

Die 36 Lenormandkarten sind ein Wahrsagekartendeck mit besonders klarer, alltagsnaher Bildsprache. Jede Lenormandkarte trägt eine feste Grundbedeutung – der Reiter bringt eine Nachricht, der Anker steht für Beständigkeit, die Sense für einen plötzlichen Schnitt. Erst die Nachbarkarten und Deine Fragestellung machen daraus eine konkrete Aussage.
Als ich mein erstes Deck aufschlug, lagen da 36 kleine Bilder – und ich hatte keine Ahnung, was ich damit anfangen sollte. Genau deshalb gibt es diese Seite. Du findest hier die Grundbedeutung jeder einzelnen Karte in einer Übersicht, die Regeln, nach denen aus Symbolen eine Aussage wird, die wichtigsten Legesysteme und den direkten Weg zu jeder ausführlichen Beschreibung.
Lenormandkarten sind ein Set aus 36 Wahrsagekarten, das seit dem 19. Jahrhundert zum Kartenlegen genutzt wird. Jedes Blatt zeigt ein einfaches, sofort verständliches Motiv aus dem Alltag: ein Haus, einen Brief, einen Baum, einen Bär. Diese Nähe zum Gewohnten ist das eigentliche Merkmal des Systems – die Karten sprechen über verschiedene Lebensbereiche wie Wohnung, Arbeit, Finanzen, Gesundheit und Beziehungen, nicht über abstrakte Archetypen.
Benannt ist das Deck nach Marie Anne Lenormand (1772–1843), einer der bekanntesten Kartenlegerinnen ihrer Zeit. Sie führte in Paris in der Rue de Tournon einen Salon und beriet dort prominente Klientinnen, darunter Kaiserin Joséphine. Wichtig zu wissen: Mlle Lenormand hat dieses Deck nicht selbst entworfen. Die heute gebräuchlichen Karten gehen auf ein deutsches Spiel zurück, das erst nach ihrem Tod 1843 nach ihr benannt wurde – der Name war schlicht ein Verkaufsargument. Dass die Karten trotzdem als Madame Lenormand oder Petit Lenormand bekannt sind, hat sich seither gehalten.
Ein klassisches Lenormandkartendeck besteht aus genau 36 Karten, durchnummeriert von 1 bis 36. Viele Ausgaben tragen zusätzlich eine kleine Abbildung von Skatkarten in der Ecke – ein Erbe aus der Zeit, als mit denselben Blättern auch gespielt wurde. Diese Zuordnung kann man in der Deutung nutzen, muss man aber nicht.
Die Symbolik ist bewusst schlicht gehalten. Es gibt keine große und keine kleine Arkana, keine Hierarchie zwischen den Blättern: Jede Karte ist gleich gewichtet, und keine ist für sich allein aussagekräftig. Genau deshalb entsteht die eigentliche Aussage immer erst in der Kombination mit anderen Karten.
Die folgende Tabelle zeigt Dir die Grundbedeutung aller 36 Karten mit ihren wichtigsten Schlüsselbegriffen. Ein Klick auf den Kartennamen führt Dich zur ausführlichen Beschreibung mit allen Bedeutungen der einzelnen Karten für Liebe, Beruf, Gesundheit und Selbstfindung – inklusive der wichtigsten Kartenkombinationen.
Nr. | Karte | Grundbedeutung | Schlüsselbegriffe |
1 | Nachricht, Bewegung, Neuigkeit | Besuch, Impuls, Tempo, Aufbruch | |
2 | Glück, kurze Chance, Leichtigkeit | Zufall, Hoffnung, kleines Glück | |
3 | Reise, Ferne, Sehnsucht | Ausland, Handel, Fernweh, Wechsel | |
4 | Zuhause, Familie, Beständigkeit | Wohnung, Geborgenheit, Tradition | |
5 | Gesundheit, Wachstum, Lebenskraft | Wurzeln, Geduld, Vitalität | |
6 | Unklarheit, Zweifel, Gedanken | Verwirrung, Grübeln, Ungewissheit | |
7 | Die Schlange | Umweg, Verwicklung, Klugheit | Rivalin, List, Komplikation |
8 | Ende, Abschluss, Loslassen | Verlust, Trauer, Übergang | |
9 | Die Blumen | Freude, Geschenk, Einladung | Blumenstrauß, Dank, Wertschätzung |
10 | Schnitt, plötzliche Entscheidung | Trennung, Ernte, Abruptheit | |
11 | Die Ruten | Diskussion, Streit, Wiederholung | Klärung, Sport, Auseinandersetzung |
12 | Gespräch, Aufregung, Unruhe | Telefonat, Nervosität, Paar | |
13 | Das Kind | Neuanfang, Unbefangenheit, Kleines | Kind, Naivität, erster Schritt |
14 | Der Fuchs | Täuschung, Vorsicht, Arbeit | Job, Misstrauen, Instinkt |
15 | Kraft, Besitz, Autorität | Chef, Mutter, Finanzen, Schutz | |
16 | Klarheit, Orientierung, Spiritualität | Vision, Erkenntnis, Astrologie | |
17 | Die Störche | Veränderung, Wandel, Umzug | Neuerung, Ortswechsel, Nachwuchs |
18 | Der Hund | Freundschaft, Treue, Vertrauen | Freund, Loyalität, Verlässlichkeit |
19 | Der Turm | Institution, Abgrenzung, Alleinsein | Amt, Behörde, Rückzug, Distanz |
20 | Der Park | Öffentlichkeit, Begegnung, Umfeld | Veranstaltung, Publikum, Treffen |
21 | Der Berg | Hindernis, Blockade, Verzögerung | Widerstand, Stillstand, Geduld |
22 | Die Wege | Entscheidung, Wahl, Alternative | Weggabelung, Optionen, Freiheit |
23 | Die Mäuse | Verlust, Abnutzung, Stress | Sorge, Verschleiß, Zermürbung |
24 | Liebe, Zuneigung, Gefühl | Romantik, Versöhnung, Leidenschaft | |
25 | Der Ring | Bindung, Vertrag, Wiederholung | Ehe, Zusage, Kreislauf |
26 | Das Buch | Wissen, Geheimnis, Ausbildung | Studium, Verborgenes, Lernen |
27 | Der Brief | Schriftliche Nachricht, Dokument | E-Mail, Bescheid, Mitteilung |
28 | Männliche Hauptperson, Partner | Personenkarte, Mann, Bezugsperson | |
29 | Weibliche Hauptperson, Partnerin | Personenkarte, Frau, Bezugsperson | |
30 | Die Lilien | Familie, Reife, Sexualität | Harmonie, ältere Person, Frieden |
31 | Die Sonne | Erfolg, Energie, Gelingen | Sieg, Wärme, Klarheit |
32 | Der Mond | Anerkennung, Gefühl, Seele | Ruhm, Intuition, Ausstrahlung |
33 | Der Schlüssel | Lösung, Sicherheit, Durchbruch | Gewissheit, Zugang, Bestätigung |
34 | Die Fische | Geld, Finanzen, Fülle | Einkommen, Selbstständigkeit, Fluss |
35 | Stabilität, Arbeit, Beständigkeit | Halt, Beruf, Verwurzelung | |
36 | Das Kreuz | Schicksal, Last, Prüfung | Belastung, Glaube, Unvermeidliches |
Diese Grundbedeutung verändert sich nie. Sie wird durch die umliegenden Karten nur eingefärbt und konkretisiert – wie ausführlich beschrieben in unserem Leitfaden zu den Lenormand Kombinationen.
Eine Besonderheit des Systems sind die Personenkarten. Der Herr (28) und die Dame (29) stehen für den Fragesteller selbst oder für dessen wichtigste Bezugsperson. Sie sind der Ankerpunkt jeder größeren Legung: Was in ihrer Nähe liegt, betrifft die Person unmittelbar; was weit entfernt liegt, spielt eher im Hintergrund eine Rolle.
Als Personenkarte kann darüber hinaus jede Karte gelesen werden, die einen Menschen beschreibt. Der Bär deutet oft auf eine ältere Person mit Autorität, die Lilien auf einen reifen, ruhigen Charakter, das Kind auf jemanden Jungen oder Unerfahrenen, die Schlange auf eine Rivalin. Welche Karte tatsächlich für wen steht, entscheidet der Kontext der Fragestellung – nicht eine feste Liste.
Der häufigste Anfängerfehler: Man liest Karte für Karte einzeln vor, statt sie zusammenzuziehen. Eine einzelne Karte liefert nur ein Stichwort. Erst die Kombination mit anderen Karten ergibt einen Satz. Die erste Karte nennt das Thema, die zweite beschreibt es näher – Brief plus Fuchs wird so zur falschen Nachricht, Fuchs plus Brief zur schriftlich dokumentierten Täuschung. Dieselben Blätter, zwei verschiedene Aussagen.
Lenormandkarten belohnen konkrete Fragen. „Wie entwickelt sich meine Beziehung in den nächsten Wochen?“ liefert ein deutlich schärferes Kartenbild als „Was passiert gerade so?“. Dieselbe Kombination beantwortet Fragen zu Liebe anders als Fragen zu Beruf oder Finanzen: Ring plus Berg heißt in einer Beziehungsfrage „eine Bindung steckt fest“, in einer Vertragsfrage „der Abschluss verzögert sich“. Formuliere die Frage des Fragestellers also immer vor dem Ziehen.
Die Karten beschreiben Tendenzen, keine feststehenden Ereignisse. Eine positive Karte wie die Sonne zeigt, wohin sich etwas entwickelt, wenn die Umstände so bleiben – sie ist keine Garantie. Für langfristig angelegte Fragen eignen sich größere Lenormand-Legungen besser als eine Einzelkarte, weil sich Entwicklungen erst über mehrere Positionen hinweg abzeichnen. Bei Gesundheitsfragen gilt außerdem: Die Karten ersetzen keine ärztliche Abklärung.
Ein Legesystem legt fest, wie viele Karten Du ziehst und welche Position welche Rolle übernimmt. Diese vier Legesysteme decken praktisch alle Fragen ab:
Das Keltische Kreuz, das viele aus dem Tarot kennen, wird gelegentlich auch mit Lenormandkarten gelegt. Es passt allerdings schlecht zur Logik dieses Decks, weil dort benachbarte Karten zusammengelesen werden – etwas, das die Positionslogik des Keltischen Kreuzes nicht vorsieht.
Beides sind Wahrsagekarten, aber sie funktionieren grundverschieden. Tarotkarten umfassen 78 Karten mit vielschichtiger, archetypischer Symbolik; die Deutung ist psychologisch, tiefgründig und oft auf innere Prozesse gerichtet. Im Tarot trägt schon die einzelne Karte viel Gewicht.
Die 36 Lenormandkarten dagegen sind konkret und beschreiben äußere Umstände: einen Termin, einen Brief, eine Wohnung, eine Zahlung. Ihre Aussage entsteht fast ausschließlich aus der Kombination. Wer wissen will, warum sich etwas so anfühlt, greift zum Tarot. Wer wissen will, was als Nächstes passiert, ist mit dem Lenormand besser bedient. Astrologie und Kartenlegen lassen sich übrigens problemlos ergänzen – ein Widerspruch besteht nicht.
Beim Kauf gilt vor allem eins: Das Deck muss Dir gefallen, denn Du wirst viele Stunden damit verbringen. Für Anfänger empfehlen sich klassische Motive ohne überladene Illustration – je klarer das Bild, desto leichter die Deutung. Decks mit aufgedruckten Deutungstexten helfen am Anfang, bremsen aber langfristig die eigene Intuition.
Manche Ausgaben enthalten Zusatzkarten über die 36 Karten hinaus. Die sind kein Muss und lassen sich jederzeit weglassen. Wenn Du Karten online kaufen möchtest, findest Du in unseren ausführlichen Deck-Rezensionen einen Vergleich der gängigsten Ausgaben.
Du brauchst weder Vorkenntnisse noch eine besondere Begabung. Kartenlegen mit Lenormand ist eine erlernbare Systematik: erst die Grundbedeutungen, dann Zweierpaare, dann Dreierketten, dann größere Kartenlegungen. Wer diesen Aufbau einhält, kommt schneller voran als jemand, der sofort die Große Tafel legen will.
Das Kartenlegen kostenlos auszuprobieren ist der beste Einstieg in die Welt des Lenormand: Zieh jeden Morgen eine Karte, formuliere in einem Satz, was sie Dir sagt, und prüfe am Abend, ob es gepasst hat. Nach wenigen Wochen sitzen die Grundbedeutungen. Wie das systematisch weitergeht, zeigt unser Leitfaden zum Lenormand Kartenlegen lernen.
36 Karten, 36 klare Grundbedeutungen, ein einfaches Prinzip für die Verknüpfung – mehr braucht es nicht für den Einstieg. Die Bedeutungen der einzelnen Karten auswendig zu lernen ist dabei der kleinere Teil der Arbeit. Der größere besteht darin, sie in Beziehung zu setzen und auf eine konkrete Frage anzuwenden.
Mein Rat: Fang mit einer Karte am Tag an, arbeite Dich über die verlinkten Kartenseiten in die einzelnen Bedeutungen ein, und wage Dich erst danach an größere Legungen. Die Karten werden Dir schneller vertraut, als Du denkst.
Es sind 36 Wahrsagekarten mit alltagsnahen Motiven wie Reiter, Haus, Baum oder Anker, durchnummeriert von 1 bis 36. Jede Karte steht für einen klar umrissenen Lebensbereich oder Zustand und wird beim Kartenlegen immer im Zusammenhang mit den Nachbarkarten gedeutet.
Jede Karte trägt eine feste Grundbedeutung – das Herz steht für Liebe, der Anker für Arbeit und Stabilität, die Wolken für Unklarheit. Diese Grundbedeutung bleibt konstant; erst die Nachbarkarten und die gestellte Frage konkretisieren sie zu einer Aussage über Deine Situation.
Du formulierst eine konkrete Frage, mischst die Karten und legst sie nach einem Legesystem aus. Anschließend liest Du benachbarte Karten zusammen: Die erste nennt das Thema, die zweite beschreibt es. Aus dieser Verkettung entsteht die eigentliche Deutung.
Tarotkarten umfassen 78 Karten mit archetypischer Symbolik und zielen auf psychologische Tiefe. Die 36 Lenormandkarten sind konkreter und alltagsbezogener und beschreiben äußere Ereignisse. Im Tarot wiegt die Einzelkarte schwer, im Lenormand entsteht die Aussage aus der Kombination.
Nein. Die 36 Grundbedeutungen hat man in wenigen Wochen sicher im Kopf. Das flüssige Kombinieren braucht Übung, folgt aber einer nachvollziehbaren Logik – es ist eher eine Sprache als eine Begabung.
Am besten offene, aber konkrete Fragen zu Liebe, Beruf, Finanzen, Wohnsituation oder anderen persönlichen Themen. Ungeeignet sind Fragen, die eine medizinische oder juristische Entscheidung ersetzen sollen, sowie Fragen über Dritte ohne deren Wissen.
Die gebräuchlichsten sind die Tageskarte, die 3er-Legung, die 9 Karten Legung und die Große Tafel mit allen 36 Karten. Für den Anfang genügen Tageskarte und Dreierlegung vollkommen.
Ja, manche Decks enthalten zusätzliche Motive über die klassischen 36 Karten hinaus. Sie sind optional – das traditionelle System funktioniert vollständig ohne sie, und für Einsteiger ist ein reines 36er-Deck übersichtlicher.
Für die meisten Alltagsfragen ja. Weil die Karten sehr konkret sind, liefern sie bei Themen wie Beruf, Wohnen, Geld und Beziehungen besonders klare Bilder. Bei rein innerpsychologischen Fragen greifen viele lieber zu Tarotkarten.
Ja, es gibt zahlreiche Angebote für Legungen im Netz. Für den eigenen Lernfortschritt ist es allerdings deutlich wirksamer, selbst zu legen und die Deutung anschließend zu überprüfen.
Legt seit 2005 die Lenormandkarten. Autor des Lenormand-Praxisbuchs und Entwickler eines eigenen Systems zur Deutung der Kartenkombinationen.
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