als Thema zu ziehen und darunter drei Lenormandkarten als konkrete Entwicklung zu legen. Wichtig ist, jede Karte nach den Regeln ihres eigenen Systems zu deuten.

Traditionell nicht. Beim Lenormand zählen stattdessen Nachbarschaft, Reihenfolge und bei den Personenkarten die Blickrichtung. Im Tarot deuten dagegen viele Kartenlegerinnen und Kartenleger umgekehrte Karten, was die Zahl der Bedeutungen auf 156 verdoppelt.

Turm, Mond, Sonne und Stern kommen in beiden Decks vor, dazu Entsprechungen wie Herz und Liebende oder Sarg und Tod. Die Bedeutungen unterscheiden sich teils deutlich: Der Turm steht im Tarot für einen plötzlichen Umbruch, im Lenormand für eine Behörde, Institution oder Abgrenzung.

Ein Tarot hat 78 Karten: 22 Große und 56 Kleine Arkana. Das übliche Lenormand, das Petit Lenormand, hat 36 Karten; das Grand Jeu de Mlle Lenormand hat 54 Karten. Manche moderne Lenormand-Decks enthalten zusätzliche Personenkarten.

Dafür gibt es keinen Beleg, und das gilt für Lenormand genauso. Eine Legung kann trotzdem hilfreich sein, weil sie Dich zwingt, Deine Lage in klare Begriffe zu fassen und Dir selbst zu erklären. Sie ist ein Werkzeug der Reflexion, keine Vorhersage.

Tarot hat eine feste Struktur aus 78 Karten, die in jedem Deck gleich ist. Orakelkarten haben keine gemeinsame Struktur: Kartenzahl, Motive und Bedeutungen legt jedes Deck selbst fest. Lenormand liegt dazwischen, mit festen 36 Karten, aber ohne die Arkana des Tarot.

Für Lenormand ein klassisches Deck mit klaren Motiven, zum Beispiel die Blaue Eule. Für Tarot ein Deck auf Basis des Rider-Waite-Smith-Tarot, weil die meisten Lernbücher darauf aufbauen und auch die Kleinen Arkana bebildert sind.

Bild von Damian Garrett

Damian Garrett

Legt seit 2005 die Lenormandkarten. Autor des Lenormand-Praxisbuchs und Entwickler eines eigenen Systems zur Deutung der Kartenkombinationen. Hauptberuflich in der psychologischen Lehre und Forschung. → Mehr über den Autor

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