Kurz gesagt: Ein Hexenbrett, auch Ouija Brett, Witchboard oder Talking Board genannt, ist eine Tafel mit dem Alphabet von A bis Z, den Ziffern 0 bis 9, den Feldern JA und NEIN und dem Abschiedsgruß AUF WIEDERSEHEN. Zwei oder mehr Personen legen die Fingerspitzen auf einen Zeiger, die Planchette, stellen eine Frage und sehen zu, wie der Zeiger über das Brett gleitet und Antworten buchstabiert. In der Spiritualität gilt das Brett als Werkzeug, um mit der Geisterwelt in Kontakt zu treten. Geister stecken aber nicht dahinter, dafür ein seit 1852 untersuchtes Phänomen: unbewusste Muskelbewegungen, die sich anfühlen, als käme die Kraft von außen. Hier kannst Du das Hexenbrett kostenlos online befragen. Danach erkläre ich Dir als Psychologe, was die Planchette wirklich bewegt, wie eine Séance mit einem echten Brett abläuft, woher das Ouija Brett kommt und wann Du es lieber lassen solltest.
Das Online-Hexenbrett unten entscheidet per Zufall und speichert nichts. Es ist kein magisches Brett, das ein Portal in eine andere Welt öffnet, sondern ein Spiegel: Es zeigt Dir, wie Du auf eine Antwort reagierst. Genau das macht es zu einer brauchbaren Entscheidungshilfe, so wie das Pendel-Orakel, das nach demselben Prinzip funktioniert.
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Hexenbrett online befragen: Stell Deine Frage
Wähle, ob Du eine Ja-Nein-Frage stellst oder ein Wort als Botschaft willst. Denk an Deine Frage, tippe auf „Hexenbrett befragen“ und sieh zu, wohin die Planchette gleitet.
Die Frage wird nicht gespeichert und nicht ausgewertet. Sie steht nur über Deiner Antwort. Am besten fragst Du nach etwas, das Du selbst entscheidest: „Sollte ich …?“
Die Planchette buchstabiert eines von 36 Wörtern, zum Beispiel MUT, GEDULD oder LOSLASSEN, und Du bekommst eine Deutung mit einer Frage an Dich. Die Frage oben wird nicht gespeichert.
Denk an Deine Frage und tippe auf „Hexenbrett befragen“.
Dieselbe Frage zum zweiten Mal? Das Brett ist kein Würfel, den man so lange wirft, bis die Sechs kommt. Achte lieber darauf, wie sich die erste Antwort angefühlt hat, das ist die eigentliche Auskunft.
Der Gefühls-Check: Wie geht es Dir mit dieser Antwort?
Das Online-Hexenbrett entscheidet per Zufallsgenerator (Ja-Nein-Frage: 40 % Ja, 40 % Nein, 20 % offen; Wort-Botschaft: eines von 36 Wörtern), speichert nichts und kennt keine Geister. Was es kann: Dir zeigen, wie Du auf eine Antwort reagierst. Warum sich die Planchette auf einem echten Brett bewegt, steht weiter unten.
Hexenbrett auf einen Blick
| Frage | Kurz beantwortet |
| Was ist ein Hexenbrett? | Eine Tafel mit Buchstaben, Ziffern, JA, NEIN und AUF WIEDERSEHEN plus ein beweglicher Zeiger, die Planchette. Andere Namen: Ouija Brett (auch Ouijabrett in einem Wort), Ouija Board, Witchboard, Talking Board, Geisterbrett, Seelenschreiber, Alphabettafel, magisches Brett. Oft auch falsch als Quija Brett oder Oujia geschrieben. |
| Wie befragt man es? | Zwei oder mehr Personen legen die Fingerspitzen locker auf die Planchette, eine stellt eine Frage, alle warten, bis sich der Zeiger bewegt, und lesen die Buchstaben ab. Zum Schluss wird die Planchette auf AUF WIEDERSEHEN geführt. |
| Funktioniert es? | Ja, die Planchette bewegt sich fast immer. Nein, nicht durch Geister: Die Bewegung kommt aus den Händen der Beteiligten, ohne dass sie es merken. Das nennt man den ideomotorischen Effekt. |
| Ist es gefährlich? | Nicht durch Dämonen, aber durch das, was Angst, Erwartung und Gruppendruck mit Menschen machen. Für Kinder, für Menschen in akuter Trauer und für Menschen in einer seelischen Krise rate ich ab. |
| Woher kommt es? | Aus dem Spiritismus des 19. Jahrhunderts. 1890 brachte die Kennard Novelty Company in Baltimore das erste „Ouija“ als Spiel heraus, 1891 wurde es patentiert. Seit 1966 gehört die Marke zu Parker Brothers, heute zu Hasbro. |
| Was heißt Ouija? | Das ist nicht geklärt. Die Gründer erzählten, das Brett habe sich den Namen selbst gegeben. Die beliebte Erklärung aus dem französischen „oui“ und dem deutschen „ja“ kam erst später auf. |
| Kann ich es online befragen? | Ja, oben auf dieser Seite: kostenlos, ohne Anmeldung, mit Ja-Nein-Frage oder einem Wort als Botschaft. |
Hexenbrett online befragen: So funktioniert das Ouija Brett kostenlos, Schritt für Schritt
Das Hexenbrett oben ist ein echtes Brett in Form einer Zeichnung: Du siehst die beiden Buchstabenbögen, die Ziffernreihe, JA links oben unter der Sonne, NEIN rechts oben unter dem Mond und den Abschiedsgruß am unteren Rand. Die Planchette liegt in der Mitte. Was fehlt, sind fremde Hände, und genau deshalb kann ich Dir sagen, was sie bewegt: ein Zufallsgenerator in Deinem Browser. Nichts wird an uns übertragen, nichts gespeichert, Deine Frage bleibt bei Dir.
| Schritt | So geht es | Warum |
| 1. Art der Frage wählen | „Ja oder Nein“ für eine Entscheidung, „Ein Wort als Botschaft“ für eine offene Frage wie „Worauf sollte ich gerade achten?“ | Ein Hexenbrett kann zwei Dinge: ein Feld wählen oder buchstabieren. Beides gibt es hier getrennt, damit die Antwort zur Frage passt. |
| 2. Frage formulieren | Tipp die Frage ins Feld, am besten als „Sollte ich …?“. Das ist freiwillig. | Die Frage wird nicht ausgewertet. Sie steht nur über Deiner Antwort und hilft Dir beim Nachspüren. |
| 3. „Hexenbrett befragen“ tippen | Die Planchette sammelt sich, gleitet zu JA oder NEIN oder buchstabiert ein Wort und verabschiedet sich mit AUF WIEDERSEHEN. | Der Ablauf folgt dem Ritual eines echten Bretts, Buchstabe für Buchstabe, damit sich das Erlebnis ähnlich anfühlt. |
| 4. Antwort lesen | Du bekommst die Antwort, eine kurze Deutung und eine Frage an Dich. | Die Deutung ersetzt keine Beratung. Sie lenkt den Blick auf das, was Du selbst entscheiden kannst. |
| 5. Gefühls-Check | Erleichtert, enttäuscht oder gleichgültig? Tipp an, was zutrifft. | Das ist der eigentliche Nutzen: Deine Reaktion verrät Deine Tendenz, nicht das Brett. |
| 6. Schluss | Eine Frage, eine Antwort. Dieselbe Frage erst wieder stellen, wenn sich etwas geändert hat. | Wer nachfragt, bis die Wunschantwort kommt, macht jedes Orakel wertlos, auch dieses. |
Ganz offen zu den Zahlen: Bei einer Ja-Nein-Frage kommt mit 40 Prozent Wahrscheinlichkeit JA, mit 40 Prozent NEIN, und in 20 Prozent der Fälle buchstabiert die Planchette OFFEN oder WARTE, weil ein echtes Brett auch nicht immer klar antwortet. Bei der Wort-Botschaft wählt der Zufall eines von 36 ausgewählten Wörtern, von MUT über GEDULD bis LOSLASSEN, jedes mit einer eigenen Deutung. Die Zufallszahlen erzeugt Dein Browser selbst. Ich halte es für wichtiger, das klar zu sagen, als mit Nebel und Gänsehaut zu arbeiten. Warum die Befragung trotzdem hilfreich sein kann, steht im Abschnitt zur Entscheidungshilfe weiter unten.
Was auf dem Ouija Brett steht: Alphabet, Ziffern, Sonne und Mond
Die meisten Hexenbretter sehen sich erstaunlich ähnlich, weil sie alle auf das Brett zurückgehen, das William Fuld ab 1901 in Baltimore herstellte. Die Anordnung ist kein Zufall, sondern Ergonomie: Alles liegt so, dass eine Planchette es in einer flüssigen Bewegung erreicht.
| Element | Was es bedeutet | Woher es kommt |
| Buchstaben A bis Z in zwei Bögen | Die Planchette buchstabiert Wörter und Namen. | Von den Alphabettafeln der Spiritisten ab den 1850er Jahren: Ein Medium zeigte nacheinander auf Buchstaben, und Klopfzeichen bestätigten den richtigen. Das Brett machte daraus eine Tafel für alle. |
| Ziffern 0 bis 9 | Zahlen, Daten, Alter, Uhrzeiten. | Ebenfalls von den Alphabettafeln; auf dem Kennard-Brett von 1890 schon vorhanden. |
| JA und NEIN | Schnelle Antworten ohne Buchstabieren. | Die häufigste Frageform. Auf englischen Brettern YES und NO, auf deutschen JA und NEIN. |
| Sonne und Mond | Schmuck ohne Funktion: die Sonne bei JA, der Mond bei NEIN. | Auf den klassischen Brettern des frühen 20. Jahrhunderts üblich geworden und seitdem Teil des Bildes, das jeder vom Ouija-Brett im Kopf hat. |
| AUF WIEDERSEHEN | Beendet die Sitzung. Englisch GOOD BYE. | Gehört zum Ritual: Wer die Planchette dorthin führt, schließt das Gespräch ab. Deshalb steht es unten in der Mitte, dort, wo die Hände am Ende zur Ruhe kommen. |
| Planchette | Herzförmiger Zeiger auf drei Füßen, meist mit einem runden Fenster, durch das man den Buchstaben sieht. | Französisch „kleines Brett“. Um 1853 in Frankreich als Schreibhilfe erfunden: ein Brettchen auf Rollen mit einem Bleistift, das „automatisch“ schrieb. Für die Buchstabentafel bekam es statt des Stifts ein Fenster. |
| Hände | Zwei bis vier Personen legen die Fingerspitzen auf. | Mehr Hände heißt mehr unbewusste Bewegung und mehr Überraschung. Allein bewegt sich die Planchette seltener und langsamer. |
In Deutschland gibt es neben dem gekauften Brett eine ältere, billigere Variante, das Gläserrücken: Buchstaben auf Zettel oder Papierkreis, ein umgedrehtes Glas als Zeiger, Fingerspitzen auf den Glasboden. Das Prinzip ist dasselbe, der Effekt auch. Dazu unten mehr.
Hexenbrett-Regeln: So läuft eine Séance mit einem echten Witchboard ab
Wer nach den Regeln für das Ouija-Brett sucht, findet im Netz eine Mischung aus Spielanleitung, Horrorfilm und Forumsfolklore. Ich beschreibe Dir den Ablauf so, wie er sich in den letzten 130 Jahren eingespielt hat, und sage Dir zu jedem Schritt, was er psychologisch bewirkt. Dann kannst Du selbst entscheiden, was Du davon übernimmst.
| Schritt | So geht es | Worauf Du achtest |
| 1. Ort und Licht | Ein ruhiger Raum, gedämpftes Licht, eine Kerze reicht. Handys weg. | Dämmerlicht ist Teil des Rituals, es macht aber auch ängstlicher und lässt das Gehirn in Schatten Gestalten sehen. Wer sich leicht fürchtet, lässt das Licht an. Der Effekt funktioniert auch bei Tageslicht. |
| 2. Zu zweit oder zu dritt | Alle sitzen so, dass sie die Planchette bequem erreichen; das Brett liegt auf dem Tisch oder auf den Knien. | Allein funktioniert es schlechter, weil die eigenen Bewegungen eher auffallen. Mit mehreren Händen spürt jeder die anderen und keiner sich selbst. |
| 3. Fingerspitzen auflegen | Ganz leicht, nicht drücken, die Arme bleiben locker, die Planchette steht in der Mitte. | Je lockerer die Muskeln, desto eher setzt sich der Zeiger in Bewegung. Verkrampfte Hände bremsen den Effekt. |
| 4. Begrüßen und fragen | Ein Fragesteller spricht für alle. Erst „Ist jemand da?“, dann kurze, klare Fragen, nacheinander. | Die Begrüßung schafft Erwartung, und Erwartung bewegt Hände. Nach spätestens ein, zwei Minuten rührt sich die Planchette fast immer. |
| 5. Warten und ablesen | Ein Protokollant notiert jeden Buchstaben, auch Unsinn, ohne zu deuten. | Beim Ablesen entstehen Wörter, die niemand geplant hat. Das Notieren verhindert, dass das Gedächtnis hinterher Sinn in Buchstabensalat legt. Gekicher ist übrigens erlaubt: Lachen lockert die Hände, und lockere Hände bewegen den Zeiger. |
| 6. Verabschieden | Die Planchette gemeinsam auf AUF WIEDERSEHEN führen, Hände weg, Brett wegräumen. Will jemand vorher aussteigen, gilt: Abbruch der Séance, ohne Diskussion. | Der Abschluss gehört zur Hygiene des Rituals. Er ist für das Gefühl wichtig, nicht für Geister: Wer sauber aufhört, nimmt weniger Unruhe mit ins Bett. |
| 7. Danach reden | Was haben wir gefühlt? Wer hat welche Antwort erwartet? Wer hat die Planchette gespürt? | Das Gespräch danach ist der wertvollste Teil der Sitzung. Hier wird aus Gänsehaut Erkenntnis. |
Dazu kommen die Regeln aus Filmen und Foren: nie allein spielen, nie zu Hause, nie nach dem eigenen Tod fragen, die Planchette nicht durch alle Buchstaben oder rückwärts durch die Zahlen laufen lassen, das Brett nie verbrennen, immer verabschieden. Manche ziehen vorher einen magischen Kreis aus Salz oder zünden Kerzen in den vier Himmelsrichtungen an, so wie es in Büchern über Hexen und Rituale steht. Keine dieser Regeln hat etwas mit Geistern zu tun, aber alle haben einen Sinn: Sie setzen Grenzen und geben ein Gefühl von Kontrolle. Wer vorher festlegt, wann Schluss ist, gerät seltener in die Angstspirale, von der ich weiter unten erzähle. Ein Medium brauchst Du übrigens nicht. Das Brett funktioniert mit jedem Menschen, der Hände hat und etwas erwartet.
Welche Fragen Du dem Hexenbrett stellen kannst und welche nicht
Das Brett kennt nur das, was in den Köpfen am Tisch steckt. Deshalb taugt es für Fragen, die Dich selbst betreffen und die Du selbst entscheiden kannst: „Sollte ich das Gespräch noch einmal suchen?“, „Bin ich bereit für den Wechsel?“, „Worauf sollte ich diese Woche achten?“. Solche Fragen bringen eine Tendenz ans Licht, die Du schon in Dir trägst, und manchmal die Klarheit, die Dir beim Grübeln gefehlt hat. Offene Fragen wie „Was erwartet mich?“ liefern dagegen nur Buchstabensalat oder ein Wort, in das jeder am Tisch etwas anderes hineinliest.
Nichts verloren hat das Brett bei Fragen nach Krankheit, Schwangerschaft, Medikamenten, Todeszeitpunkten, nach den geheimen Absichten anderer Menschen oder nach Geld- und Rechtsentscheidungen. Es weiß dort nichts, und eine zufällige Antwort kann Dich in die falsche Richtung schieben. Für wichtige Entscheidungen bleibt die Befragung des Bretts ein Gedankenanstoß; die Entscheidung selbst gehört in ein Gespräch mit Menschen, die Dich kennen, oder mit einem Berater, der sein Fach versteht. Besonders vorsichtig wäre ich bei dem Wunsch, über das Brett Kontakt zu Verstorbenen aufzunehmen. Die Antworten kommen aus dem eigenen Inneren, und in akuter Trauer verstärken sie leicht Schuldgefühle und Ängste. Was Hinterbliebene wirklich erleben und wie Du damit liebevoll umgehst, steht auf der Seite Zeichen von Verstorbenen.
Geschichte des Hexenbretts: Vom Tischrücken zum Spielzeug und zum Horrorfilm
Das Hexenbrett ist jünger, als es aussieht, und sein Weg führt vom Wohnzimmer über die Spielwarenfabrik ins Kino. Die Zutaten sind alt, das Produkt stammt von 1890.
Vorläufer: Fuji-Schreiben in China und das Tischrücken von 1853
Dass Menschen ein Schreibgerät von „Geistern“ führen lassen, ist keine amerikanische Erfindung. In China ist das Fuji-Schreiben seit dem 5. Jahrhundert belegt und war in der Song-Zeit weit verbreitet: Zwei Personen halten ein Sieb oder einen Rahmen, an dem ein Stab hängt, und der Stab schreibt Zeichen in Sand oder Asche. Es wird bis heute in daoistischen Tempeln praktiziert. Die direkte Linie zum Hexenbrett beginnt aber im Spiritismus: 1848 behaupteten die Schwestern Fox in Hydesville im Staat New York, über Klopfzeichen mit einem Geist zu sprechen, und binnen weniger Jahre saßen Menschen in Amerika und Europa um Tische, die sich unter ihren Händen drehten und kippten. 1853 erreichte das Tischrücken Europa als regelrechte Mode. Noch im selben Jahr zeigte der Physiker Michael Faraday mit einer einfachen Versuchsanordnung, dass die Hände der Teilnehmer den Tisch schoben, ohne dass sie es wussten, und 1852 hatte der Physiologe William Carpenter dafür schon das Wort geprägt, das bis heute gilt: ideomotorisch. Dazu gleich mehr.
Weil Klopfzeichen langsam sind, erfanden die Spiritisten Abkürzungen: Alphabettafeln, auf die ein Medium zeigte, und um 1853 in Frankreich die Planchette, ein kleines Brett auf Rollen mit einem Bleistift, das „von selbst“ schrieb. 1886 berichteten amerikanische Zeitungen über ein neues „Talking Board“ aus spiritistischen Kreisen in Ohio: eine Tafel mit Buchstaben, über die ein Zeiger glitt. Das war das Hexenbrett, nur noch ohne Namen und ohne Firma.
1890: Ein Spielwarenhändler, ein Anwalt und ein Name aus dem Brett
Beides lieferte Baltimore. 1890 gründeten der Geschäftsmann Charles Kennard, der Anwalt Elijah Bond und einige Investoren die Kennard Novelty Company, um das Brett als Spiel zu verkaufen. Am 10. Februar 1891 erhielt Elijah Bond das US-Patent 446.054 auf das „Ouija“. Nach der Überlieferung musste das Brett im Patentamt erst beweisen, dass es funktioniert, indem es den Namen des Prüfers buchstabierte; ob die Geschichte stimmt, lässt sich nicht prüfen, aber sie wurde von Anfang an als Werbung erzählt. Auch der Name hat eine Legende: Bonds Schwägerin Helen Peters, die als Medium galt, habe das Brett gefragt, wie es heißen wolle, und es habe „Ouija“ buchstabiert und auf Nachfrage erklärt, das bedeute „Glück“. Die hübsche Erklärung aus dem französischen „oui“ und dem deutschen „ja“ stammt aus späterer Zeit. Verkauft wurde das Brett als Gesellschaftsspiel für Paare und Familien, nicht als Geisterbeschwörung.
William Fuld, Patience Worth und das Modejahr 1920
Kennard und Bond waren bald raus aus der Firma. Ab 1901 führte William Fuld das Geschäft, nannte sich selbst den Erfinder des Bretts und machte „Ouija“ zur Marke. Sein Name steht bis heute auf den klassischen Brettern. 1927 starb Fuld nach einem Sturz vom Dach seiner Fabrik in Baltimore, bei dem er den Austausch eines Fahnenmasts beaufsichtigte. Dass das Brett ihm geraten habe, genau diese Fabrik zu bauen, gehört zu den Geschichten, die sich um Ouija ranken.
Berühmt wurde das Brett durch Pearl Curran aus St. Louis. 1913 meldete sich bei ihren Sitzungen eine Stimme, die sich Patience Worth nannte und behauptete, eine Engländerin aus dem 17. Jahrhundert zu sein. Über zwei Jahrzehnte entstanden so Millionen Wörter: Gedichte, Romane, Theaterstücke, zuerst über das Brett, später diktierte Curran direkt. Eine historische Patience Worth hat nie jemand gefunden. Als Beispiel dafür, was ein Mensch über das Brett aus sich herausholen kann, ohne es sich selbst zuzuschreiben, ist der Fall bis heute unerreicht.
In den 1910er und 1920er Jahren war das Brett in den USA Alltagsgegenstand. Am 1. Mai 1920 zeigte die Saturday Evening Post auf dem Titel ein Gemälde von Norman Rockwell: ein junges Paar, Knie an Knie, die Hände auf der Planchette. Das Bild zeigt gut, wie das Brett damals gesehen wurde: als Spiel, bei dem man sich näherkommt.
1966 bis heute: Parker Brothers, Der Exorzist und die Ouija-Filme
1966 kaufte der Spielehersteller Parker Brothers die Rechte. Schon 1967 verkaufte das Brett sich rund zwei Millionen Mal und damit laut Firmenangaben besser als Monopoly. Dann kam 1973 „Der Exorzist“: Die zwölfjährige Regan spielt mit dem Ouija-Brett, spricht mit „Captain Howdy“, und der Rest des Films zeigt, was daraus wird. Seitdem gehört das Brett in die Horrorkiste. 1986 baute „Witchboard – Die Hexenfalle“ als erster Film die ganze Handlung um das Brett, 2014 spielte „Ouija – Spiel nicht mit dem Teufel“ mit einem Budget von wenigen Millionen Dollar weltweit über hundert Millionen ein, 2016 folgte „Ouija: Ursprung des Bösen“. Die Rechte an der Marke Ouija liegen seit 1991 bei Hasbro, dem Käufer von Parker Brothers, und das Brett steht bis heute in Spielwarenregalen, meist neben Monopoly. Aus dem Paarspiel von 1920 ist ein Symbol für alles Mystische und Unheimliche geworden, das vor allem rund um Halloween hervorgeholt wird.
Gläserrücken: die deutsche Variante
In Deutschland verbreitete sich das Prinzip vor allem ohne gekauftes Brett. Beim Gläserrücken legt man Zettel mit Buchstaben, Ziffern, Ja und Nein im Kreis auf den Tisch und stellt ein umgedrehtes Glas in die Mitte; alle legen einen Finger auf den Glasboden. Es ist das Pausenhof- und Klassenfahrt-Ritual von Generationen und funktioniert genauso wie die Planchette, nur mit einem Zeiger, der noch leichter gleitet. Wer in einem deutschen Forum von seinen Erfahrungen mit dem Hexenbrett erzählt, meint oft das Glas.
| Jahr | Was geschah | Warum es zählt |
| 5. Jahrhundert | Erste Belege für das chinesische Fuji-Schreiben mit geführtem Stab | Die Idee, ein Werkzeug von „Geistern“ führen zu lassen, ist über 1.500 Jahre alt. |
| 1848 | Die Schwestern Fox in Hydesville und ihre Klopfzeichen | Beginn des modernen Spiritismus, der Boden für das Brett |
| 1852 | William Carpenter prägt den Begriff „ideomotorisch“ | Die Erklärung gab es vor dem Produkt. |
| 1853 | Tischrücken als Mode in Europa; Faradays Versuch; Planchette in Frankreich | Beweis, dass Hände unbewusst schieben, und das Vorläufer-Gerät |
| 1886 | Zeitungsberichte über „Talking Boards“ in Ohio | Das Brett existiert, nur noch ohne Namen. |
| 1890 | Kennard Novelty Company in Baltimore bringt „Ouija“ heraus | Aus dem spiritistischen Hilfsmittel wird ein Spiel. |
| 1891 | US-Patent 446.054 für Elijah Bond | Das Datum, das in jeder Geschichte des Bretts steht |
| 1901 | William Fuld übernimmt und prägt die Marke | Sein Brett ist bis heute das Vorbild aller anderen. |
| 1913 | Pearl Curran und „Patience Worth“ | Der bekannteste Fall von Literatur aus dem Brett |
| 1920 | Norman Rockwells Ouija-Titelbild | Das Brett als harmloses Paarspiel im Mainstream |
| 1927 | William Fuld stirbt nach dem Sturz vom Fabrikdach | Beginn der Legenden um den „Fluch“ des Bretts |
| 1966 / 1967 | Parker Brothers kauft Ouija; rund zwei Millionen Bretter in einem Jahr | Höhepunkt als Spielzeug |
| 1973 | „Der Exorzist“ | Der Wendepunkt vom Spiel zum Horror |
| 1986 | „Witchboard – Die Hexenfalle“ | Erster Film, der ganz um das Brett gebaut ist; daher der Name Witchboard |
| 1991 | Hasbro übernimmt Parker Brothers und die Marke | Deshalb heißen Nachbauten heute Witchboard oder Hexenbrett. |
| 2014 / 2016 | „Ouija – Spiel nicht mit dem Teufel“ und „Ouija: Ursprung des Bösen“ | Die Filme prägen, was junge Menschen heute vom Brett erwarten. |
| 2015 | „Charlie Charlie Challenge“ mit zwei Bleistiften | Dasselbe Prinzip als Internet-Trend |
Warum sich die Planchette bewegt: Das Phänomen heißt ideomotorischer Effekt
Jetzt zum Kern. Wenn mehrere Menschen die Fingerspitzen auf eine Planchette legen und auf eine Bewegung warten, dann bewegt sie sich. Fast immer. Und fast immer sind alle am Tisch sicher, dass sie selbst nicht geschoben haben. Beides stimmt auf eine Weise: Niemand hat absichtlich geschoben, und trotzdem kam jede Bewegung aus diesen Händen. Das ist wissenschaftlich gut untersucht, und man kann es an jedem Küchentisch analysieren.
Der Vorgang heißt ideomotorischer Effekt, benannt 1852 von William Carpenter in einem Vortrag an der Royal Institution in London. Carpenters Beobachtung: Eine Vorstellung („die Planchette gleitet gleich nach links“) reicht, um winzige Muskelbewegungen auszulösen, die genau diese Bewegung herbeiführen, ohne dass ein Entschluss dazwischenliegt. Wir merken das nicht, weil unsere Wahrnehmung Bewegungen nur dann als eigene verbucht, wenn das Gehirn sie vorher geplant hat. Hier fehlt der Plan, also fühlt sich die Bewegung fremd an. Wer will, darf das Unterbewusstsein nennen; gemeint ist nichts Geheimnisvolles, sondern die Arbeit, die das Gehirn ständig erledigt, ohne uns zu fragen. Michael Faraday prüfte das 1853 am Tischrücken: Er legte Pappscheiben auf den Tisch, die sich gegeneinander verschieben konnten, und einen Zeiger, der schon kleinste Verschiebungen anzeigte. Ergebnis: Die Hände bewegten sich vor dem Tisch, nicht umgekehrt. Und sobald die Teilnehmer den Zeiger sehen konnten, hörte der Tisch auf, sich zu drehen. Noch früher, 1833, hatte der Chemiker Michel-Eugène Chevreul dasselbe am Pendel gezeigt. Wie das genau ablief, erkläre ich auf der Seite zum Pendel-Orakel; das Pendel ist das Hexenbrett für eine Hand.
Beim Hexenbrett kommt eine Verstärkung dazu: Es sind mehrere Hände. Jede schiebt ein bisschen, jede spürt den Widerstand der anderen, und jede schließt daraus, dass die Kraft von woanders kommt. Aus vier kleinen, unbewussten Impulsen entsteht eine Bewegung, die keiner der Beteiligten allein erzeugt hätte und keiner sich zuschreibt. Darum funktioniert das Brett in der Gruppe so viel besser als allein.
Zwei Hände, ein Wort: Was Blickmessungen aus Aarhus zeigen
Wie aus diesen Impulsen sinnvolle Wörter werden, hat eine Forschungsgruppe um Marc Andersen von der Universität Aarhus untersucht. Sie fuhr zu einer Ouija-Tagung in den USA, stattete 40 erfahrene Teilnehmer paarweise mit mobilen Eye-Trackern aus und ließ sie zwei Dinge tun: eine normale Sitzung abhalten und danach absichtlich vorgegebene Wörter buchstabieren. Das Ergebnis, veröffentlicht 2019: Beim absichtlichen Buchstabieren schauten die Teilnehmer meist schon auf den nächsten Buchstaben, bevor die Planchette dort ankam. In der echten Sitzung taten sie das deutlich seltener; keiner der beiden kannte das Wort im Voraus. Trotzdem entstanden Wörter. Die Erklärung der Forscher: Der eine Buchstabe legt den nächsten nahe, beide Partner sagen unbewusst voraus, wie es weitergeht, und schieben ein wenig in diese Richtung. Aus zwei vorhersagenden Köpfen entsteht ein Wort, das keiner geplant hat. Wer an Geister glaubte, berichtete dabei ein schwächeres Gefühl, die Bewegung selbst zu steuern, als die Skeptiker am selben Tisch.
Die Hand weiß mehr als der Kopf: das Ouija-Experiment aus Vancouver
Dass die Planchette Wissen hervorholen kann, das der Kopf nicht abrufen kann, zeigte 2012 eine Studie von Hélène Gauchou, Ronald Rensink und Sidney Fels an der University of British Columbia. Versuchspersonen beantworteten allgemeine Wissensfragen mit Ja oder Nein, einmal auf normalem Weg und einmal über ein Hexenbrett. Sie glaubten, ein Partner in einem anderen Raum bewege den Zeiger mit; in Wahrheit war es ein Roboter, der ihre eigenen Bewegungen spiegelte und verstärkte. Bei Fragen, bei denen die Personen angaben, nur zu raten, lagen sie im normalen Antwortmodus bei rund 50 Prozent, also Zufall. Über das Brett lagen sie bei etwa 65 Prozent richtig. Die Hand hatte Zugriff auf Wissen, dem der Kopf nicht traute. Das ist kein Beweis für Geister, aber ein guter Hinweis darauf, warum Antworten vom Brett so oft stimmig wirken: Sie kommen aus demselben Gedächtnis wie die Frage.
Erwartung, Gruppe und Dämmerlicht: Warum Sitzungen so eindrücklich sind
Der ideomotorische Effekt erklärt die Bewegung. Das Erlebnis erklärt er nur zur Hälfte. Der Rest ist Erwartung und Ansteckung. Wer sich im Halbdunkel mit anderen an einen Tisch setzt und „Ist jemand da?“ fragt, hat schon entschieden, was er gleich erleben wird. Ein Luftzug, ein Knacken im Holz, der Herzschlag des Nachbarn werden zu Zeichen. Angst ist ansteckend: Wenn eine Person erschrickt, erschrecken alle, und die Hände werden unruhiger, also bewegt sich die Planchette schneller. Dann kommt der Mustersucher im Kopf dazu, der aus „HLOTE“ ein „HOTEL“ macht und aus einem zufälligen Datum den Todestag der Großmutter. Warum unser Gehirn so arbeitet und warum es bei Nacht besonders gut darin ist, Gestalten und Absichten zu sehen, steht auf der Seite Gibt es Geister?. Und warum uns ein passendes Wort wie eine Botschaft vorkommt, erklärt die Seite zur Synchronizität.
Gestützte Kommunikation: derselbe Effekt mit ernsten Folgen
Der ideomotorische Effekt ist kein Partyphänomen. In der „Gestützten Kommunikation“ führt eine Helferin die Hand eines Menschen, der nicht sprechen kann, etwa mit schwerem Autismus, über eine Buchstabentafel. Es entstehen Texte, die rührend und klug sind. In kontrollierten Tests, bei denen Helferin und gestützte Person verschiedene Bilder sahen, kamen jedoch fast immer die Antworten der Helferin heraus, ohne dass sie es wollte oder merkte. Dieselbe Hand, derselbe Mechanismus wie beim Hexenbrett. Ich erwähne das, weil es zeigt, wie stark und wie unbemerkt dieser Effekt ist, selbst bei Menschen, die es gut meinen und geschult sind.
Der Blindtest: So prüfst Du selbst, wer die Planchette bewegt
Du musst mir nichts glauben. Du kannst es an Deinem Küchentisch prüfen, und ich empfehle es jedem, der eine Sitzung erlebt hat und seitdem grübelt.
- Normale Runde. Stellt eine Frage, deren Antwort ein Wort ist, und notiert, was die Planchette buchstabiert. Meist kommt etwas Lesbares heraus.
- Augen zu. Alle, die die Planchette berühren, bekommen die Augen verbunden. Eine Person, die nicht mitspielt, dreht das Brett lautlos um eine Vierteldrehung oder tauscht es gegen ein Brett mit anderer Buchstabenfolge. Dann dieselbe Frage.
- Vergleichen. Ein Geist, der das Brett sieht, müsste weiter lesbare Wörter liefern. Hände, die sich an die alte Position der Buchstaben erinnern, liefern Buchstabensalat. In solchen Vorführungen kommt zuverlässig Salat heraus.
- Zugabe. Lass eine einzige Person mit offenen Augen allein ans Brett. Die Planchette wird sich bewegen, aber langsamer und oft dorthin, wohin die Person gerade schaut.
Der Test ist seit den Tagen Faradays im Grunde derselbe: Nimm den Händen die Information, und die Botschaft verschwindet. Mach ihn mit Humor, nicht als Entlarvung, sonst fühlt sich jemand bloßgestellt.
Ist das Hexenbrett gefährlich? Geister, Angst und was wirklich passieren kann
Die kurze Antwort: Für Geistwesen, Dämonen, Wesenheiten oder Flüche gibt es keinen Beleg, kein Messgerät hat je paranormale Signale an einem Brett gefunden, und das Brett öffnet kein Portal, weil es nichts gibt, wohin ein Portal führen könnte. Dasselbe gilt für Medien, die über das Brett übersinnliche Wesen channeln wollen: Was dabei herauskommt, stammt aus dem Kopf des Mediums, so wie die Romane von Patience Worth aus dem Kopf von Pearl Curran stammten. Was es über Spuk, Besessenheit und die schwarze Magie zu sagen gibt, steht auf den jeweiligen Seiten. Die ehrliche Antwort ist trotzdem nicht „völlig harmlos“. Gefährlich ist nicht das Brett, sondern das, was es in Menschen auslöst.
Erstens Angst. Eine Sitzung im Dunkeln mit einer Planchette, die „von selbst“ den eigenen Namen schreibt, ist ein starkes Erlebnis, und Angst sucht sich danach ihren Weg: schlechter Schlaf, Geräusche in der Wohnung, das Gefühl, beobachtet zu werden, das klassische Aufwachen um drei Uhr nachts. Wer erwartet, dass ihm etwas folgt, findet die Belege dafür. Das ist der Nocebo-Effekt, die dunkle Schwester des Placebos, und er ist real. Zweitens die Gruppe. Bei Jugendlichen auf Übernachtungspartys kippt eine Sitzung leicht in kollektive Panik, weil Angst ansteckt und keiner der Erste sein will, der aufhört. Drittens die Verletzlichen. Wer gerade trauert, wer zu Ängsten, Zwängen oder psychotischen Episoden neigt, wer in einer Krise steckt, kann aus einer solchen Sitzung etwas mitnehmen, das Wochen bleibt. Für diese Menschen und für Kinder sage ich klar: nicht.
Dazu kommt die religiöse Seite, die ich ernst nehme, auch wenn ich sie anders erkläre. Die katholische Kirche lehnt im Katechismus (Nr. 2116) jede Form der Wahrsagerei ab, ausdrücklich auch das Befragen von Medien und die Totenbeschwörung, und viele evangelikale Gemeinden warnen eindringlich vor dem Ouija-Brett. Wer in diesem Glauben lebt, für den ist die Sitzung kein Spiel, und genau deshalb wirkt sie bei ihm stärker. Das ist kein Widerspruch zur Psychologie, sondern ihre Bestätigung: Was Du glaubst, bestimmt, was Du erlebst.
Zozo, Charlie Charlie und andere Internet-Legenden
Seit den 2000er Jahren kursiert im Netz „Zozo“, ein angeblicher Dämon, der sich bei Ouija-Sitzungen meldet, indem die Planchette zwischen Z und O hin- und herpendelt. 2014 bekam er seinen Film. Die Erklärung ist unspektakulär: Z und O liegen auf dem Brett so, dass eine zitternde Hand leicht zwischen ihnen pendelt, und wer die Legende kennt, erwartet genau das. 2015 ging die „Charlie Charlie Challenge“ um die Welt: zwei Bleistifte kreuzweise auf ein Blatt mit Ja und Nein, die Frage „Charlie, bist Du da?“, und der obere Stift dreht sich. Er dreht sich, weil ein Bleistift auf einem Bleistift auf jeden Atemzug reagiert. Die Aktion entpuppte sich zum Teil als Werbung für einen Horrorfilm. Beides zeigt dasselbe Muster wie das Brett: eine wacklige Mechanik, eine Erwartung und eine Geschichte, die den Rest erledigt.
Was tun, wenn Dir nach einer Sitzung unheimlich ist?
Licht an, Tee kochen, mit jemandem reden, der dabei war, und die Sitzung noch einmal nüchtern durchgehen: Wer hat was gefragt, wer hat was erwartet, wann hat sich die Planchette bewegt? Angst schrumpft, sobald sie Worte bekommt. Wer das Bedürfnis hat, etwas zu vertreiben, darf gern lüften, aufräumen und das Brett in den Schrank legen; das hilft, weil es ein Abschlussritual ist, nicht weil etwas im Zimmer wäre. Dann der Blindtest von oben, am besten bei Tag. Und wenn die Unruhe nach einigen Tagen nicht nachlässt, Du schlecht schläfst oder Dich beobachtet fühlst, sprich mit Deiner Hausärztin oder einer Beratungsstelle. Das ist kein Zeichen von Besessenheit, sondern eine normale Reaktion auf ein starkes Erlebnis, und sie lässt sich gut behandeln. Was es mit der Geisterstunde und den nächtlichen Ängsten auf sich hat, erkläre ich an anderer Stelle.
Entscheidungshilfe: Warum ein Zufallsorakel trotzdem hilft
Wenn das Brett nichts weiß, warum dann befragen? Weil ein zufälliges Ja oder Nein etwas Erstaunliches auslöst: eine Reaktion. In Studien zur Entscheidungsfindung ließ man Menschen eine Münze über eine Frage entscheiden, bei der sie unschlüssig waren. Entscheidend war nicht das Ergebnis, sondern das Gefühl danach. Wer enttäuscht war, wollte das Gegenteil; wer erleichtert war, hatte seine Antwort. Die Münze hat nichts entschieden, sie hat eine Tendenz sichtbar gemacht, die schon da war. Genau dafür ist der Gefühls-Check im Hexenbrett oben gedacht: Die Resonanz in Dir ist die Antwort, nicht das Wort auf dem Brett. Und genau deshalb lohnt es sich, dieselbe Frage nur einmal zu stellen: Die erste Reaktion ist die ehrliche.
Auf dieser Grundlage arbeiten alle Orakel auf dieser Website, vom Ja-Nein-Orakel mit Karten bis zur Legung mit Lenormandkarten. Warum das Kartenlegen Menschen hilft, obwohl die Karten nichts wissen, habe ich auf der Seite Warum Kartenlegen wirkt ausführlich erklärt. Das Hexenbrett ist die einfachste Form davon: ein Zeiger, ein Brett, eine Reaktion.
Hexenbrett, Pendel, Gläserrücken oder Lenormandkarten: Was passt zu Deiner Frage?
Alle vier sind Orakel, aber sie beantworten verschiedene Arten von Fragen. Was ein Orakel ist und welche Familien es gibt, steht auf der Seite Was ist ein Orakel?. Hier der Vergleich für die Praxis:
| Werkzeug | Gut für | Antwort | Wie sie entsteht |
| Hexenbrett | Gruppenerlebnis, Ja-Nein-Fragen, einzelne Wörter | JA, NEIN oder ein buchstabiertes Wort | Unbewusste Bewegung mehrerer Hände; online: Zufall |
| Gläserrücken | Dasselbe ohne gekauftes Brett | Wie beim Hexenbrett | Dieselbe Bewegung, Glas statt Planchette |
| Pendel | Schnelle Ja-Nein-Fragen allein | Ja, Nein, unklar | Unbewusste Bewegung einer Hand; online: Zufall |
| Ja-Nein-Orakel mit Karten | Ja-Nein-Fragen mit Begründung | Tendenz aus drei Karten | Zufallsziehung, Deutung über die Karten |
| Lenormandkarten | Lage, Entwicklung, Rat, Beziehungen | Ein Bild aus mehreren Karten | Zufallsziehung, Deutung nach festen Regeln |
| Runen | Tagesimpuls, Ja-Nein, drei Runen | Ein Zeichen mit Bedeutung | Zufallsziehung aus 24 Runen |
Meine Empfehlung: Fürs Erlebnis mit Freunden das Hexenbrett, fürs schnelle Ja oder Nein das Pendel, und wenn Du wissen willst, warum es so steht und wie es weitergeht, drei Lenormandkarten. Das Runen-Orakel passt, wenn Du einen Impuls für den Tag suchst.
Hexenbrett kaufen oder selbst machen?
Für eine Sitzung brauchst Du kein Markenbrett. Das klassische Ouija-Brett von Hasbro gibt es im Spielwarenhandel, dazu unzählige „Witchboards“ aus Holz oder Pappe in Esoterik-Shops, oft mit schöner Gravur. Weil „Ouija“ eine geschützte Marke ist, heißen die Nachbauten Witchboard, Hexenbrett, Geisterbrett oder Seelenschreiber. Preislich reicht die Spanne vom Taschengeld bis zum handgefertigten Einzelstück; der Effekt ist bei allen gleich, denn er sitzt in den Händen, nicht im Holz.
Selbst machen geht in fünf Minuten: ein großes Blatt, darauf die Buchstaben in zwei Bögen, die Ziffern, JA, NEIN und AUF WIEDERSEHEN, dazu ein kleines Glas oder ein leichter Flaschendeckel als Zeiger. Das ist das Gläserrücken, und es funktioniert sogar besser als manches Brett, weil Glas auf Papier fast ohne Widerstand gleitet. Und wenn Du einfach nur einmal sehen willst, wie es sich anfühlt, nimm das Online-Hexenbrett oben. Es kostet nichts, es speichert nichts, und es sagt Dir hinterher ehrlich, wer die Planchette bewegt hat.
Das Hexenbrett in den Lenormandkarten: Brief, Buch, Mond und Wolken
Eine eigene Karte für das Hexenbrett gibt es im Lenormand nicht, aber vier Karten erzählen, was eine Sitzung ausmacht. Der Brief steht für die Botschaft, die man sich erhofft, und für die Frage, von wem sie wirklich kommt. Das Buch ist das Geheimnis, das Wissen, das noch verborgen liegt, oft im eigenen Kopf. Der Mond ist die Nacht, die Intuition, die Stimmung, die eine Sitzung trägt. Und die Wolken sind die Unklarheit, aus der jede Frage ans Brett kommt. Wer diese vier Karten zieht, kann sich fragen, ob er gerade eine Antwort sucht oder ein Gefühl.
Fazit: Das Hexenbrett zeigt, was in Deinen Händen liegt
Das Hexenbrett ist 1890 als Spiel auf die Welt gekommen, wurde durch einen Horrorfilm zum Schrecken und ist in Wahrheit eines der anschaulichsten Experimente der Psychologie: Es zeigt, dass unsere Hände Dinge tun, von denen wir nichts wissen, und dass mehrere Köpfe zusammen Wörter bilden können, die keiner geplant hat. Geister braucht es dafür nicht, Erwartung und ein bisschen Dämmerlicht genügen. Wer das weiß, kann das Brett entspannt benutzen, als Spiel, als Gesprächsanlass oder als Spiegel für eine Frage, die ihn beschäftigt. Wer es nicht weiß, kann sich damit ordentlich erschrecken. Die Antwort auf Deine Frage steht nicht im Brett. Sie steht in dem Moment, in dem die Planchette ankommt und Du merkst, was Du Dir gewünscht hast.
Häufige Fragen zum Hexenbrett
Was ist ein Hexenbrett?
Ein Hexenbrett ist eine Tafel mit den Buchstaben A bis Z, den Ziffern 0 bis 9, den Feldern JA und NEIN und dem Abschiedsgruß AUF WIEDERSEHEN. Dazu gehört ein Zeiger, die Planchette, auf den mehrere Personen die Fingerspitzen legen. Andere Namen sind Ouija-Brett, Witchboard, Talking Board, Geisterbrett oder Seelenschreiber; häufige Schreibfehler sind Quija und Oujia.
Wie befragt man ein Hexenbrett?
Zwei oder mehr Personen legen die Fingerspitzen leicht auf die Planchette, eine Person stellt eine kurze, klare Frage, alle warten, bis sich der Zeiger bewegt, und ein Protokollant notiert die Buchstaben. Am Ende führt man die Planchette auf AUF WIEDERSEHEN. Online geht es oben auf dieser Seite mit einem Tipp auf „Hexenbrett befragen“.
Funktioniert ein Hexenbrett wirklich?
Die Planchette bewegt sich wirklich, fast bei jeder Sitzung. Die Bewegung kommt aber aus den Händen der Beteiligten, ohne dass sie es merken. Dieser ideomotorische Effekt ist seit 1852 bekannt und vielfach geprüft, zuletzt mit Blickmessungen an der Universität Aarhus. Wissen über die Zukunft oder über Dinge, die niemand am Tisch kennt, liefert das Brett nicht.
Warum bewegt sich die Planchette, obwohl niemand schiebt?
Weil die Vorstellung einer Bewegung winzige Muskelimpulse auslöst, die das Gehirn nicht als eigene Handlung verbucht. Mit mehreren Händen summieren sich diese Impulse, jeder spürt die anderen und keiner sich selbst. Michael Faraday hat das schon 1853 am Tischrücken mit einem einfachen Zeiger nachgewiesen.
Was bedeutet das Wort Ouija?
Das ist nicht sicher geklärt. Die Gründer der Kennard Novelty Company erzählten 1890, das Brett habe sich den Namen selbst gegeben, als das Medium Helen Peters es danach fragte, und „Ouija“ bedeute „Glück“. Die Erklärung aus dem französischen „oui“ und dem deutschen „ja“ kam später auf, vermutlich von William Fuld.
Ist das Hexenbrett gefährlich?
Nicht durch Geister oder Dämonen, dafür gibt es keinen Beleg. Gefährlich werden kann die Angst, die eine Sitzung auslöst: schlechter Schlaf, Grübeln, kollektive Panik in Gruppen. Für Kinder, für Menschen in akuter Trauer und für Menschen mit Ängsten, Zwängen oder einer psychischen Erkrankung rate ich ab. Wer sich nach einer Sitzung länger unwohl fühlt, sollte darüber sprechen, notfalls mit einer Ärztin.
Darf man das Hexenbrett allein benutzen?
Verboten ist es nicht, und passieren kann dabei nichts anderes als zu zweit. Allein bewegt sich die Planchette nur langsamer und seltener, weil die eigene Hand leichter auffällt. Die Regel „nie allein“ stammt aus Filmen und Foren; psychologisch ist sie trotzdem sinnvoll, weil ein zweiter Mensch die Angst dämpft.
Was ist der Unterschied zwischen Hexenbrett und Gläserrücken?
Nur das Material. Beim Gläserrücken liegen die Buchstaben auf Zetteln im Kreis, und ein umgedrehtes Glas ersetzt die Planchette. Der Effekt ist derselbe, das Glas gleitet sogar leichter. In Deutschland ist das Gläserrücken die verbreitetere Form.
Kann man mit dem Hexenbrett Kontakt zu Verstorbenen aufnehmen?
Die Antworten kommen aus den Köpfen der Beteiligten, auch wenn sie sich fremd anfühlen. Wer trauert, bekommt deshalb über das Brett genau die Sätze, die er sich wünscht oder fürchtet, und das kann die Trauer verlängern statt sie zu lindern. Welche Erfahrungen Hinterbliebene wirklich machen und wie Du gut damit umgehst, steht auf der Seite zu den Zeichen von Verstorbenen.
Braucht man ein Medium, um das Hexenbrett zu befragen?
Nein. Das Brett funktioniert mit jedem Menschen, der Hände hat und eine Antwort erwartet. Ein „Medium“ am Tisch ist psychologisch einfach die Person mit der stärksten Erwartung und den lockersten Händen.
Wie zuverlässig ist das Online-Hexenbrett auf dieser Seite?
Es ist ehrlich, nicht hellsichtig. Bei Ja-Nein-Fragen antwortet es mit 40 Prozent Ja, 40 Prozent Nein und 20 Prozent offen, bei der Wort-Botschaft wählt der Zufall eines von 36 Wörtern. Nichts wird gespeichert oder übertragen. Zuverlässig ist, was es Dir über Deine Reaktion verrät: Erleichterung oder Enttäuschung zeigen Dir Deine eigene Tendenz.
Welche Fragen sollte man dem Hexenbrett nicht stellen?
Keine Fragen zu Krankheit, Schwangerschaft, Medikamenten oder zum Tod, keine Fragen nach den geheimen Absichten anderer Menschen und keine Geld- oder Rechtsentscheidungen. Das Brett weiß dort nichts, und eine zufällige Antwort kann Schaden anrichten.
Wer hat das Hexenbrett erfunden?
Als Produkt: die Kennard Novelty Company in Baltimore, gegründet 1890 von Charles Kennard, dem Anwalt Elijah Bond und Investoren. Das Patent von 1891 trägt Bonds Namen, die Marke prägte ab 1901 William Fuld. Die Idee selbst stammt aus den spiritistischen Zirkeln der 1880er Jahre, die Vorläufer sind Alphabettafeln, Planchette und Tischrücken.
Was sagt die Kirche zum Hexenbrett?
Die katholische Kirche lehnt im Katechismus (Nr. 2116) alle Formen der Wahrsagerei ab, ausdrücklich auch das Befragen von Medien und die Totenbeschwörung; viele evangelische und evangelikale Gemeinden warnen ebenfalls vor dem Ouija-Brett. Wer so glaubt, sollte das Brett lassen, nicht weil es Geister ruft, sondern weil ein Erlebnis gegen den eigenen Glauben besonders belastet.
Was ist der Unterschied zwischen Ouija Brett, Witchboard und Hexenbrett?
Keiner in der Sache. „Ouija“ ist die geschützte Marke von Hasbro, deshalb nennen andere Hersteller ihre Bretter Witchboard, Hexenbrett, Geisterbrett oder Seelenschreiber. Aufbau, Planchette und Ablauf sind gleich, und das Phänomen dahinter ebenfalls.
Was ist Zozo?
Zozo ist eine Internet-Legende der 2000er Jahre: ein angeblicher Dämon, der sich meldet, wenn die Planchette zwischen Z und O hin- und herpendelt. Die beiden Buchstaben liegen auf dem Brett so, dass eine zitternde Hand leicht zwischen ihnen wechselt, und wer die Geschichte kennt, erwartet genau das. 2014 bekam Zozo einen eigenen Horrorfilm.
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Damian Garrett
Legt seit 2005 die Lenormandkarten. Autor des Lenormand-Praxisbuchs und Entwickler eines eigenen Systems zur Deutung der Kartenkombinationen. Hauptberuflich in der psychologischen Lehre und Forschung. → Mehr über den Autor
















