Moderne Lenormandkarten zeigen dieselben 36 Motive wie ein klassisches Deck – in neuer Bildsprache, aber mit unveränderter Bedeutung. Die Nummerierung von 1 bis 36 bleibt, die Reihenfolge bleibt, der Reiter bleibt der Reiter und der Sarg bleibt der Sarg. Was sich ändert, ist die Art, wie das Motiv gezeichnet ist: Ein klassisches Deck stellt ein Symbol vor ruhigem Grund frei, ein modernes Deck baut daraus häufig eine Szene. Das ist keine Geschmacksfrage, sondern eine Frage der Lesegeschwindigkeit. Wer eine Karte in einer halben Sekunde erkennt, kommt zur Kombination; wer erst die Szene entziffern muss, bleibt beim Einzelbild hängen. Deshalb entscheidet nicht der Stil über ein gutes Deck, sondern die Symbolklarheit: Ist das Hauptmotiv sofort erkennbar und von den anderen 35 Karten eindeutig unterscheidbar? Ein modernes Kartendeck, das diesen Test besteht, ist zum Lernen genauso brauchbar wie ein klassisches. Ein klassisches Deck besteht ihn nur häufiger, weil seine Bildsprache genau dafür entworfen wurde. Dieser Vergleich zeigt Dir, was sich zwischen klassisch und modern wirklich unterscheidet, wo moderne Decks kippen, was Zusatzkarten mit Deiner Legung machen und welches Deck zu Deiner Praxis passt.
| Auf einen Blick | Moderne und klassische Lenormandkarten |
| Kartenzahl | Beide Male 36 Karten; moderne Decks legen manchmal 2 bis 11 Zusatzkarten bei |
| Bedeutung | Identisch – die Bedeutung der Lenormandkarten hängt am Motiv, nicht am Zeichenstil |
| Nummerierung | 1 bis 36, in beiden Fällen in derselben Reihenfolge |
| Spielkartenabbildung | Klassisch fast immer vorhanden, modern oft weggelassen |
| Typische Stärke | Klassisch: Erkennbarkeit. Modern: Atmosphäre, Vielfalt, manchmal Lernhilfen auf der Karte |
| Typische Schwäche | Klassisch: nüchtern, teils altmodisch. Modern: Motive werden ähnlich und verwechselbar |
| Für Einsteiger | Klassisch oder ein modernes Deck mit klarem Hauptmotiv – nicht das opulenteste |
| Für die Große Tafel | Klar erkennbare Symbole und kleines Format; das spricht meist für klassisch |
Ich lege seit 2005 Lenormandkarten und habe in dieser Zeit mit klassischen wie mit modernen Decks gearbeitet. Die folgenden Einordnungen beziehen sich auf das Petit Lenormand mit 36 Karten, nicht auf das Grand Jeu und nicht auf Kipper- oder Tarotkarten.
Klassisch, modern – was diese Wörter bei Lenormandkarten überhaupt bezeichnen
„Klassisch“ meint bei Lenormandkarten keine Altersangabe, sondern eine Bildsprache: ein freigestelltes Hauptmotiv, eine Nummer, eine eingedruckte Spielkarte und sonst nichts. „Modern“ meint alles, was diese Bildsprache verlässt – und das sind sehr unterschiedliche Wege. Beide Begriffe sagen nichts über die Qualität eines Kartendecks aus und nichts über sein Erscheinungsjahr: Es gibt Decks von 2024, die klassisch gestaltet sind, und es gab schon in den 1970er-Jahren Kartendecks, die man heute modern nennen würde.
Lenormandkarten, Wahrsagekarten, Orakelkarten: die Begriffe im Handel
Für dasselbe Produkt findest Du im Handel sehr unterschiedliche Bezeichnungen. Das ist Werbung, keine Systematik – und es macht den Vergleich unnötig schwer. Diese Tabelle ordnet die Begriffe ein, die Dir auf Kartenschachteln und in Shops begegnen.
| Begriff auf der Schachtel | Was damit gemeint ist |
| Lenormandkarten, Lenormand-Karten | Das Petit Lenormand mit 36 Lenormandkarten – der Normalfall und das System dieser Seite |
| Wahrsagekarten | Oberbegriff: Lenormandkarten sind Wahrsagekarten, Kipper- und Tarotkarten aber ebenso |
| Lenormand Orakelkarten, Deutungskarten | Frei gestaltete Decks ohne festes System; erst die Nummern 1 bis 36 machen daraus Lenormand |
| Madame Lenormand, Mlle Lenormand | Verweis auf Marie-Anne Lenormand; sagt nichts über Ausgabe, Alter oder Qualität des Decks aus |
| Grand Jeu de Mlle Lenormand | Das große Deck von 1845 mit 54 Karten plus Personenkarten – ein anderes System, keine Ausgabe des Petit Lenormand |
| Lenormand-Kartenset, Kartenbox | Deck plus Begleitbuch, Tuch oder Beutel im Karton |
| Mit Zusatzkarten | Karten über die 36 hinaus; manche Sets kommen so auf 40 bis 55 Karten |
Woher das klassische Lenormand-Kartenbild stammt
Die 36 Motive gehen auf ein Nürnberger Gesellschaftsspiel zurück: „Das Spiel der Hoffnung“ von Johann Kaspar Hechtel, erschienen um 1800 bei G. P. J. Bieling in Nürnberg. Gespielt wurde es mit zwei Würfeln; gedeutet und zum Wahrsagen benutzt wurde es erst später. Den Namen bekamen die Karten von der Pariser Wahrsagerin Marie Anne Lenormand (1772–1843) – posthum und als Werbemittel, nicht weil sie dieses Deck benutzt hätte. Das Petit Lenormand mit 36 Karten, wie wir es heute kennen, entstand um 1850 bei Kartenmachern in Deutschland, Österreich, Belgien und der Schweiz. Das größere Grand Jeu de Mlle Lenormand mit 54 Karten plus je einer Herr- und einer Dame-Karte erschien 1845, zwei Jahre nach ihrem Tod.
Prägend für das Aussehen wurde die Frankfurter Spielkartenfabrik Bernhard Dondorf, 1833 gegründet, bekannt für Chromolithografie in hoher Qualität, 1933 eingestellt. Wenn Dir ein Lenormand-Kartendeck mit fein gezeichneten Motiven, Rahmen und kleinen Spielkarten in der oberen Ecke begegnet, siehst Du in den meisten Fällen eine Weiterentwicklung dieser Vorlage. Der Königsfurt-Urania Verlag legt eine Fassung nach einem Dondorf-Entwurf von etwa 1890 bis heute neu auf.
Die fünf Erkennungszeichen eines klassischen Decks
| Merkmal | Wie es aussieht | Wozu es in der Deutung dient |
|---|---|---|
| Freigestelltes Hauptmotiv | Ein Gegenstand, ein Tier, eine Person – zentriert, ohne erzählerisches Beiwerk | Du erkennst die Karte aus zwei Metern Entfernung und quer in der Reihe |
| Nummer 1 bis 36 | In einer oder in beiden oberen Ecken, oft zusätzlich unten | Häuser und Positionen in der Großen Tafel lassen sich abzählen |
| Spielkartenabbildung | Eine kleine Spielkarte mit den französischen Farben, etwa Herz-Bube oder Kreuz-Ass | Grundlage für die Deutung mit Skatkarten und für Personenzuordnungen |
| Biedermeier-Formensprache | Ornamentrahmen, gedeckte Farben, Motive aus dem 19. Jahrhundert | Ruhiges Bild, das die Aufmerksamkeit nicht vom Symbol abzieht |
| Herr und Dame als Personenkarten | Zwei Figuren im Profil, ohne Handlung, ohne Umgebung | Der Herr (28) und die Dame (29) bleiben als Personenkarte frei besetzbar |
Der letzte Punkt wird oft unterschätzt. Sobald die Dame auf der Karte etwas tut – telefoniert, tanzt, ein Kind hält –, färbt diese Handlung jede Legung ein, in der sie als Personenkarte für die Fragestellerin steht. Klassische Decks vermeiden das, weil ihre Figuren nichts tun.
Klassische Lenormand-Kartendecks in der Praxis
| Deck | Was es auszeichnet | Passt zu |
|---|---|---|
| Blaue Eule | Der De-facto-Standard im deutschsprachigen Raum: klare Motive, Spielkartenabbildung, kleines Format, überall erhältlich | Einsteiger und alle, die ein Referenzdeck brauchen |
| Piatnik Lenormand | Vom Wiener Traditionshaus Piatnik, kräftige Farben, sehr robustes Material, kein Begleitbuch | Vielleger, die ein Deck täglich in die Hand nehmen |
| Dondorf-Nachdrucke | Historische Vorlage von etwa 1890, feine Lithografie, Spielkartenabbildung mit Skatwerten | Wer das Kartenbild will, aus dem fast alles andere abgeleitet ist |
| Blaue Eule Premium | Dieselbe Bildsprache mit Begleitheft und besserer Kartenqualität | Einsteiger, die eine Deutungshilfe im Karton möchten |
Moderne Lenormandkarten: fünf Richtungen, nicht ein Stil
„Modern“ ist kein Stil, sondern eine Sammelbezeichnung für mindestens fünf Gestaltungswege, die unterschiedlich gut mit dem Lenormand-System zusammenarbeiten. Wer nur zwischen „klassisch“ und „modern“ unterscheidet, vergleicht ein Deck mit klaren Symbolen und heller Fläche mit einem opulenten Kunstprojekt – und wundert sich, dass beide sich völlig anders lesen.
| Richtung | Merkmale | Wirkung auf die Deutung |
|---|---|---|
| Lernorientiert | Großes Symbol, heller Grund, oft Kartenname, Schlüsselwörter, Zeitangaben, eine Zuordnung aus der Astrologie oder die Spielkarte direkt auf der Karte | Stützt das Lernen, kann aber die eigene Deutung auf die aufgedruckten Wörter verengen |
| Minimalistisch-grafisch | Reduzierte Formen, Pastell- oder Erdtöne, viel Weißraum, Kartenname in Versalien | Sehr schnell lesbar, solange die Formen nicht zu ähnlich werden |
| Erzählerisch | Das Motiv steht in einer Szene mit Landschaft, Figuren, Handlung | Erzeugt Bilder im Kopf, verlangsamt aber die Kombination |
| Mystisch-dunkel | Dunkle Palette, okkulte Anmutung, starke Stimmung; etwa das Mystische Lenormand von Regula Elizabeth Fiechter und Urban Trösch | Vertieft die intuitive Lesart, färbt aber neutrale Karten emotional ein |
| Künstlerisch-opulent | Aufwendige Illustration, eigene Bildwelt, häufig mit Zusatzkarten; etwa das Gilded Reverie Lenormand von Ciro Marchetti | Sammlerwert und Tiefe für Fortgeschrittene, für Lernende meist zu viel |
Ändern moderne Decks die Bedeutung der Lenormandkarten?
Nein. Ein Deck kann ein Motiv neu zeichnen, aber nicht seine Bedeutung neu festlegen. Die Kombinationslogik arbeitet mit dem Begriff hinter der Karte, nicht mit dem Pinselstrich: Die Störche (17) stehen für Veränderung, ob der Storch nun auf einem Biedermeier-Dach oder in einer minimalistischen Wasserfläche steht. Störche + Haus zeigt eine Veränderung im Zuhause, in jedem Deck der Welt. Was sich ändert, ist der Ton: Ein dunkel gestaltetes Deck lässt dieselbe Kombination bedrohlicher klingen, ein helles Deck freundlicher. Diesen Ton solltest Du kennen, sonst hältst Du die Stimmung des Künstlers für die Aussage der Karte.
Gedeutet wird mit jedem Deck nach derselben Logik: Die einzelne Karte liefert ihre eigene Bedeutung, die umliegenden Karten geben die Richtung, und das Legemuster setzt den Rahmen. Wer Kartenlegen mit den Lenormandkarten einmal so gelernt hat, liest jedes Deck – für Anfänger und Fortgeschrittene gilt derselbe Weg.
Eine Ausnahme gibt es: Wenn ein Deck ein Motiv austauscht – etwa Eulen durch Katzen, Sarg durch eine Mondsichel –, ist das kein moderner Stil mehr, sondern ein anderes Orakel mit 36 Karten. Solche Decks sind nicht schlechter, aber Deutungstabellen und Kombinationslisten passen dann nicht mehr sauber.
Unterschiede in der Deutung: was gleich bleibt und was sich ändert
| Bleibt in jedem Deck gleich | Ändert sich fast immer | Ändert sich manchmal |
|---|---|---|
| Die 36 Motive und ihre Bedeutung | Farbigkeit und Grundstimmung | Die Spielkartenabbildung – modern oft weggelassen |
| Die Nummerierung von 1 bis 36 | Detailgrad und Bildaufbau | Der Kartenname auf der Karte – mal deutsch, mal englisch, mal gar nicht |
| Die Häuser in der Großen Tafel | Erkennungsgeschwindigkeit | Das Format – von Mini bis Tarotgröße |
| Reihenfolge und Leserichtung | Wie stark das Bild Dich emotional führt | Die Zahl der Karten, wenn Zusatzkarten beiliegen |
| Herr und Dame als Personenkarten | Die Rückseite und damit die Frage nach Umkehrungen | Ob Herr und Dame neutral bleiben oder eine Rolle spielen |
Wo moderne Bildsprache in der Praxis kippt
Das häufigste Problem moderner Decks ist nicht Kitsch, sondern Ähnlichkeit. Wer alle 36 Motive im selben Stil, in derselben Palette und mit demselben Bildaufbau zeichnet, erzeugt Paare, die sich auf dem Tisch nicht mehr trennen lassen. Diese fünf Paare sind die üblichen Verdächtigen – prüfe sie, bevor Du ein Deck kaufst.
| Kartenpaar | Warum es verschwimmt | Was in der Deutung schiefgeht |
|---|---|---|
| Blumen (9) und Lilien (30) | Beide zeigen Blüten; moderne Decks stilisieren sie zu ähnlichen Sträußen | Aus Freude und Einladung wird Ruhe und Reife – zwei sehr verschiedene Antworten |
| Haus (4) und Turm (19) | Beide sind Gebäude; ohne Maßstab sieht ein schmales Haus aus wie ein Turm | Aus Familie und Geborgenheit wird Behörde, Abgrenzung oder Alleinsein |
| Wolken (6) und Berg (21) | Beide sind Landschaftsformen in Grau; Nebel und Fels gehen ineinander über | Aus Unklarheit, die sich auflöst, wird ein Hindernis, das bleibt |
| Sense (10) und Ruten (11) | Beide sind längliche Werkzeuge aus Holz und Metall | Aus einem plötzlichen Schnitt wird ein andauerndes Hin und Her |
| Sterne (16), Sonne (31) und Mond (32) | Drei Himmelskörper, oft in derselben Strahlengrafik gezeichnet | Orientierung, Erfolg und Gefühl sind nicht mehr auseinanderzuhalten |
Der 30-Sekunden-Test vor dem Kauf
Suche Dir im Online-Shop nicht die schönste Karte, sondern genau diese fünf Paare. Findest Du sie nicht auf den Produktbildern, ist das schon eine Antwort: Gute Deck-Rezensionen zeigen alle 36 Karten, Verkaufsseiten zeigen die vier hübschesten. Lege die Bilder nebeneinander und frage Dich, ob Du beide Karten in einer Reihe von neun Karten auf Anhieb auseinanderhalten würdest. In unserer Übersicht der besten Lenormand Kartendecks findest Du diese Einordnung für über zwanzig Decks.
Zusatzkarten: wenn aus 36 Karten 38 oder 47 werden
Zusatzkarten sind die größte praktische Veränderung, die moderne Decks mitbringen – größer als jeder Zeichenstil. Sie erweitern das Deck um Motive, die es im Petit Lenormand nie gab, und verändern damit jede Legung, die mit einer festen Kartenzahl arbeitet.
| Variante | Was beiliegt | Folge für Deine Praxis |
|---|---|---|
| 36 Karten | Das Standarddeck ohne Ergänzung | Alle Legesysteme und Deutungstabellen passen unverändert |
| 36 plus zweite Personenkarten | Ein zweiter Herr, eine zweite Dame, manchmal in anderer Blickrichtung | Praktisch für gleichgeschlechtliche Paare; für die Große Tafel aussortieren |
| 36 plus Themenkarten | Etwa vier mediale Zusatzkarten zum Mystischen Lenormand: Ahnen, Geistführer, Krafttiere, Engel | Eigene Deutungsebene, die nicht Teil des Lenormand-Systems ist |
| 47 Karten | Gilded Reverie Expanded Edition: acht Zusatzkarten wie Zeit, Brücken, Würfel, Maske, Brunnen, Kompass, Labyrinth und Lupe, dazu weitere Herr-, Dame- und Eulenkarten | Reizvoll für Fortgeschrittene, sprengt jede Häuser-Zuordnung |
Die Regel dahinter ist einfach: Für die Große Tafel nimmst Du genau 36 Karten. Die Tafel legt alle Karten in vier Reihen zu je neun Karten aus, und die Häuser-Deutung zählt Positionen ab. Jede zusätzliche Karte verschiebt diese Zählung und macht die Häuser unbrauchbar. Bei kleinen Legungen wie der Tageskarte oder der Dreierkette kannst Du Zusatzkarten dagegen mitlaufen lassen, solange Du weißt, dass Du damit ein erweitertes Orakel legst.
Legesysteme: welches Deck zu welcher Legung passt
| Legung | Was das Deck leisten muss | Empfehlung |
|---|---|---|
| Tageskarte | Eine Karte, viel Zeit | Freie Wahl – hier darf ein modernes Deck so atmosphärisch sein, wie Du magst |
| Dreierkette | Drei Motive in einen Satz bringen | Modern gut möglich, wenn die Hauptmotive klar sind |
| Kleines Kreuz | Vier Karten mit fester Positionsbedeutung | Modern gut möglich; Positionen tragen die Struktur |
| Neunerlegung | Reihen, Spalten und Diagonalen gleichzeitig überblicken | Klare Symbole werden wichtig; opulente Decks bremsen |
| Große Tafel | 36 Karten auf einem Tisch, Nachbarschaften und Häuser lesen | Klassisch oder klar gestaltet modern, kleines Format, exakt 36 Karten |
Die Legesysteme geben damit die Antwort, die kein Produktbild geben kann: Je mehr Karten gleichzeitig auf dem Tisch liegen, desto stärker zählt Erkennbarkeit und desto weniger zählt Stimmung.
Kartenlegen lernen: klassische oder moderne Lenormandkarten für Anfänger?
Für Einsteiger ist nicht der Stil entscheidend, sondern ob das Deck die 36 Motive eindeutig zeigt – das schaffen klassische Decks fast immer und moderne Decks je nach Gestaltung. Wer Kartenlegen lernen will, baut in den ersten Wochen zwei Dinge auf: die Grundbedeutung jeder Karte und die Fähigkeit, zwei Karten zu einem Satz zu verbinden. Beides verlangt, dass das Bild sofort in den Begriff umschlägt. Ein Deck, dessen Karten Du erst betrachten musst, verlängert diese Phase deutlich.
Der zweite Grund für ein klassisches Einsteigerdeck ist unromantischer: Fast alle deutschsprachigen Lehrbücher, Kurse und Deutungstabellen sind an dieser Bildsprache entlang geschrieben. Wenn im Text steht „der Bär mit dem Blick nach rechts“, findest Du das im klassischen Deck wieder. Ein modernes Deck kann diese Detailhinweise nicht bedienen.
Gleichzeitig gilt: Ein modernes Deck, das Du gerne in die Hand nimmst, schlägt ein klassisches Deck, das im Schrank liegt. Wer ein Deck schön findet, legt öfter, und wer öfter legt, lernt das Legen und Deuten schneller. Diese Rechnung geht nur dann nicht auf, wenn die Motive verschwimmen.
Wann ein modernes Deck die bessere Wahl ist
Es gibt vier Situationen, in denen ein modernes Kartendeck klar im Vorteil ist:
- Du legst vor anderen Menschen. Moderne Decks laden ein, Klientinnen und Klienten sprechen über die Bilder, und das öffnet Gespräche, die eine Biedermeier-Grafik nicht öffnet.
- Du kennst die 36 Bedeutungen sicher. Dann wird zusätzliche Symbolik zur Ressource statt zur Ablenkung – die Karte sagt dasselbe, gibt aber eine zweite Ebene dazu.
- Du arbeitest thematisch. Ein Deck mit ruhiger, heller Palette passt zu Selbstreflexion; ein dunkleres Deck passt zu Schattenarbeit. Das ist eine bewusste Entscheidung, keine Geschmacksfrage.
- Du brauchst ein größeres Format. Klassische Decks sind oft klein. Wer die Karten schlecht erkennt, ist mit einem modernen Deck in Tarotgröße besser bedient.
Zwei Decks parallel – was das mit Deiner Deutung macht
Viele erfahrene Lesende besitzen am Ende beides: ein klassisches Arbeitsdeck und ein modernes Deck für bestimmte Fragen. Das ist kein Luxus, sondern eine Prüfmethode. Wenn Du dieselbe Frage mit beiden Decks legst und zu unterschiedlichen Aussagen kommst, lag der Unterschied nicht in den Karten, sondern in Deiner Stimmung beim Deuten. Wenn Du zur selben Aussage kommst, hast Du gerade erlebt, dass die Bedeutung am Begriff hängt und nicht am Bild.
Ein Hinweis aus der Praxis: Mische die Decks nicht. Zwei Kartensätze mit unterschiedlichen Rückseiten in einem Stapel machen jede Legung unbrauchbar, und zwei Kartensätze mit gleicher Bedeutung im selben Bild erzeugen Doppelungen, die das System nicht vorsieht.
Worauf Du beim Kauf achtest – jenseits des Stils
| Kriterium | Worauf es ankommt |
| Format | Für die Große Tafel klein (etwa 57 × 89 mm), für Einzellegungen darf es größer sein |
| Kartenrücken | Symmetrisch, sonst verrätst Du Dir beim Mischen die Kartenlage |
| Oberfläche | Leinenstruktur gleitet besser und hält länger als glatter Hochglanz |
| Begleitbuch | Ein gutes Booklet nennt Grundbedeutung, Umgebungskarten und mindestens ein Legesystem – nicht nur Schlagwörter |
| Kartennamen | Deutsche Namen erleichtern die Arbeit mit deutschsprachigen Deutungstabellen |
| Nachkaufbarkeit | Limitierte Auflagen sind schön, aber nach Kaffeeflecken nicht ersetzbar |
Eine Übersicht mit Bezugsquellen findest Du auf der Seite Lenormand Karten kaufen. Wenn Du die Kombinationen systematisch lernen willst, hilft Dir das Praxisbuch mit allen Kartenkombinationen – es arbeitet deckunabhängig, weil es die Begriffe verbindet und nicht die Bilder.
Fazit: Es gibt kein besseres Deck, nur ein passenderes
Klassische Lenormandkarten und moderne Lenormandkarten spielen dasselbe Spiel mit denselben 36 Karten. Der Unterschied liegt nicht in der Bedeutung, sondern in der Geschwindigkeit, mit der Du vom Bild zum Begriff kommst – und darin, wie stark das Deck Deine Stimmung mitschreibt. Wer anfängt, fährt mit einem klassischen Deck oder einem klar gestalteten modernen Deck sicherer. Wer die 36 Bedeutungen sicher kennt, gewinnt mit einem künstlerischen Deck eine zweite Ebene dazu. Und wer die Große Tafel legt, nimmt genau 36 Karten, egal wie schön die Zusatzkarten sind.
Die brauchbarste Frage vor dem Kauf ist deshalb nicht „klassisch oder modern?“, sondern: Erkenne ich jede der 36 Karten in einer vollen Auslage auf den ersten Blick? Wenn ja, ist es das richtige Deck für Dich – unabhängig davon, aus welchem Jahrhundert seine Bildsprache stammt.
Häufige Fragen zu modernen und klassischen Lenormandkarten
Ändern moderne Lenormandkarten die Bedeutung der 36 Karten?
Nein. Die Bedeutung hängt am Motiv und an seiner Nummer, nicht am Zeichenstil. Die Störche (17) stehen für Veränderung, ob sie klassisch auf einem Dach oder modern in einer Wasserfläche stehen. Was moderne Decks verändern, ist der Ton einer Legung: Ein dunkel gestaltetes Deck lässt dieselbe Kombination bedrohlicher wirken, ein helles freundlicher. Nur wenn ein Deck ein Motiv austauscht – etwa Eulen durch Katzen –, passen Deutungstabellen nicht mehr.
Welche Lenormandkarten sind für Anfänger am besten geeignet?
Ein Deck, dessen 36 Hauptmotive freigestellt und eindeutig unterscheidbar sind. Das erfüllen klassische Decks wie die Blaue Eule oder das Piatnik Lenormand fast immer, moderne Decks je nach Gestaltung. Entscheidend ist nicht klassisch oder modern, sondern der Test: Kannst Du Blumen (9) und Lilien (30), Haus (4) und Turm (19), Wolken (6) und Berg (21) auf den Produktbildern sofort auseinanderhalten?
Was ist der Unterschied zwischen klassischen und modernen Lenormandkarten?
Klassische Lenormandkarten zeigen ein freigestelltes Symbol, die Nummer 1 bis 36, eine kleine Spielkartenabbildung und eine Biedermeier-Formensprache. Moderne Lenormandkarten verlassen mindestens eines dieser Merkmale: Sie erzählen eine Szene, lassen die Spielkarte weg, arbeiten mit eigener Palette oder drucken Schlüsselwörter auf die Karte. Die 36 Motive, ihre Reihenfolge und ihre Bedeutung bleiben in beiden Fällen gleich.
Brauche ich die Spielkartenabbildung auf den Lenormandkarten?
Nur wenn Du mit der Skatkarten-Entsprechung arbeitest oder Personen darüber zuordnest. Für die klassische Kombinationsdeutung und für alle gängigen Legesysteme brauchst Du sie nicht. Wer sie später einmal nutzen will, ist mit einem Deck, das sie mitbringt, auf der sicheren Seite – nachrüsten lässt sie sich nicht.
Wie viele Karten hat ein Lenormand-Kartendeck?
Das Petit Lenormand hat 36 Karten. Moderne Decks legen häufig Zusatzkarten bei: zweite Personenkarten, Themenkarten wie die vier medialen Zusatzkarten zum Mystischen Lenormand oder acht Extrakarten wie beim Gilded Reverie Lenormand in der Expanded Edition mit insgesamt 47 Karten. Das historische Grand Jeu de Mlle Lenormand von 1845 umfasste 54 Karten plus je eine Herr- und Dame-Karte.
Kann ich mitten im Lernen das Deck wechseln?
Ja, ohne von vorn anfangen zu müssen – die Bedeutungen wandern mit. Sinnvoll ist der Wechsel trotzdem erst, wenn die 36 Grundbedeutungen sitzen. Bis dahin arbeitet jedes neue Kartenbild gegen die Verknüpfung, die Du gerade aufbaust. Danach ist ein zweites Deck ein Gewinn.
Sind moderne Lenormandkarten für die Große Tafel geeignet?
Ja, wenn zwei Bedingungen stimmen: exakt 36 Karten ohne Zusatzkarten und Motive, die auch aus einem Meter Entfernung erkennbar bleiben. Die Große Tafel legt alle Karten in vier Reihen zu je neun Karten aus und zählt für die Häuser-Deutung Positionen ab. Jede zusätzliche Karte verschiebt diese Zählung, und jedes zu detailreiche Motiv verlangsamt das Lesen der Nachbarschaften.
Woran erkenne ich ein gutes Begleitbuch zu einem Kartendeck?
Ein brauchbares Booklet nennt zu jeder Karte die Grundbedeutung, sagt etwas über die Wirkung der Umgebungskarten und erklärt mindestens ein Legesystem vollständig. Reine Schlagwortlisten – drei Stichworte pro Karte – helfen beim Deuten nicht weiter, weil Lenormand aus Kombinationen besteht und nicht aus Einzelkarten.
Gibt es moderne Lenormandkarten mit deutschen Kartennamen?
Ja, besonders bei deutschsprachigen Verlagen. Bei international produzierten Decks stehen die Namen häufig nur auf Englisch oder fehlen ganz. Das ist kein Mangel, erschwert aber die Arbeit mit deutschsprachigen Deutungstabellen und Kombinationslisten, weil Du jedes Mal übersetzen musst.
Was ist der Unterschied zwischen Lenormand und Tarot?
Lenormand arbeitet mit 36 Karten, die als Sätze gelesen werden; Tarot arbeitet mit 78 Karten, die einzeln viel Deutungsraum tragen. Lenormandkarten beschreiben eher, was geschieht, Tarotkarten eher, was es bedeutet. Der ausführliche Vergleich steht im Beitrag zum Unterschied zwischen Tarot und Lenormand.
Lohnt sich ein zweites Lenormand-Deck?
Sobald die Grundbedeutungen sitzen, ja. Ein zweites Deck in anderer Bildsprache zeigt Dir, welche Anteile Deiner Deutung aus der Karte kommen und welche aus der Stimmung des Bildes. Wichtig: Beide Decks getrennt halten und nie zu einem Stapel mischen – unterschiedliche Rückseiten und doppelte Motive machen jede Legung unbrauchbar.

Damian Garrett
Legt seit 2005 die Lenormandkarten. Autor des Lenormand-Praxisbuchs und Entwickler eines eigenen Systems zur Deutung der Kartenkombinationen. Hauptberuflich in der psychologischen Lehre und Forschung. → Mehr über den Autor











