Lenormand2Go – Alle 36 Kartenbedeutungen, Kombinationen und kostenlose Legungen

Lenormand verstehen statt auswendig lernen

Das Etteilla-Tarot – Inspiration für Mademoiselle Lenormand

Das Eteilla Tarot

Das Etteilla-Tarot ist das erste Tarot-Deck der Geschichte, das nicht zum Spielen, sondern eigens zum Kartenlegen gestaltet wurde. Der Pariser Okkultist Jean-Baptiste Alliette (1738–1791) veröffentlichte es 1789 unter seinem Pseudonym Etteilla – der Rückwärtsschreibung seines Nachnamens. Auf jeder der 78 Karten stand die Deutung gedruckt, aufrecht wie umgekehrt. Damit war das Kartenlegen zum ersten Mal ein System, das man nachschlagen konnte, statt es von einem Lehrer zu übernehmen.

Für das Lenormand ist dieses Deck der eigentliche Ursprungspunkt. Marie Anne Lenormand hat nie mit den Karten gearbeitet, die heute ihren Namen tragen – sie legte gewöhnliche Spielkarten. Die Methode, nach der sie das tat, stammte aus Etteillas Werkstatt.

Was ist das Etteilla Tarot?

Das Etteilla-Tarot – im Original „Livre de Thot“, in manchen Ausgaben „Le Jeu de Toth“ – ist ein Tarot-Deck aus 78 Karten, das Alliette 1789 in Paris herausgab. Es bricht mit dem Marseille-Tarot in fast jedem Punkt: eigene Reihenfolge, eigene Nummerierung von 1 bis 78, sieben vorangestellte Schöpfungskarten statt der klassischen Großen Arkana und aufgedruckte Stichworte auf jeder Karte.

MerkmalEtteilla-Tarot
SchöpferJean-Baptiste Alliette, genannt Etteilla (1738–1791)
Erscheinungsjahr1789, Paris
OriginaltitelLivre de Thot (Buch des Thot)
Kartenzahl78 Karten, durchnummeriert von 1 bis 78
Besonderheiterstes Tarot-Deck, das ausschließlich für die Divination entworfen wurde
DeutungsprinzipBedeutung aufrecht und umgekehrt, direkt auf der Karte gedruckt
BezugssystemeAstrologie, Vier-Elemente-Lehre, klassische Typologie
Heute erhältlich alsGrand Etteilla (Grimaud), diverse Faksimile-Ausgaben

Jean-Baptiste Alliette – der erste professionelle Kartenleger

Alliette wurde am 1. März 1738 in Paris geboren und starb dort am 12. Dezember 1791. Er war Samenhändler und Druckerzeugnis-Verkäufer, bevor er zu dem wurde, als den ihn die Kartengeschichte kennt: der erste Mensch, der nachweislich seinen Lebensunterhalt mit dem Kartenlegen verdiente. Er nahm Geld für Beratungen, gab Unterricht und verkaufte seine Systeme als Bücher – ein Berufsbild, das es vor ihm nicht gab.

JahrWas Etteilla veröffentlichte
1770„Etteilla, ou manière de se récréer avec un jeu de cartes“ – Kartenlegen mit gewöhnlichen Spielkarten, ergänzt um eine eigene „Etteilla-Karte“. Aus diesem Buch entsteht das Petit Etteilla.
1781Court de Gébelin behauptet in „Le Monde primitif“, das Tarot stamme aus dem alten Ägypten – der Anstoß für Etteillas nächstes Werk.
1783–85„Manière de se récréer avec le jeu de cartes nommées tarots“ – die erste methodische Anleitung zur Divination speziell mit Tarotkarten.
1788Gründung der „Société des Interprètes du Livre de Thot“, der Vereinigung der Deuter des Buches von Thot – die erste Schule für Kartenlegen überhaupt.
1789Das Etteilla-Tarot erscheint: 78 eigens gestaltete Karten mit aufgedruckten Bedeutungen.
1790„Cours théorique et pratique du Livre de Thot“ und die Gründung der Nouvelle École de Magie.
1791Etteilla stirbt am 12. Dezember in Paris. Marie Anne Lenormand ist zu diesem Zeitpunkt 19 Jahre alt.

Jean-Baptiste oder Jean-François?

In deutschen Quellen – auch auf dem Cover der deutschen Buchausgabe „Das Etteilla-Tarot“ – liest man häufig Jean-François Alliette. Das ist ein alter Übertragungsfehler, der sich über Jahrzehnte weitervererbt hat. Die Taufregister, die französische Fachliteratur und die Kartenspiel-Forschung nennen übereinstimmend Jean-Baptiste Alliette. Wer nach dem Namen sucht, findet unter beiden Schreibweisen Material – gemeint ist immer dieselbe Person.

Court de Gébelin und der ägyptische Mythos

1781 veröffentlichte Antoine Court de Gébelin im achten Band seines „Le Monde primitif“ die These, die Tarotkarten seien ein verschlüsseltes Überbleibsel ägyptischer Priesterweisheit – konkret des sagenumwobenen Buches von Thot, benannt nach dem ägyptischen Gott der Weisheit, der Schrift und des Mondes.

Etteilla griff diese Idee auf und baute sein ganzes Deck darum herum. Die Ägypten-Herkunft ist historisch nicht haltbar: Das Tarot entstand im 15. Jahrhundert in Norditalien als Kartenspiel, die Trionfi. Die ersten belegten Decks gehören an oberitalienische Fürstenhöfe, nicht an den Nil. Der Mythos hat sich trotzdem gehalten, weil er dem Tarot eine Aura uralter Weisheit gab, die dem Zeitgeschmack des 18. Jahrhunderts entsprach. Auch Aleister Crowley berief sich später darauf und nannte sein eigenes Deck „Book of Thoth“.

Für die Praxis heißt das: Etteillas Deutungssystem ist nicht weniger wert, weil seine Herkunftsgeschichte erfunden war. Es funktioniert nach seinen eigenen, sauber durchdachten Regeln – nur eben nicht, weil es aus Ägypten stammt.

Rider-Waite Tarot
Das Rider-Waite Tarot ist eins der bekanntesten Tarot-Decks, gefolgt vom Thoth Tarot von Aleister Crowley.

Was das Etteilla-Tarot anders macht

Vier Neuerungen unterscheiden es von jedem Tarot davor:

  • Bedeutungen auf der Karte. Jede Karte trägt Stichworte – oben für die aufrechte, unten (auf dem Kopf gelesen) für die umgekehrte Deutung. Das Deck ist sein eigenes Nachschlagewerk.
  • Umkehrungen als System. Etteilla führte die konsequente Unterscheidung zwischen aufrechter und umgekehrter Karte ein. Jede Karte hat damit zwei Gesichter statt einem.
  • Eigene Ordnung. Statt Narr bis Welt beginnt das Deck mit sieben Karten zur Erschaffung der Welt. Die Nummerierung läuft durch von 1 bis 78 und trennt Große und Kleine Arkana nicht mehr scharf.
  • Astrologische Zuordnung. Alliette verknüpfte die Karten mit Planeten, Tierkreiszeichen und den vier Elementen – eine Systematik, die spätere Decks von Rider-Waite bis Crowley übernommen und ausgebaut haben.

Nicht alle waren begeistert. Éliphas Lévi, der einflussreichste Okkultist des 19. Jahrhunderts, urteilte vernichtend über Etteillas eigenwillige Abweichungen vom überlieferten Tarot – ein Urteil, das dem Deck jahrzehntelang den Ruf des Unseriösen einbrachte. Heute gilt Alliette unter Tarotforschern dagegen als Schlüsselfigur. Er hinterließ der Nachwelt die erste systematische Abhandlung über ein Deutungskonzept des Tarots – eine Grundlage, die die weitere Entwicklung der Tarotkarten bis hin zu Rider-Waite und dem Thoth Tarot geprägt hat. Ohne ihn kein modernes Tarot-Deuten.

Grand Etteilla, Petit Etteilla und die heutigen Ausgaben

„Etteilla-Tarot“ ist ein Sammelbegriff. Über die Jahrzehnte entstanden mehrere Varianten, die man beim Kauf auseinanderhalten sollte:

AusgabeKartenWas dahintersteckt
Petit Etteilla32 + 1Kein Tarot, sondern ein Skat- bzw. Piquetblatt mit aufgedruckten Deutungen plus der Etteilla-Karte. Das war das Arbeitsgerät der französischen Kartenlegerinnen – auch Marie Anne Lenormands.
Grand Etteilla I78Die Urfassung von 1789, das eigentliche „Livre de Thot“. Heute vor allem als Faksimile erhältlich.
Grand Etteilla II78Die ägyptisch gestaltete Überarbeitung des 19. Jahrhunderts, die Grimaud bis heute als „Grand Etteilla – Tarot Égyptien“ produziert. Das ist die Ausgabe, die man im Handel am ehesten findet.
Grand Etteilla III78Auch „Oracle des Dames“ genannt, eine spätere Variante mit stark veränderten Bildern.
Deutsche Ausgabe78„Das Etteilla-Tarot“ mit Begleitbuch von Helmut Werner – die einzige verbreitete deutschsprachige Fassung, dort unter dem Autorennamen Jean Francois Alliette geführt.

Was hat das Etteilla-Tarot mit Marie Anne Lenormand zu tun?

Mehr als die meisten denken – aber anders, als oft behauptet wird.

Marie Anne Lenormand kam 1786 als Vierzehnjährige nach Paris. Die Stadt, in der sie ihr Handwerk lernte, war die Stadt, die Etteilla mit seinen Büchern, seiner Schule und seinen Schülern geprägt hatte. Als er 1791 starb, war sie 19. Die Kartomantie, die sie danach ausübte und mit der sie Joséphine de Beauharnais und halb Paris beriet, war Etteillas Kartomantie: gewöhnliche Spielkarten mit festgelegten Bedeutungen, gelegt nach Systemen, die er als Erster niedergeschrieben hatte. Das Petit Etteilla ist das Deck, mit dem sie gearbeitet hat – nicht das, was heute Lenormand heißt.

Die beiden Decks, die ihren Namen tragen, entstanden erst nach ihrem Tod 1843:

DeckHerkunftVerbindung zu Etteilla
Grand Jeu de Mlle Le Normand (54 Karten)Paris 1845, später GrimaudDirekt. Astrologie, griechische Mythologie, Alchemie und Blumensymbolik auf einer Karte – genau die Schichtung, die Etteilla eingeführt hatte. Das Grand Jeu ist Etteillas Erbe unter Lenormands Namen.
Petit Lenormand (36 Karten)aus „Das Spiel der Hoffnung“, Nürnberg um 1799Keine. Johann Kaspar Hechtel entwarf es als Gesellschaftsspiel. Erst ab 1846 wurde es unter Lenormands Namen vermarktet. Die eingedruckten Spielkarten stammen allerdings aus derselben Kartomantie-Tradition, die Etteilla begründet hat.

Wer heute mit den 36 Lenormandkarten legt, arbeitet also mit einem deutschen Brettspiel aus dem Jahr 1799 – aber nach einer Deutungslogik, deren Grundregeln ein Pariser Samenhändler dreißig Jahre zuvor aufgeschrieben hat.

Tarot oder Lenormand – was ist der Unterschied?

Beide Systeme stammen aus derselben Pariser Wurzel, gehen aber in entgegengesetzte Richtungen:

KriteriumTarotLenormand
Kartenzahl7836
Einzelkartevielschichtig, aus sich heraus deutbarknapp, eindeutig, oft ein einziger Begriff
Aussage entsteht durchSymbolik und PositionKombination benachbarter Karten
Umkehrungenüblich (seit Etteilla)nicht gebräuchlich
Typische Frage„Was steckt dahinter?“„Was passiert konkret?“

Das Tarot beantwortet die Frage nach dem Warum, das Lenormand die nach dem Was. Wer beides kann, wählt nach Frage – nicht nach Vorliebe. Mehr dazu, wie viele Karten wirklich zum System gehören, steht in der Übersicht Wie viele Karten hat das Lenormand?

Häufige Fragen zum Etteilla-Tarot

Wer war Etteilla?

Etteilla war das Pseudonym von Jean-Baptiste Alliette (1738–1791), einem Pariser Okkultisten und dem ersten Menschen, der nachweislich vom Kartenlegen lebte. Der Name ist schlicht sein rückwärts geschriebener Nachname. Er veröffentlichte ab 1770 mehrere Bücher über Kartomantie, gründete 1788 die erste Kartenlege-Schule und brachte 1789 das erste eigens für die Divination gestaltete Tarot-Deck heraus.

78 Karten, durchgehend von 1 bis 78 nummeriert. Anders als beim Marseille- oder Rider-Waite-Tarot sind Große und Kleine Arkana dabei nicht scharf getrennt; die ersten sieben Karten bilden eine eigene Gruppe zur Erschaffung der Welt. Das Petit Etteilla ist davon zu unterscheiden: Es hat nur 32 Karten plus die Etteilla-Karte.

Nicht mit dem 78-Karten-Tarot, aber mit Etteillas Methode. Sie arbeitete mit gewöhnlichen Spielkarten nach dem System, das Etteilla im Petit Etteilla festgeschrieben hatte. Die Karten, die heute ihren Namen tragen, hat sie nie gesehen – beide Lenormand-Decks erschienen erst nach ihrem Tod 1843.

Das Grand Etteilla ist das 78 Karten starke Tarot-Deck von 1789. Das Petit Etteilla ist kein Tarot, sondern ein 32-Karten-Spielblatt mit aufgedruckten Deutungen – das Arbeitsgerät der französischen Kartenlegerinnen des 18. und 19. Jahrhunderts und der direkte Vorläufer der heutigen Skatkarten-Kartomantie.

Nein. Die Ägypten-These geht auf Court de Gébelin (1781) zurück und wurde von Etteilla übernommen, ist historisch aber widerlegt. Das Tarot entstand im 15. Jahrhundert in Norditalien als Kartenspiel. Die ägyptische Herkunftsgeschichte war eine Erzählung ihrer Zeit, kein Befund.

Ja. Am verbreitetsten ist das Grand Etteilla II als „Tarot Égyptien“ von Grimaud. Vom Urdeck von 1789 gibt es Faksimile-Ausgaben, und auf Deutsch existiert „Das Etteilla-Tarot“ mit Begleitbuch von Helmut Werner. Wer eine bestimmte Fassung sucht, sollte auf die Bezeichnung Grand Etteilla I, II oder III achten – die Bilder unterscheiden sich deutlich.

Eher nicht. Die eigenwillige Nummerierung, die französischen Aufdrucke und die fehlende Trennung der Arkana machen den Einstieg schwer, wenn man vom Rider-Waite kommt. Als historisches Studienobjekt ist es dagegen unersetzlich – und wer die Wurzeln des Lenormand verstehen will, kommt an ihm nicht vorbei.

Woher das Kartenlegen kommt, das wir heute machen

Das Etteilla-Tarot war kein Zwischenschritt, sondern der Bruch: Vor Alliette war Kartenlegen mündliche Überlieferung, danach war es ein aufschreibbares, lehrbares, verkaufbares System. Marie Anne Lenormand baute ihre Karriere auf diesem System auf, das Grand Jeu trägt seine Handschrift, und selbst die kompakten 36 Karten des Petit Lenormand folgen einer Deutungslogik, die er erfunden hat. Wer wissen will, warum eine Karte neben der anderen etwas anderes bedeutet als allein, findet die Antwort bei einem Pariser Samenhändler des 18. Jahrhunderts.

Bild von Damian Garrett

Damian Garrett

Legt seit 2005 die Lenormandkarten. Autor des Lenormand-Praxisbuchs und Entwickler eines eigenen Systems zur Deutung der Kartenkombinationen. Hauptberuflich in der psychologischen Lehre und Forschung. → Mehr über den Autor

Weitere Beiträge
Newsletter

Melde Dich jetzt zum Newsletter an und sichere Dir den GRATIS-Leitfaden mit 5 wertvollen Tipps, um die Lenormand-Kombis richtig zu deuten! 

Bitte sende mir entsprechend Deiner Datenschutzerklärung regelmäßig Informationen zum Kartenlegen und zu folgendem Produktsortiment per E-Mail zu: Leitfäden, Handbücher und Lehrbücher zum Kartenlegen und dem Deuten der Kartenkombinationen.

Rezensionen

Klicke jetzt auf den Link, stöbere durch die ausführlichen Rezensionen und finde das perfekte Deck für Dich! 

Beliebte Karten